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Montag, 09.07.2018

„Ein Ehrenspielführer würde reichen“

Von Jürgen Schwarz

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RBC-Kapitän Benno Töppel dreht hier nach dem Führungstor gegen den Großenhainer FV jubelnd ab. Doch insgesamt gab es solche Situationen in der Saison zu selten.
RBC-Kapitän Benno Töppel dreht hier nach dem Führungstor gegen den Großenhainer FV jubelnd ab. Doch insgesamt gab es solche Situationen in der Saison zu selten.

© - keine Angabe im huGO-Archivsys

Trainer Matthias Müller gibt beim Fußball-Landesligisten Radebeuler BC seit vier Jahren die Richtung vor. Als einstiger Spieler von Dynamo Dresden kennt er sich bestens aus und hat auch zur aktuellen Diskussion um ehemalige Mitspieler eine klare Meinung. Fotos: Archiv/Lutz Kollmann
Trainer Matthias Müller gibt beim Fußball-Landesligisten Radebeuler BC seit vier Jahren die Richtung vor. Als einstiger Spieler von Dynamo Dresden kennt er sich bestens aus und hat auch zur aktuellen Diskussion um ehemalige Mitspieler eine klare Meinung. Fotos: Archiv/Lutz Kollmann

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Der Radebeuler BC hat die Saison 2017/18 in der Fußball-Landesliga auf Platz neun beendet. Ein einstelliger Tabellenplatz war das Minimalziel des Aufsteigers, sagt Trainer Matthias Müller. Der 63-Jährige führte seine Mannschaft zudem ins Halbfinale um den Sachsenpokal gegen Regionalligist FC Oberlausitz Neugersdorf. Einer der größten Erfolge der Vereinsgeschichte.

Im Interview mit der Sächsischen Zeitung analysiert „Lotte“ Müller das abgelaufene Spieljahr, spricht über die Ziele der Karl-May-Städter für die kommende Saison und sagt, warum er einen ehemaligen Radebeuler Spieler zurückholen will.

Herr Müller, Ihre Mannschaft blieb zu Hause gegen Hohenstein-Ernstthal, Großenhain, Grimma und Lößnitz ohne Niederlage. Was sagt Ihnen das?

Diese Ergebnisse zeigen, dass wir durchaus in der Lage waren, mit den Teams, die in der Leistungstabelle ganz oben stehen, mitzuhalten. Wenn wir es künftig schaffen, diese Qualität konstant abzurufen, sollten wir kommende Saison auch in ruhigen Fahrwassern unterwegs sein.

War es eine Einstellungsfrage, dass gegen Teams der unteren Tabellenhälfte viele Punkte liegengelassen wurden?

Ja, könnte man so sehen, wenn man die Spiele vergleicht. Ich denke allerdings, es hat auch etwas mit Qualität zu tun, denn die Mannschaften aus dem unteren Tabellenbild spielen natürlich bei uns sehr defensiv. Und da haben wir uns in den Heimspielen häufig sehr schwergetan, auch beim Praktizieren unseres Umkehrspiels. Zudem hatte ich bei einigen Auswärtspartien schon das eine oder andere Mal das Gefühl, dass wir nicht einhundertprozentig bei der Sache sind. Hinzu kam eine permanente Schwäche in der Chancenverwertung. Funktioniert alles, kommen Ergebnisse wie das 6:3 gegen Grimma oder das 3:0 gegen Lößnitz zustande.

Welche RBC-Spiele, auch im Pokal, würden Sie herausstellen?

Am Beginn und am Ende der Saison waren wir auf einem guten Level. Die Heimspiele gegen den VFC Plauen II, Pirna-Copitz, Markranstädt, Hohenstein-Ernstthal, Riesa, Grimma und Lößnitz sowie die Auswärtspartien in Pirna-Copitz, Hohenstein, Niesky und Markkleeberg waren gute Punktspiele meiner Mannschaft. Im Pokal gehörten das 2:0 gegen Oberligist Plauen sowie der hohe Sieg in Oderwitz und sicher auch das Heimspiel im Halbfinale gegen Regionalligist Neugersdorf dazu. Mit etwas mehr Courage hätten wir die Begegnung auch für uns entscheiden und ins Sachsenpokalfinale einziehen können.

Gab es für Sie einen RBC-Spieler der Saison?

Man hat gesehen, wie wertvoll Philip Heineccius für uns war, umso mehr bedauere ich seinen Weggang nach Wilsdruff. Herausstellen möchte ich weiterhin Kapitän Felix Graage, der dann leider lange verletzt war. Torhüter Toni Bunzel hat trotz fehlender Konkurrenz ordentlich gehalten. Gesteigert haben sich im Saisonverlauf Benno Töppel, Julius Groß, Eric Talke und Florian Müller. Im Abwehrverbund war Armand Deugoue ein Garant für Stabilität.

Sie feiern dieses Jahr ihren 64. Geburtstag. Sie könnten ihre Freizeit auch anders verbringen ...

So lange das Feuer noch brennt und der Spaß nicht zu kurz kommt, bleibe ich dabei. Teams zu entwickeln, zu führen und dann auf dem Platz im Ergebnis zu sehen, ist eine Art Berufung für mich. Und mit meinem Co-Trainer Nikica Maglica macht die Arbeit auch noch richtig viel Laune.

Spielen Sie selbst noch für verschiedene Oldie-Teams?

Ja, wenn es meine Gesundheit zulässt, bin ich immer noch am Ball, egal ob bei Dynamo, den Oldies des Dresdner SC oder dem Traditionsteam Ost.

Es gab zuletzt viele Diskussionen um Eduard Geyer, mit dem Sie noch zusammengespielt haben. Welche acht Dynamo-Ehrenspielführer hätten Sie benannt?

Acht Ehrenspielführer hätte ich ganz sicher niemals benannt, sondern nur einen. Das sollte eine einzigartige Auszeichnung sein. Ein Franz Beckenbauer in München, ein Uwe Seeler in Hamburg oder ein Fritz Walter in Kaiserslautern. Dynamo hat, warum auch immer, die Kriterien unnötig erweitert. Im Stadion müsste ein Bild von „Dixie“ Dörner hängen – und fertig. Dann hätte man diese ganzen Diskussionen jetzt nicht.

Zurück zum RBC: Können Sie Neuverpflichtungen verkünden?

Nein, leider noch nicht. Ich habe unserem sportlichen Leiter Eberhard Weiche einige Spieler empfohlen, nun ist er am Zug. Aus Dresden kommt ein junger Torhüter, aber Namen wollen wir erst nach Vertragsabschluss nennen.

Aber Sie wollen den 38 Jahre alten Ronny Kreher, der 2013 nach Pirna-Copitz wechselte, noch einmal ins Weinbergstadion zurückholen. Warum?

Weil Ronny ein tadelloser Sportsmann ist und mit seiner Erfahrung unseren jungen Spielern, gerade was beispielsweise den Torabschluss betrifft, noch eine Menge zeigen kann. Leider haben viele junge Spieler heutzutage nicht mehr den Mumm, sich der Herausforderung Landesliga zu stellen.

Wann beginnt die Vorbereitung?

Die erste Einheit steigt in Radebeul am 14. Juli. Testspiele, Trainingsstätten und Kurztrainingslager sind konzipiert. Für den Beginn der Vorbereitungsphase ist bereits alles vorbereitet.

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