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Donnerstag, 31.05.2018

Dynamo international

Die Dresdner haben einige Nationalspieler, aber keinen WM-Teilnehmer. Das war mal anders – und hat sich ausgezahlt.

Von Sven Geisler

Dynamos Mittelfeldspieler Haris Duljevic testet mit Bosnien den deutschen WM-Vorrundengegner Südkorea.
Dynamos Mittelfeldspieler Haris Duljevic testet mit Bosnien den deutschen WM-Vorrundengegner Südkorea.

© Jürgen Lösel

Die Sommerpause beginnt für drei Dynamo-Profis mit Verspätung. Während sich ihre Kollegen nach dem Laktattest vor einer Woche in den Urlaub verabschiedet haben, sind Haris Duljevic, Sascha Horvath und Markus Schubert noch im internationalen Einsatz. Allein die Anzahl zeigt, dass die Schwarz-Gelben nicht so schlecht besetzt sein können, wie es zum Ende der Saison den Anschein hatte. Allerdings wird der Vereinsname auch in diesem Jahr bei der Fußball-WM in Russland in keiner Statistik auftauchen.

Duljevic kam mit Bosnien in der Qualifikation nur auf Platz drei hinter Belgien und Griechenland, Horvath für Österreich  und Schubert für die deutsche U 20 spielen noch in den Nachwuchsteams. Von den guten Zeiten ist Dynamo also ziemlich weit entfernt, von den besten sowieso. Zu DDR-Zeiten stellte die SGD oft den Kern der Nationalmannschaft, bei der WM 1974 gehörten Hans-Jürgen Kreische und Siegmar Wätzlich zum Aufgebot, 1976 in Montreal holten gleich sechs Dresdner den Olympiasieg mit. Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner bestritt genauso 100 Länderspiele wie später Ulf Kirsten. Matthias Sammer führte Deutschland 1996 zum Europameistertitel.

Tschertschessow für Russland

Allein die Liste der Namen weckt Erinnerungen, aber auch nach 1990 liefen schon einige Nationalspieler in Schwarz und Gelb auf. Stanislaw Tschertschessow verlor sogar seinen Status als Nummer eins, als er im September 1993 zur russischen Auswahl flog, anstatt für Dynamo im Bundesliga-Spiel beim 1. FC Köln im Tor zu stehen. René Müller nutzte die Chance, denn dank seiner Paraden und des Tores von Uwe Jähnig gelang den Schwarz-Gelben am siebenten Spieltag der erste Saisonsieg.

„Dieser Erfolg war unser Schlüsselerlebnis“, meinte der damalige Trainer Siegfried Held. Jetzt begann die Aufholjagd, denn wegen Lizenzverstößen hatte der DFB Dynamo vier Punkte abgezogen. Mit einem 1:0 gegen Werder Bremen am vorletzten Spieltag war der Klassenerhalt geschafft – und Tschertschessow, jetzt russischer Nationaltrainer, flog anschließend zur WM in die USA. Dort stand er beim 6:1 gegen Kamerun im Tor – und Dynamo hinter seinem Namen im offiziellen Bericht.

Genau wie beim „Sommermärchen“, der WM 2006, hinter Joshua Kennedy. Der Australier wurde zweimal eingewechselt. Allerdings war vorher klar, dass der Stürmer nach dem Abstieg aus Liga zwei nach Nürnberg wechselt. Trotzdem profitierte Dynamo, der DFB zahlte für seine Einsätze und die von Klemen Lavric, der in der Quali für Slowenien gespielt hatte, 600 000 Euro. Das Geld stammte aus dem Gewinn, der durch die WM erwirtschaftet worden war.

Auf eine solche Finanzspritze können die Dresdner diesmal nicht hoffen, für die Spieler sind die Erfahrungen in ihren Auswahlteams trotzdem extrem wertvoll. Duljevic wurde beim 0:0 gegen Montenegro von Trainer Robert Prosinecki, einst einer der besten Mittelfeldspieler der Welt, in der 61. Minute eingewechselt. Danach ging es für ihn auf eine 8 500 Kilometer weite Reise nach Jeonju, wo Bosnien am Freitag im WM-Stadion von 2002 ein Testspiel gegen den deutschen WM-Vorrundengegner Südkorea bestreitet. Und Horvath spielt mit der österreichischen U 21 am Donnerstag und Sonntag jeweils gegen Tschechien.

Seinen Einstand bei der Nationalelf wird im Sommer auch Aias Aosman geben. Der 23-Jährige steht zum ersten Mal im Aufgebot der Auswahl Syriens. Nationaltrainer Bernd Stange, der aus Gnaschwitz bei Bautzen stammt, hat den 23-Jährigen für ein Trainingslager vom 19. Juni bis 1. Juli in Österreich nominiert. Dadurch steigt der Kurde, dessen Eltern mit ihm aus der Heimat geflüchtet sind, als er vier war, früher als Dynamo in die Vorbereitung ein, ist aber zum Trainingsauftakt – voraussichtlich am 25. Juni – nicht in Dresden.

Das ist die Kehrseite der Medaille, erst recht während der Saison: In den Pausen, in denen es wichtig wäre, mit der Mannschaft zu trainieren, sind die Nationalspieler unterwegs. So hatte beispielsweise Peniel Mlapa keinen perfekten Einstand, weil er nach der Vertragsunterschrift vorigen Sommer zunächst für Togo in Marokko spielte. Zudem ist Nationalelf nicht gleich Nationalelf, wie Uwe Neuhaus in Bezug auf den Finnen Eero Markkanen gesagt hat: „Ich glaube, dass Nationalspieler in diesen Ländern ein guter Status ist, aber die tägliche Arbeit in der zweiten deutschen Bundesliga noch mal eine andere Nummer darstellt“, meinte der Trainer über den Stürmer, der sich nach knapp fünf Monaten bei Dynamo aus dem Staub gemacht hat.

Manuel Konrad wechselt vom Zweitligisten Dynamo Dresden zum Drittliga-Aufsteiger KFC Uerdingen 05.

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