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Mittwoch, 12.09.2018

Ein bisschen explosiver

Maik Walpurgis ist seit 26 Jahren Trainer. Dass er trotzdem kaum bekannt ist, sagt wenig aus über ihn und seine Qualität. Ein Porträt.

Von Sven Geisler

Cristian Fiel (r.) war noch Dynamo-Kapitän, als Trainer Maik Walpurgis 2014 mit dem VfL Osnabrück in Dresden war und sich mit dem Schiedsrichter anlegte.
Cristian Fiel (r.) war noch Dynamo-Kapitän, als Trainer Maik Walpurgis 2014 mit dem VfL Osnabrück in Dresden war und sich mit dem Schiedsrichter anlegte.

© Matthias Rietschel

Wenn Dynamo nicht gerade einen Cheftrainer gesucht hätte, Maik Walpurgis wäre auch der perfekte Mann fürs Grüne gewesen. Zu Hause im ostwestfälischen Herford achtet der Hobby-Gärtner nämlich penibel darauf, dass der Rasen die perfekte Länge hat. Allerdings muss er das nun seiner Partnerin überlassen, mit der er „seit vielen Jahren in einer sehr festen Lebensgemeinschaft“ liiert ist und keine Kinder hat. Viel mehr gibt der 44-Jährige nicht preis über sein Privatleben, es fehlt einfach die Zeit dafür bei seinem ersten Medientermin in Dresden.

Schließlich geht es in erster Linie um seinen Beruf, den er als ein Privileg ansieht. Fußball-Trainer wollte er sofort werden, als er wegen Verletzungen kein Spieler mehr sein konnte. Damals war er gerade mal 18, und so verweist er auf 26 Jahre Erfahrung, davon zuletzt ein paar Monate in der Bundesliga beim FC Ingolstadt. Dass er sich trotzdem bisher keinen großen Namen gemacht hat wie die Durchstarter von der Schulbank, der Schalker Domenico Tedesco oder Hoffenheims Julian Nagelsmann etwa, sagt wenig aus über seine Qualitäten. Walpurgis hat mit kleinen Erfolgen einigen Eindruck hinterlassen.

Sein Motto: „Mit großer Leidenschaft lässt sich viel bewegen.“ 2013 waren die von ihm trainierten Sportfreunde aus Lotte nah dran, dem haushohen Favoriten RB Leipzig in der Relegation den Aufstieg in die 3. Liga zu vermasseln. Die Entscheidung in dem ungleichen Duell fiel in der Verlängerung – durch ein Eigentor eines Spielers, „der den Verein danach verlassen hat“, wie Ralf Minge süffisant einschiebt.

In seiner vereinslosen Zeit hat Walpurgis viel gelesen über Führung, Motivation und Zielsetzung. An der Seitenlinie ist er ein emotionaler Typ. „Vielleicht liegt es an der Haarfarbe, dass man ein bisschen explosiver ist“, sagt er über sich selbst. Durch seine Erfahrungen sei er ruhiger und gelassener geworden. Diesen Eindruck teilt Dynamos Sportgeschäftsführer, zumindest traut er seinem neuen Vertrauten zu, dass er „auch Besonnenheit an den Tag legt in diesem hektischen Umfeld“. Von dem hat sich Walpurgis genauso wenig abschrecken lassen wie von der Tatsache, dass er bei der Sportgemeinschaft der Trainer Nummer 35 seit 1990 ist, Interimslösungen und Zweitamtszeiten mitgerechnet. „Es ist für uns Trainer manchmal auch nicht so schön, wie bestimmte Dinge laufen“, sagt er, „aber die Freude, die Begeisterung und die Chancen überwiegen.“

Es habe ihm imponiert, erzählt Walpurgis, dass die Verantwortlichen „mit großer Wertschätzung über Uwe Neuhaus gesprochen“ haben. „Das findet man nach einer Trennung im Fußball nicht so häufig. Es hat mir gezeigt, dass ich hier mit tollen Menschen zusammenarbeite.“ Denn diese drei Kriterien sind ihm besonders wichtig: Ehrlichkeit, Vertrauen, Verbindlichkeit. „Das erwarte ich von allen.“ Weil er dieses Gefühl hatte, sei es für ihn auch kein Problem gewesen, dass sich Dynamo zunächst weiter umgeschaut hat. „Wir standen ständig im Austausch“, sagt er, „so wünsche ich mir das.“ Und so fanden sie zusammen: Dynamo und der Trainer. (SZ/-ler)

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