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Freitag, 14.09.2018 Aus dem Gerichtssaal

Ehemaliger Stasi-Offizier zieht das Messer

Ein 67-jähriger Döbelner soll bei Marktkauf ein Bund Radieschen gestohlen haben. Als er erwischt wird, reagiert er über.

Von Helene Krause

© Symbolfoto: dpa

Döbeln. Am Nachmittag des 28. März 2018 zog ein älterer Mann ein Bund Radieschen aus dem Biomüllcontainer bei Marktkauf. Der Leiter des Warenhandels des Supermarktes beobachtete das Treiben. Er ging zu dem Dieb und forderte ihn mehrmals auf, die Ware zurückzugeben. Doch statt die Radieschen zurückzulegen, soll der 67-Jährige aus seiner Jacke ein Messer gezogen und den Angestellten mit den Worten: „Ich stech dich ab!“, bedroht haben. Weil der Mitarbeiter Anzeige erstattete, stand der mutmaßliche Dieb jetzt vorm Schöffengericht des Amtsgerichts Döbeln. Vorgeworfen wurde ihm räuberischer Diebstahl im minderschwerem Fall.

„Ich habe keine Radieschen gestohlen“, leugnet der Angeklagte die Tat. „Ich habe im Container nach Äpfeln für die Vögel gesucht. Ich füttere von November bis März die Vögel. Im Container waren aber keine Äpfel drin. Radieschen brauche ich nicht.“ Dass er aus seiner Jacke ein Messer gezogen hat, gibt er zu. „Ich habe aus Notwehr gehandelt“, schildert er. „Der Mitarbeiter hat mein Fahrrad am Gepäckträger festgehalten. Ich wollte wegfahren. Dass ich ihn abstechen will, habe ich nie gerufen.“ Aus dem Biomüllcontainer will er schon mehrfach Äpfel geholt haben. Und der nennt auch den Grund: Weil ihm seine Rente als ehemaliger Mitarbeiter der Stasi um 400 Euro gekürzt wurde, bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Müllcontainer zu durchsuchen.

Der Leiter des Warenhandelns und eine Büroangestellte von Marktkauf machen in der Verhandlung unterschiedliche, teils widersprüchliche Angaben. Während der Zeuge anfangs schildert, dass der Beschuldigte etwas aus dem Container genommen habe, er aufgrund der Entfernung aber nicht gesehen hätte, was das war, sagt er später, das der Angeklagte ein Bund Radieschen genommen hätte. Dass er mit dem Messer bedroht worden sei, schildert er ebenfalls. „Er fuchtelte mit dem Messer herum“, sagt er. „Ich machte einen Schritt zurück.“ Die Zeugin gibt an, dass sie gesehen habe, dass der Angeklagte etwas aus dem Container nahm. Dass der Beschuldigte etwas aus seiner Jacke gezogen und damit vor ihrem Kollegen herumgefuchtelt habe, schildert sie ebenfalls.

Verteidiger Ulrich Eppinger aus Döbeln geht in seinem Plädoyer davon aus, dass die Ware, die in dem Biomüllcontainer liegt, vom Eigentümer aufgegeben wurde und dass es sich dabei nicht um Diebstahl handelt. „Sachen die im Container liegen sind herrenlos“, so der Verteidiger. „Herrenlose Sachen wegzunehmen, ist kein Diebstahl.“ Im Falle der Bedrohung mit dem Messer geht er von Notwehr aus. Deshalb will er seinen Mandanten freigesprochen sehen.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Karin Fahlberg verurteilt den Angeklagten, der nicht vorbestraft ist, wegen Bedrohung zu einer Geldstrafe von 1200 Euro. Im Falle des Diebstahls wird er freigesprochen. Das Gericht geht in seinem Urteil davon aus, dass der Beschuldigte das Messer gezogen und den Mitarbeiter damit bedroht hat. „Sie hatten kein Recht, ein Messer zu ziehen“, so die Richterin. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.