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Freitag, 22.06.2018

eBay für Industrie- Container

Das Dresdner Start-up Packwise will Umlauf, Nutzung und die Aufbereitung der Universal- Gefäße optimieren – zum Nutzen aller.

Von Stephan Hönigschmid

Auch als Sitzgelegenheit geeignet: Die Packwise-Chefs Gesche und Felix Weger sowie Entwickler René Bernhardt wollen die Nutzung der Container optimieren.
Auch als Sitzgelegenheit geeignet: Die Packwise-Chefs Gesche und Felix Weger sowie Entwickler René Bernhardt wollen die Nutzung der Container optimieren.

© Ronald Bonss

Weil viele Firmen nicht wissen, dass auch in der Nähe ein Aufbereiter sitzt, werden leere Container für Orangensaft oder Säuren kreuz und quer durch Deutschland transportiert. Ein Start-up aus Dresden möchte das jetzt ändern.

Ohne diese Behälter würde die Wirtschaft stillstehen: IBC – zu Englisch: Intermediate Bulk Container. Ganz gleich, ob Orangensaft, Tierfutter oder Industriesäure – zahlreiche Güter der Lebensmittel-, Pharma- oder Chemieindustrie werden mit dieser Verpackung, die aus einem Stahlgittergerüst, einer 1 000 Liter fassenden Kunststoffblase und einer Holzpalette am Boden besteht, jeden Tag durch Deutschland transportiert.

Allerdings gibt es ein Problem: die Wiederverwertung. „Viele Unternehmen haben keine Zeit, sich um die leeren Container zu kümmern. Die sind froh, wenn sie die los sind und rufen daher einfach die auf den Behältern aufgeklebte Nummer eines Aufbereiters an. Dieser ist jedoch nicht immer der nächstgelegene und günstigste Anbieter“, erklärt Felix Weger vom Dresdner Start-up „Packwise“.

So komme es vor, dass beispielsweise ein Produzent in München sitzt und der Aufbereiter in Hamburg, obwohl es auch in der Region eine Wiederaufbereitungsfirma gibt, sagt Weger.

Dass auf dem Markt der Industrieverpackungen ein Informationsdefizit existiert und damit viele Ressourcen verschwendet werden, ist dem früheren Investmentbanker erstmals 2016 aufgefallen, als er für einen deutschen Hersteller von IBCs das Werk in Manchester geleitet hat. „Der Standort war damals nicht rentabel. Daher habe ich mir alles angesehen, was Kosten verursacht hat, und dabei bemerkt, dass die Container, die bis zu 16-mal wiederverwendet werden können, nicht optimal aufbereitet wurden“, sagt der 35-Jährige.

Weil jedes Problem auch eine potenzielle Geschäftsidee ist, greift er seine Beobachtung 2017 wieder auf, als er mit seiner Frau Gesche sowie René Bernhardt die gemeinsame Firma „Packwise“ aus der Taufe hebt. „Wir haben uns eine Art eBay für Industrieverpackungen überlegt. Auf unserer Plattform können die Anbieter von IBCs ihre leeren Container einstellen, und die Aufbereiter haben die Möglichkeit, darauf zu bieten“, erläutert Gesche Weger. Wie sich die Einführung von Marktprinzipien auf den Handel mit den sieben Millionen IBCs ausgewirkt hat, die jedes Jahr in Deutschland entleert werden, beschreibt sie an einem Beispiel: „Wir hatten kürzlich einen Kunden aus Wangen am Bodensee, der seine Verpackungen eigentlich nach Hamburg schicken wollte. Bei uns hat er einen Aufbereiter in Ulm gefunden, der nicht nur näher, sondern auch deutlich preiswerter war.“ Durch die Buchung sei eine Fahrtstrecke von etwa 650 Kilometern eingespart worden, so die 33-Jährige.

Ein positiver Nebeneffekt sei zudem, dass die Container, die pro Stück 100 Euro kosten, nicht mehr so lange bei den Firmen blieben. „Die Verpackungen standen in der Vergangenheit bis zu 80 Prozent ihrer Lebenszeit auf den Höfen verschiedener Unternehmen herum. Auf unserer Plattform werden die Abholzeiträume hingegen genau definiert, sodass die Container schneller in den Kreislauf zurückgelangen“, sagt Felix Weger, der den Verkäufern für die Vermittlung eine Provision von zehn Prozent berechnet.

Obwohl „Packwise“ durch seine Plattform die Kundenbeziehung zwischen den Nutzern der Verpackungen und den Wiederverwertern bereits transparenter gestaltet hat, reichte das den Gründern noch nicht aus. Zusätzlich konzentrierten sie sich auf den Inhalt der Container. „Bei unserem zweiten Geschäftsmodell steht der Gedanke im Vordergrund, dass die Aufbereitung nicht in jedem Fall die beste Option ist.“ So sei es denkbar, dass ein Hersteller von Orangensaft nur ein paar leere IBCs übrig habe, sodass sich die Fahrt zum Aufbereiter kaum lohne. Gleichzeitig könnte aber ein Produzent von Tierfutter derartige Verpackungen suchen. „In einer solchen Situation kann es für den Orangensafthersteller sinnvoller sein, die Verpackungen an den Tierfutterproduzenten zu verkaufen und sich mit dem Geld lieber neue Verpackungen zu kaufen“, sagt Felix Weger.

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