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Mittwoch, 13.06.2018

Ein Dresdner in München

Mit 18 feiert Lukas Mai beim FC Bayern sein Bundesliga-Debüt. Für seinen Jugendtrainer ist das keine Überraschung.

Von Daniel Klein

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Ein Ex-Dynamo bei den Profis des FC Bayern: Vor Lukas Mai hatten das Alexander Zickler und Jens Jeremies geschafft.
Ein Ex-Dynamo bei den Profis des FC Bayern: Vor Lukas Mai hatten das Alexander Zickler und Jens Jeremies geschafft.

© SvenSimon

Zu Besuch bei seinen Ex-Trainern Tobias (l.) und Sven Guder im Mai 2017 in Pirna-Copitz.
Zu Besuch bei seinen Ex-Trainern Tobias (l.) und Sven Guder im Mai 2017 in Pirna-Copitz.

© Daniel Förster

Die Interviewanfrage bleibt unbeantwortet. Der FC Bayern möchte nicht, dass der Jungprofi mit den Medien spricht. Es gibt nur eine Ausnahme: Bei der Unterschrift unter seinen ersten Profivertrag ist das vereinseigene TV dabei, nur dort darf Lukas Mai sagen, dass dies „ein großer Schritt“ und „eine große Ehre“ sei und dass „es immer ein Traum war, für den FC Bayern zu spielen“. Was man eben so sagt als 18-Jähriger, wenn das Klubfernsehen die Regie führt.

Hasan Salihamidzic lobt den Innenverteidiger bei dieser Gelegenheit als „super Jungen mit richtig gutem Charakter“. Man sei überzeugt, „dass er seinen Weg machen wird“. Genauso sagt das auch Sven Guder, nur ist der nicht Bayern-Manager, sondern so etwas wie der Entdecker des Fußballtalents. Mit sieben fing Mai in der F-Jugend von Dynamo mit dem Kicken an, als er in die E-Jugend wechselte, kam er unter Guders Fittiche. „Er war immer der Größte“, sagt der Trainer, meint das aber erst einmal körperlich. Auch sonst habe er sich abgehoben – durch seinen Ehrgeiz, seinen Fleiß und seine Verbissenheit. „Er war nie zufrieden, selbst nach Siegen nicht, wollte immer besser werden“, erzählt er.

Mit elf schon im Bayern-Blickfeld

Als Lukas mit elf Jahren mit Dynamo bei einem Turnier in Dessau, einer Art deutscher Hallenmeisterschaft, antritt, wird er als bester Spieler ausgezeichnet. Guder diktiert dem Lokalredakteur den Satz in den Block: „Wenn er verletzungsfrei bleibt und Glück hat, kann er mal oben anklopfen.“ Der Scout des FC Bayern klopft bereits in Dessau Guder auf die Schulter: „Euren Siebener würde ich sofort mitnehmen.“ Gemeint ist Lukas, drei Jahre später geht er tatsächlich nach München.

„Ich bin eigentlich kein Freund früher Wechsel. Aber er hatte in Dresden keine Herausforderung mehr, wäre stehengeblieben“, sagt Guder. Lukas selbst hatte den Schritt in einem Interview mit einem Münchner Fan-Blog so begründet: „Das Niveau beim FC Bayern war viel höher als zuvor in Dresden.“ Gesagt hat er das zu einer Zeit, als ihn deutschlandweit noch niemand kannte. Seit seinen beiden 90-Minuten-Einsätzen in der Bundesliga gegen Hannover und Frankfurt ist das anders. Jupp Heynckes meinte nach dem Debüt des Blondschopfs: „Ich hatte ihm vorher gesagt, dass er ruhig Fehler machen darf. Aber er hat keine gemacht. Mir imponiert an ihm, dass er unaufgeregt ist, sachlich spielt, kopfballstark ist und eine relativ gute Spieleröffnung hat.“ Es war eine Art Ritterschlag von einer Trainer-Legende.

Danach fragten nicht nur Münchner Medien, wer dieser Lukas Mai eigentlich sei. Sein Vater Lars könnte diese Frage am besten beantworten, doch auch das ehemalige Aufsichtsrats-Mitglied von Dynamo möchte sich nicht über seinen Sohn äußern. Wie die Pressestelle des FC Bayern fürchtet er wohl, das ganze Bohei könnte zu viel werden.

Guder glaubt nicht, dass sein einstiger Schützling den Rasen unter den Stollenschuhen verlieren könnte. „Er ist nicht der Typ, der abhebt“, sagt der Übungsleiter, der gemeinsam mit seinem Sohn Tobias inzwischen die D-Jugend des VfL Pirna-Copitz betreut. Dort war Lukas vor einem Jahr, um seine ehemaligen Trainer zu besuchen und den Jungs vom Leben im neuen Bayern-Campus zu erzählen. „Er ist für sie ein Vorbild, weil er bewiesen hat, wie weit man es als Talent schaffen kann“, sagt Guder, der noch immer im regelmäßigen WhatsApp-Kontakt mit ihm steht.

Der Aufstieg verläuft bei Lukas Mai tatsächlich ohne einen einzigen Umweg. Für sämtliche DFB-Auswahlteams ist er im Einsatz, gewinnt mit Bayerns B-Jugend die deutsche Meisterschaft, nach dem Wechsel in die A-Jugend darf er erstmals bei den Profis trainieren. „Es ist schon etwas anderes, wenn man auf einmal neben Weltmeistern und Champions-League-Siegern steht“, erzählt er im Bayern-Blog. Wie alle anderen muss er zum Einstand in der Kabine singen. Er wählt „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen. „Aber ich bin dann doch lieber auf dem Rasen als am Mikrofon, singen ist nicht so meins.“

Dynamo kassiert Ausbildungsgeld

Sein Profivertrag gilt für die nächsten drei Jahre – und davon profitiert auch sein Ausbildungsverein. Bei seinem nächsten Bundesliga-Einsatz klingelt es in der Kasse von Dynamo. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) zahlt aus einem freiwillig eingerichteten Solidaritätspool eine „Zahlung zur Anerkennung und Förderung der Ausbildung junger Spieler“, wie es offiziell heißt. Im Fall Lukas Mai bekommt Dynamo 41 400 Euro. Auch sein sechs Jahre älterer Bruder Sebastian begann bei den Schwarz-Gelben, jetzt wechselte er von Preußen Münster zum Halleschen FC.

„Lucki“, wie er zu Dynamo-Zeiten gerufen wurde, hat ganz andere Optionen. Vor seiner Vertragsverlängerung bei den Bayern hatten sich angeblich auch Juventus Turin, Schalke 04, Werder Bremen und Hannover 96 für den 1,90 Meter großen Abwehrspieler interessiert. Doch er will sich beim FC Bayern durchsetzen. „Dort hat er die besten Optionen“, findet Guder. „Er kann weiter bei der U19 spielen und mit ihnen in der Champions Youth League. Oder in der U23 und sporadisch bei den Profis. Ich bin mir sicher, dass er seinen Weg gehen wird. Das macht mich auch ein bisschen stolz.“ Man merkt es ihm an.

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