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Freitag, 12.10.2018

Ein Haus für die ganze Familie

Das Computermuseum ZCOM lässt sich als familienfreundliche Einrichtung zertifizieren. Worauf kommt es da an?

Von Anja Wallner

Viele interaktive Angebote – auch das ist etwas für Groß und Klein: Melanie Fliege-Blossey (rechts) und Katja Wersch vom Tourismusverband Lausitzer Seenland lassen sich vom stellvertretenden Einrichtungsleiter Marcus Matics durch das ZCOM führen.
Viele interaktive Angebote – auch das ist etwas für Groß und Klein: Melanie Fliege-Blossey (rechts) und Katja Wersch vom Tourismusverband Lausitzer Seenland lassen sich vom stellvertretenden Einrichtungsleiter Marcus Matics durch das ZCOM führen.

© HY-photo Gernot Menzel

Bunt ist das Spielzimmer in Hoyerswerdas Computermuseum ZCOM. Die verschiedenen Beschäftigungsmöglichkeiten dürften bei Kindern keine Langeweile aufkommen lassen. Der stellvertretende Museumsleiter Marcus Matics bestätigt das: „Kinder verbringen hier manchmal mehr Zeit als im Museum“, sagt er, und fügt schmunzelnd hinzu: „Auch Väter haben an den Metallbaukästen viel Freude.“ Familien sollen sich im ZCOM wohlfühlen. Das Zuse-Computermuseum an der Bonhoefferstraße tut eine ganze Menge dafür – das Spielzimmer ist da nur ein Baustein – und möchte vom Tourismusverband Lausitzer Seenland offiziell als familienfreundliche Freizeiteinrichtung geführt und vermarktet werden und sich mit einem entsprechenden Signet zeigen (siehe Kasten).

Ob das ZCOM schon so weit ist, das prüft an diesem Vormittag Melanie Fliege-Blossey, beim Tourismusverband für Marketing, Produkt-Entwicklung und die Sparte Familienurlaub tätig. Ein bisschen schließt sich hier der Kreis: Beim diesjährigen Tourismustag im März gab es den offiziellen Startschuss für den Fokus auf Familienurlaub im Seenland – und diese Veranstaltung fand im ZCOM statt.

Melanie Fliege-Blossey hat einen dreiseitigen Erhebungsbogen für Freizeiteinrichtungen mitgebracht. Den wird sie gleich mit Marcus Matics durchgehen; schauen, welche Kriterien erfüllt sind, um als familienfreundlicher Betrieb zu gelten, oder wo eben noch nachjustiert werden muss. Eine Arbeitsgemeinschaft Familienurlaub beim Tourismusverband – auch das ZCOM ist da dabei – hat den Bogen erarbeitet. Die eingeflossenen Kriterien fußen auch auf denen des Deutschen Tourismusverbandes und der Tourismus-Marketinggesellschaft Sachsen. „Ziel ist es, eine Basis zu schaffen, um Unterkünfte, Gastronomie und Freizeitangebote zu erheben“, so Katja Wersch, Sprecherin des Verbandes. Für die drei Sparten gibt es zum Teil unterschiedliche Kriterien.

An Kleinigkeiten hakt es

Im ZCOM führt der Verband die zwölfte derartige Vor-Ort-Prüfung durch. Hinter sich haben das zum Beispiel schon die Krabatmühle Schwarzkollm, Zoo & Schloss Hoyerswerda, die Energiefabrik Knappenrode, das ATZ Welzow, das Landhotel Neuwiese oder der Familienpark Großkoschen. „Fast alle müssen irgendwo nachrüsten“, sagt Melanie Fliege-Blossey. Es hake aber meist nur an Kleinigkeiten, wie etwa fehlenden Kinderhockern auf der Toilette, speziellen Familienangeboten oder -rabatten.

Mit dem Kinderhocker im WC hapert es auch im ZCOM, der fehlende Wickeltisch ist nach Angaben von Marcus Matics bereits bestellt. Bollerwagen hat das Museum zwar nicht – aber die sind nicht zwingend nötig, so groß ist das Museum nun ja auch wieder nicht.

Ansonsten kann Melanie Fliege-Blossey auf ihrer Liste mit den erforderlichen Qualitätskriterien fast überall einen Haken machen. 21 von 27 „Muss-Kriterien“ und drei von sieben „Kann-Kriterien“ sind erfüllt. Das ZCOM ist barrierefrei, der Parkplatz nah; es gibt eine Spielecke, eine familienfreundliche Eintrittspreisgestaltung, Schließfächer, spezielle Angebote für Kinder (wie Geburtstagsfeiern und Bastelnachmittage), eine Museumsrallye oder die Möglichkeit zur Selbstverpflegung im Foyer ... – keine halbe Stunde, dann ist der Erhebungsbogen abgearbeitet. Das ZCOM bekommt ein Protokoll, und bis spätestens in einem halben Jahr sollten die „Makel“, also beispielsweise der noch nicht vorhandene Toilettenaufsatz für Kinder, abgestellt sein. „Beweisen“ kann man das durch Einreichen von Fotos oder einer entsprechenden Rechnung. Dann gibt‘s das Zertifikat.

Buchbare Angebote gewünscht

„Komfort, Service und Angebote müssen da sein, die Einrichtung muss Familienfreundlichkeit leben“, betont Katja Wersch. Weiterführend seien spezielle buchbare Angebote wünschenswert, die für Familien entwickelt würden, abgestimmt auf die unterschiedlichen Altersgruppen der Kinder. Wobei im konkreten Fall das ZCOM nicht unbedingt ein Haus für Kleinkinder ist. Kinder- und Jugendgruppen seien dann noch mal ein Spezialfall, was man mit seinen Offerten auch deutlich von Familien trennen sollte.

Und weil die Überprüfung im Computermuseum so fix ging, kann sich der Besuch vom Tourismusverband ein wenig mehr Zeit beim Rundgang durch die Ausstellung lassen – und auch mal das eine oder andere interaktive Angebot testen. Die Schau im ZCOM lebt schließlich auch davon, dass man viel ausprobieren, herumtüfteln, rechnen kann. Etwas, das Familien sicher gern zusammen tun.

  • Familienurlaub im Lausitzer Seenland
  • Marke: Familien gehören bereits zu den wichtigsten Zielgruppen. Haben sie das perfekte Urlaubsziel gefunden, kommen sie höchstwahrscheinlich wieder, da sie weniger flexibel als andere Zielgruppen sind. Qualitätssiegel wie „Familienurlaub im Lausitzer Seenland“ erleichtern die Orientierung und schaffen zusätzlich Vertrauen sowie Abgrenzung im Wettbewerb.
  • Anliegen: Der Tourismusverband Lausitzer Seenland wünscht sich weitere familienfreundliche touristische Betriebe und erlebnisorientierte, unverwechselbare Angebote.
  • Antragsverfahren: Um entweder familienfreundlicher Beherbergungs-, Gastronomiebetrieb, Erlebnisanbieter oder familienfreundliche Freizeiteinrichtung zu werden, muss das entsprechende Antragsformular ausgefüllt und an den Tourismusverband geschickt werden. Der führt die (kostenfreie) Vor-Ort-Prüfung anhand eines Kriterienbogens durch. Alle relevanten „Muss-Kriterien“ müssen erfüllt sein, dazu mindestens 50 Prozent der „Kann-Kriterien“. Passt alles, wird der Betrieb als Partner von „Familienurlaub im Lausitzer Seenland“ vermarktet, zunächst für drei Jahre. Danach wird bei Bedarf neu geprüft.
  • Voraussetzungen: unter anderem Teilnahme am Online-Buchungssystem, Anbietereintrag auf dem Tourismusportal (kostenpflichtig)
  • Leistungen: u.a. Darstellung des Betriebs mit „Familienfreundlich“-Signet in Printprodukten, im Internet sowie Urkunde und Plakette Quelle: TV Lausitzer Seenland

www.lausitzerseenland.de

www.zuse-computer-museum.com