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Montag, 10.09.2018

Ein Friedhofsgärtner als Serienmörder?

Lüneburg. Eine gediegene Wohngegend am Stadtrand von Lüneburg, das Einfamilienhaus steht am Ende einer Sackgasse. Ein Rotklinkerbau mit Hecke und Wintergarten, dahinter eine kleine Anhöhe mit Bäumen. Unter der Garage des Hauses ist vor fast einem Jahr die Leiche der seit 1989 vermissten Birgit Meier gefunden worden. Ihr Bruder hat die Suche nie aufgegeben, es ist der ehemalige Leiter des Landeskriminalamts Hamburg, Wolfgang Sielaff.

Privat hat er weiterermittelt. Am Mittag des 29. September 2017 machen er und sein Team den grauenvollen Fund, der nach Jahrzehnten Gewissheit bringt. Mit Erlaubnis der Eigentümer hat Sielaff das Haus erneut untersucht und den Betonboden der Garage aufgestemmt.

Der Ex-Besitzer des Grundstücks war früh in den Fokus der Ermittler gerückt. Doch der Friedhofsgärtner nahm sich 1993 das Leben, da saß der 40-jährige Deutsche wegen anderer Vorwürfe in Haft. Bereits damals hatte die Polizei das Haus durchsucht und war auf Waffen, Fesseln und anderes verdächtiges Material gestoßen.

„Der Friedhofsgärtner kommt möglicherweise für 24 weitere Todesfälle oder gar noch mehr als Täter infrage“, sagt Mathias Fossenberger, Sprecher der Polizeidirektion Lüneburg. Die Operative Fallanalyse des Landeskriminalamtes Niedersachsen ziehe zwei Dutzend Fälle in Betracht. „Wir schließen nichts aus und beschränken uns nicht auf diese Taten“, betont er.

Im Fall von Birgit Meier hatte ein Blutstropfen an einer Handschelle aus dem Haus des Gärtners im Herbst 2016 die Ermittler erneut auf die Spur gebracht. DNA-Treffer weisen auch auf den Friedhofsgärtner als Verantwortlichen für die sogenannten Göhrdemorde hin, die 1989 bundesweit für Schlagzeilen sorgten. Im Waldgebiet östlich von Lüneburg wurden damals zwei Paare ermordet. Sie wurden erschossen, erschlagen und stranguliert. (dpa)

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