• Einstellungen
Dienstag, 13.02.2018

Ein Fehlgriff, keine Diskussion

Markus Schubert ist seit Jahresbeginn bei Dynamo die Nummer eins, aber ob er das bleibt, lässt der Trainer offen.

Von Sven Geisler und Tino Meyer

Es wirkt wie eine Geste der Entschuldigung. Dynamos Torwart Markus Schubert ist an der Niederlage in Fürth beteiligt. Foto: Robert Michael
Es wirkt wie eine Geste der Entschuldigung. Dynamos Torwart Markus Schubert ist an der Niederlage in Fürth beteiligt. Foto: Robert Michael

© Robert Michael

Uwe Neuhaus ist schuld, logisch. Der Trainer ist sowieso für alles verantwortlich, selbst wenn er in Fürth die Chancen nicht vergeben und den Freistoß vorm Gegentor konzentrierter beobachtet hat als mancher Spieler auf dem Platz. Doch das ist nicht gemeint, sondern sein Unkenruf vor Dynamos Niederlage. Mit dem hat er das Unheil geradezu heraufbeschworen. „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“, sagte er auf die Frage, wie er Torwart Markus Schubert nach dessen erstem Zu-null-Spiel in der zweiten Liga bewertet.

Das war natürlich spaßig gemeint, und er hat den erst 19 Jahre alten Profi-Neuling in den höchsten Tönen gelobt. Seit dem Start ins neue Jahr ersetzt Schubert den am Knie verletzten Stammkeeper Marvin Schwäbe. „Wir haben es ihm zugetraut, na klar“, erklärt Neuhaus. „Wenn nicht, hätten wir mit Patrick Wiegers einen richtig guten Torwart hintendran und den spielen lassen.“ Sie hatten sich jedoch schon vor der Saison auf Schubert als neue Nummer zwei festgelegt. „Schubi ist ein bisschen ruhiger als andere, hat aber für sein Alter eine gute Ausstrahlung“, sagt Neuhaus.

Die ersten beiden Spiele laufen für den besonders begabten Ballfänger jedoch nicht optimal mit fünf Gegentoren, „ohne ihm eine Schuld daran zuweisen zu wollen“, wie der Chefcoach betont. Da tat es wirklich gut, dass Schubert beim Heimsieg gegen Bochum keinen Treffer kassierte. Danach wurde er von den Fans gefeiert und durfte sogar Interviews geben. „Ich bekomme es ja auch ein bisschen mit, wenn der K-Block meinen Namen ruft. Und dann fragt man sich: Warum denn das? Ich mache doch nur meinen Job. Aber es freut mich umso mehr“, sagte er.

Schwäbe hatte ihn bereits nach dem Zweitliga-Debüt gegen St. Pauli gelobt. „Das hat mich zusätzlich gepusht“, meint Schubert. Und sein vermeintlicher Nachteil gegenüber Schwäbe, die fußballerischen Fähigkeiten, wird offensichtlich auch immer kleiner. „Ich denke, dass ich das auch ein bisschen gut kann. Und das ist ja unser Spiel, dass wir den Torhüter viel einbeziehen“, sagt Schubert.

Mit einzelnen Szenen beschäftigt er sich nicht, also nicht während des Spiels: „Wenn mich jemand danach fragt, wie hast du diese oder jene Szene gesehen, dann habe ich die schon wieder vergessen.“ An das Gegentor in Fürth aber wird er sich erinnern. Zwangsläufig. Schubert verzichtet darauf, eine Mauer zu stellen, will lieber freie Sicht auf den Freistoß. Etwa 30 Meter entfernt vom Tor liegt der Ball. Was soll passieren? Maximilian Wittek lässt ihn mit seinem Schuss flattern und kurz vor dem Torwart aufsetzen. Schubert greift daneben und sieht bei dem Pfostenschuss unglücklich aus.

Das sagt auch Marco Hartmann am Expertentelefon beim Fernsehsender Sky. „Das weiß Schubi selbst“, meint der verletzte Kapitän zur Pause. Schubert spricht jedoch diesmal nicht und auch kein anderer über seinen Fehlgriff. Schließlich hätten ihm die Vorderleute helfen können, den Nachschuss von Lukas Gugganing verhindern müssen. Diesmal aber kann man den Keeper nicht frei von einer Mitschuld sprechen, was überhaupt nicht schlimm ist und schon gar nichts an der grundsätzlichen Einschätzung ändert. „Schubi ist ein Typ, der Junge macht Spaß“, sagt Ralf Minge. Der Sportvorstand plant perspektivisch mit dem Talent aus dem eigenen Nachwuchs im Tor, der Vertrag bis 2019 hat.

Ob Schuberts Zukunft aber schon begonnen hat, lässt Neuhaus bewusst offen. „Ich glaube, dass er mit Spielpraxis noch besser wird“, sagte der Trainer vor der Partie in Fürth – und er fügte hinzu: „Ob er die weiter bekommt, hängt nicht nur von ihm ab, sondern auch von der Mannschaft. Erfolgreich zu sein ist schon wichtig.“ Schwäbe habe mit dem torwartspezifischen Training begonnen. „Er ist schon relativ weit und es wird nicht mehr so lange dauern“, kündigt der Coach die Rückkehr des Platzhalters an.

Beim 2:2 (Dynamo-Tore: Benatelli und Koné) im Test beim Oberligisten Bischofswerdaer FV 08 am Montagabend spielte Wiegers, der am Ausgleich der Gastgeber in der Schlussphase großen Anteil hatte. Kuriosum: Auch Wiegers Ersatzmann Mika Schneider kam zum Einsatz. Der 17-Jährige ersetzte nach 65 Minuten den verletzten Schlussmann der Bischofswerdaer.

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.