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Samstag, 14.07.2018

Ein Prosit auf Petrus

Im Weingut Rothes Gut freut man sich über den Regen zuletzt. Einzelne Trauben sind schon deutlich gefärbt. Es sieht nach einem guten Jahrgang aus.

Von Marcus Herrmann

Annekatrin Rades und Tim Strasser stoßen in der Vinothek des Weingutes Rothes Gut auf ein bisher gutes Jahr für die Entwicklung der Reben an. Dabei hat der Regen Mitte der Woche geholfen. Insgesamt sind die Weinhänge im Meisatal sehr hitzeresistent – denn die Lehm- und Lössböden erweisen sich als guter Wasserspeicher.
Annekatrin Rades und Tim Strasser stoßen in der Vinothek des Weingutes Rothes Gut auf ein bisher gutes Jahr für die Entwicklung der Reben an. Dabei hat der Regen Mitte der Woche geholfen. Insgesamt sind die Weinhänge im Meisatal sehr hitzeresistent – denn die Lehm- und Lössböden erweisen sich als guter Wasserspeicher.

© Andreas Weihs

Meißen/Meisatal. Wenn es vor der Tür kräftig regnet, bleiben Winzer Tim Strasser und seine Partnerin Annekatrin Rades lieber drinnen. Zu tun gibt es in der Weinkellerei Rothes Gut am Lehmberg 4 genug, gleichwohl sich die Arbeit von der in den letzten, hitzereichen und trockenen Wochen, deutlich unterscheidet. „Wir mussten uns bei der Trockenheit viel im Weinberg aufhalten, die Reben durchlüften, zurückschneiden oder überschüssiges Laub entfernen. Jetzt nutzen wir die kurze Regen-Phase für Büroarbeiten“, sagt Winzer Tim Strasser.

Zudem stehen derzeit Abfüllungen an, also der letzte Schritt der Weinbereitung, damit der Wein vom Keller in den Verkauf übergehen kann. Die abgefüllten Flaschen anschließend zu etikettieren, bleibt nun auch Gelegenheit.

Erst wenn sich die Sonne wie vorhergesagt in den nächsten Tagen wieder öfter zeigt, wird draußen mehr zu tun sein. Die grassierende Trockenheit vor dem nassen Intermezzo der letzten Tage hat bei Rothes Gut – anders als etwa an sandigen Steilhängen – für keine größeren Schäden gesorgt. „Wir haben in diesem Jahr auf einem Hektar Junglagen angelegt. Dabei handelt es sich um einen Sauvignon Blanc“, erzählt Strasser. Schäden sind an den jungen Reben, aus denen in drei bis vier Jahren bis zu 3 500 Flaschen gewonnen werden sollen, durch die Trockenheit nicht entstanden. Der Grund dafür sind die natürlichen Begebenheiten der Weinhänge von Rothes Gut.

„Unsere Lehm- und Lössböden haben den großen Vorteil, dass sie Wasser sehr gut und lang anhaltend speichern. Selbst auf dem Höhepunk der langen Trockenphase war in den Böden ab zehn Zentimeter unter der Oberfläche schon wieder Wasser vorhanden“, hat Strasser bei Messungen festgestellt.

Ab wann eine Trockenperiode wirklich bedrohlich würde, kann er nicht genau sagen. Durch das sonnige Frühjahr und den teilweise heißen Frühsommer sind die Reben auf den insgesamt 16 Hektar jedenfalls gut vorbereitet, sollte es jetzt wieder sprunghaft wärmer werden. „Sie haben sich in den vergangenen Wochen sozusagen an die Hitze gewöhnt, somit würde es nun kaum noch zu Sonnenbrand an den Reben kommen.“

Mit dem kürzlich gefallenen Regen sind die Bedingungen für eine reichhaltige und frühe Weinernte gegeben, sagt der Winzer. Der in überschaubaren Mengen und langsam fallende Landregen sei gut in den Boden eingesickert und komme bis an die tiefen Wurzeln der Reben heran. Gibt es in den nächsten Wochen weitgehend stabil-warmes Wetter ohne Hagel oder enorme Stürme, dann sei zwischen Mitte und Ende August schon mit der Ernte des Frühburgunders oder des Regents zu rechnen. „Die Trauben haben sich teilweise schon rot zu färben begonnen. Das sieht sehr gut aus für eine frühe Ernte“, sagt Strasser. Damit sei auch ziemlich sicher, dass bis zum Tag des offenen Weinguts in Meißen (25. und 26. August) Federweißer bei Rothes Gut angeboten werden kann.

Bis dahin können Besucher des Weinguts die neuesten Abfüllungen eines älteren Sauvignon Blanc kosten. Er habe eine Note von grüner Paprika mit einer deutlichen Säure, sei fruchtig im Geschmack und gleichzeitig würzig. „Modern“ fasst Strasser den Charakter des Weins kurz zusammen.

Bis Ende 2019, planen Tim Strasser und Annekatrin Rades das momentan im Bau befindliche Nebengebäude als neues Weinlager umzubauen. Circa 250 Quadratmeter stehen zur Verfügung. Das jetzige Lager im gegenüberliegenden Gewölbe soll dann umziehen und danach als Veranstaltungshaus genutzt werden. Platz wird etwa für eine Bar, für Feste wie Hochzeiten oder Tanzveranstaltungen geschaffen.