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Freitag, 10.08.2018

Ein Rekordmann, den fast keiner kennt

80 Millionen Ablöse: Kepa ist der teuerste Torhüter der Welt. Ein Wechsel, der Fragen aufwirft.

Von David Ryborz

Kepa Arrizabalaga steht künftig im Tor von Chelsea.
Kepa Arrizabalaga steht künftig im Tor von Chelsea.

© Zorrill/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Kepa wer? Kepa Arrizabalaga, 23 Jahre alt, geboren in Ondarroa, einem baskischen Fischerdorf mit 10 000 Einwohnern, Vogel-Liebhaber und teuerster Fußball-Keeper der Welt. Der englische Pokalsieger FC Chelsea lässt sich die Dienste Kepas 80 Millionen Euro kosten, ganz zur Freude von Athletic Bilbao. Aber ist diese Rekordsumme gerechtfertigt?

Der neue Teammanager Maurizio Sarri ist überzeugt: „Ich sah Kepa vor einem Jahr, mein erster Eindruck war, dass er ein sehr guter Torhüter ist“, sagte der 59-jährige Italiener: „Er ist sehr jung, aber sehr, sehr gut.“ Schnell und agil soll Kepa sein, sicher mit dem Ball am Fuß und außerdem noch „fantastische“ Reflexe haben.

Auch Kepa ist logischerweise glücklich: „Viele Dinge haben mich gereizt: Die Titel des Klubs, die anderen Spieler, die Stadt, die Premier League“, sagte er: „Ich bin stolz, dass Chelsea sich entschieden hat, mir zu vertrauen.“ Für sieben Jahre wurde Kepa, der teuerste Einkauf der Klubgeschichte, an der Stamford Bridge verpflichtet. Ein gigantischer Vertrauensvorschuss.

Denn seine Vita liest sich unspektakulär, seit 2016 absolvierte Kepa für Bilbao 53 Spiele in der spanischen Primera Division. Mit starken Leistungen bei der U21-Europameisterschaft 2017 machte der 1,89 Meter große Baske auf sich aufmerksam, mit Spanien war er erst im Finale an Deutschland gescheitert. Bei der WM in Russland war er der Ersatzmann von David de Gea, dessen Patzer dafür sorgten, dass er in Fan-Umfragen sogar als Stammtorhüter gefordert wurde.

Doch nicht nur Fußball bestimmt das Leben des 23-Jährigen. Kepa hat eine große Leidenschaft für Vögel, als Jugendlicher brachte er mit seinem Vater Finken das Singen bei. Mit seinen Vögeln Oker, Rocky und Räikkönen gewann er 2008 und 2010 sogar Wettbewerbe. „Seit ich klein bin, haben wir Vögel. Am Anfang hab ich keinen Wettbewerb verpasst, dann wurde es weniger wegen der Spiele an den Wochenenden“, sagt er. „Immer wenn ich heimkomme, ist alles voller Vögel.“

Nun wohnt Kepa etwas weiter weg. Innerhalb von 24 Stunden wurde er nach London geholt, wo er in Zukunft das Chelsea-Tor hüten soll. Denn die Blues mussten kurz vor Ende des Transferfensters in der Premier League dem streikenden Thibaut Courtois den Wunsch erfüllen, zu seiner Familie nach Madrid zu ziehen. Der „beste Torhüter der WM“ in Russland brachte Chelsea nur 39,25 Millionen Euro Ablöse, für Real Madrid ein Schnäppchen. Courtois hat bei den „Königlichen“ für sechs Jahre unterschrieben.

Hier schließt sich das Dreieck: Denn Kepa war bei den Madrilenen schon im Januar als neue Nummer eins im Gespräch, hatte sogar schon den Medizincheck absolviert. Doch die Königlichen wollten die in der damaligen Ausstiegsklausel festgeschriebene Summe von 20 Millionen Euro nicht bezahlen. „Kepa ist sehr talentiert“, sagte der ehemalige Erfolgstrainer Zinedine Zidane, doch der Franzose wollte keinen Torhüter im Laufe der Saison kaufen.

Ein halbes Jahr später hat Real seinen Wunschkeeper bekommen– und viel Geld gespart. Bilbao freut sich über eine volle Vereinskasse, und Chelsea hat unter Druck in die Zukunft investiert. Und Kepa? Er hat nun die Möglichkeit, sich auf noch größerer Bühne einen Namen zu machen. (sid)

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