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Mittwoch, 14.03.2018

Dynamos meistunterschätzter Spieler

Alle reden von Moussa Koné. Die spannendere Geschichte ist derzeit aber die von Jannik Müller.

Von Tino Meyer

Er ist der Mann des Spiels, und nach dem dritten Tor wird Moussa Koné noch ausgelassener gefeiert, dass Jannik Müller (rechts) die Vorlage gibt – eine Randnotiz.
Er ist der Mann des Spiels, und nach dem dritten Tor wird Moussa Koné noch ausgelassener gefeiert, dass Jannik Müller (rechts) die Vorlage gibt – eine Randnotiz.

© Robert Michael

Gewinner oder Verlierer, hoch oder runter, schwarz oder weiß – und dazwischen nichts!? Die Welt neigt zu Extremen, da macht der Fußball keine Ausnahme, Dynamo Dresden inklusive. Gefeiert wird also Moussa Koné, und das nach seinen drei Toren gegen Heidenheim völlig zu Recht. Und auf der anderen Seite stehen Niklas Kreuzer und vor allem Philip Heise.

Die beiden Außenverteidiger sitzen in dem Spiel mehr oder weniger unerwartet auf der Ersatzbank. Sie sind sozusagen die personellen Konsequenzen, die Cheftrainer Uwe Neuhaus nach der insgesamt blamablen 0:2-Pleite gegen Darmstadt zuvor angekündigt hatte.

Von Jannik Müller spricht dagegen niemand. Dabei ist der Innenverteidiger in diesen Tagen bei Dynamo die viel spannendere Personalie. Denn was wie ein Denkzettel für Kreuzer und vor allem Heise aussieht und erst recht noch als Notlösung daherkommt, ist das ganze Gegenteil.

Defensiv kann er alles

Neuhaus hat die taktische Variante gezielt eingesetzt. Weil Heidenheim oft mit langen Pässen in die Spitze agiert und sich die Stürmer häufig auf den Außenpositionen anbieten, „haben wir mit Jannik Müller schon deutliche Vorteile im Vergleich zu Kreuzer“, betont der Trainer.

Selbst Fabian Müller, der mit Abstand erfahrenste Verteidiger und nach der Winterpause noch ohne Einsatz, war für den Trainer keine Option. Statt ihn auf dessen angestammter Position links in der Abwehrkette einzusetzen und Paul Seguin wie schon oft rechts spielen zu lassen, hat sich der Trainer ganz bewusst für Jannik Müller entschieden. „Die Idee ist nach dem Darmstadt-Spiel geboren und hat sich in der Woche verfestigt“, erklärt Neuhaus. Er wollte erst einmal Rücksprache mit dem Auserwählten halten.

Dass der im defensiven Bereich universell einsetzbar ist, wusste Neuhaus natürlich, nur ist die Außenverteidigerposition eine spezielle. Müller musste allerdings gar nicht lange überlegen, auch wenn seine Einsätze noch vor Neuhaus’ Zeit bei Dynamo datiert sind. „Ich kenne die Position, die habe ich in meinem ersten Jahr schon zweimal gespielt. Also ein bisschen was war noch drin“, meint Müller. Es war die Saison 2014/15 und er nach Dynamos Zweitliga-Abstieg von der zweiten Mannschaft des 1. FC Köln gekommen. Auch bei den Rheinländern hatte er aushilfsweise mal Außenverteidiger gespielt.

„Eine kleine Umstellung ist das schon“, gesteht der vermutlich am meisten unterschätzte Spieler bei Dynamo, wobei ihm inzwischen der von Drittligist Großaspach gekommene Lucas Röser diesen Titel streitig macht. Das mag am Typ liegen. Müller ist niemand, den es nach vorne drängt und keiner, der mit verrückten Frisuren oder ausgefallenen Klamotten auf sich aufmerksam machen will.

Darauf hat er keine Lust, und das hat er gar nicht nötig. Nach Marco Hartmann ist Müller nun Dynamos dienstältester Spieler und hat in den vergangenen dreieinhalb Jahren immerhin 92 von 136 möglichen Ligaspielen bestritten, seit dem Vorjahr oft in der Anfangself – öfter, als er es nach dem Zweitliga-Aufstieg selbst gedacht hätte.

Müller macht einfach sein Ding, so simpel das klingen mag. Dass er beim 3:2-Siegtreffer gegen Heidenheim sogar als Vorlagengeber für Moussa Koné glänzt, geht im Jubel über den Senegalesen unter. Am allerwenigsten hat er damit ein Problem. „Ich denke, wir haben gewonnen und ich kann zufrieden sein“, meint Müller. Seinen Platz sieht er dennoch in der Innenverteidigung, selbst wenn an Florian Ballas und Marcel Franke derzeit kein Vorbeikommen ist.

Starke Spiele lieferte Müller allerdings auch bereits im defensiven Mittelfeld ab. Und womöglich ist das gar ein Gedankenspiel für die Zukunft, zumal Hartmanns Verletzungsanfälligkeit derzeit offenkundiger denn je ist und der Vertrag mit Manuel Konrad im Juni ausläuft. Vorrang hat aber die Aktualität. Weil Müller seine neue alte Position gut ausgefüllt hat, könnte er die am Sonntag in Ingolstadt erneut besetzen. Wenn die Schlagzeilen danach wieder Koné gehören, hätte er auch nichts dagegen.

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