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Freitag, 10.08.2018

Du, Roland, musst du manchmal weinen?

Im Albert-Schweitzer-Kinderdorfhaus in Klotzsche interviewen Kinder Roland Kaiser – und machen ihn sprachlos.

Von Henry Berndt

Knallhart nachgefragt: Im gerade eröffneten Albert-Schweitzer-Kinderdorfhaus in Klotzsche trafen Annika (l.) und Mila auf Roland Kaiser.
Knallhart nachgefragt: Im gerade eröffneten Albert-Schweitzer-Kinderdorfhaus in Klotzsche trafen Annika (l.) und Mila auf Roland Kaiser.

© Sven Ellger

Interviews zu geben ist für Promis wie Roland Kaiser meist ziemlich leicht. Die Fragen der Reporter kann er sich schließlich schon vorher denken: Warum gerade Dresden? Was bedeutet die Kaisermania für Sie? Wie lange wollen Sie noch? Brav antwortet er immer dasselbe mit ein paar anderen Worten und denkt sich insgeheim: Nun frag mich doch mal was Neues.

Wahrscheinlich konnte Roland Kaiser auch deswegen diesen Donnerstagmittag so genießen, als ihm zur Abwechslung mal Kinder die Fragen stellten, die ihnen unter den Nägeln brannten. Der Sänger war zu Gast im gerade erst eröffneten Albert-Schweitzer-Kinderdorfhaus in Klotzsche. Seit zwölf Jahren ist er Botschafter der Organisation. Zuletzt spendete er einen Großteil seines Preisgeldes für den Gewinn des „Echos“ für dieses Projekt.

Den Neubau in Klotzsche sah Kaiser zuletzt im Rohbau. Inzwischen ist das Haus fast fertig. Der Kaiser, der gerade für die Kaisermania-Konzerte in der Stadt ist, fährt vor, steigt aus und steuert direkt auf die kleinen Interviewer zu. Er trägt ein weißes Hemd, blaue Jeans und Turnschuhe. „Hallo, ich bin der Roland, und wer seid ihr?“ Schon ist das Eis gebrochen. Die Kinder zeigen ihm ein wenig das Haus. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so schön werden kann“, sagt er. Schon nächste Woche wird hier ein Geschwisterpaar einziehen, das bislang im Heim lebte. Insgesamt ist Platz für bis zu sechs Kinder.

Nach dem kurzen Rundgang ist es Zeit für das Interview auf dem Ledersofa im Wohnzimmer. Aufgeregt kneten Elsa, Annika, Mila und Neela ihre Zettel mit den vorbereiteten Fragen. Dann geht’s in die Vollen: „Was wolltest du als Kind werden?“, will Mila wissen. „Pilot“, antwortet Kaiser. Heute fliege er zwar tatsächlich, allerdings nur privat und mit wenigen Passagieren an Bord. Die nächste Frage trifft ihn persönlich hart: „Warst du gut in der Schule?“ „Können wir die Frage bitte streichen?“, fragt er, um dann doch zumindest zuzugeben: „Eher nicht.“

Und weiter geht es in bester Poesiealbum-Manier: Was ist deine Lieblingsband? „Ich war immer ein Rolling-Stones-Fan.“ Was ist dein Lieblingsessen? Kartoffelpüree und Frikadelle. Wer ist dein größter Superheld? Winnetou. Und deine Lieblingsfußballmannschaft? „Das ist zwar ein bisschen gefährlich hier, aber ich bin ehrlich: Bayern München“. Die Mädchen wissen zwar nicht, warum das gefährlich sein soll, aber sie freuen sich trotzdem, so viele Antworten zu bekommen.

Einige Fragen machen den Kaiser dann aber doch kurzzeitig sprachlos. „Musst du manchmal weinen?“, will die zehnjährige Neela wissen. „Selten, aber es gibt Situationen, da kann das schon passieren.“ Vor allem vor Rührung, wenn ihn seine Kinder überraschen. „Hast du manchmal Angst? Auch hier muss Kaiser erst mal kurz in sich gehen. „Angst ist das falsche Wort“, sagt er dann. „Ich sorge mich manchmal darum, dass die Menschen, die mir wichtig sind, in Frieden und Ruhe leben können.“

Dann kommt die Königin der Kinderfragen: „Wenn du drei Wünsche frei hättest. Welche wären das?“„Gesundheit, Gesundheit, Gesundheit“, sagt Kaiser nach einigem Zögern. „Mehr brauche ich nicht.“ Abgesehen davon gebe es so eine gute Fee ja leider nicht.

Nach zehn Minuten sind die Fragenzettel leer und das Interview beendet. Konzentration auf das Wesentliche ist auch eine Kunst. Außerdem gibt es jetzt gleich Kuchen und Kakao am Küchentisch.

Vorher wird Roland Kaiser noch einmal ernst und beantwortet die Fragen der Großen. „Ich finde, wenn man auf der Sonnenseite des Lebens steht, sollte man der Gesellschaft auch etwas zurückgeben“, sagt er, angesprochen auf seine Botschafterrolle. Auch er selbst sei nicht bei seinen leiblichen Eltern groß geworden und habe daher gerade zu den Albert-Schweizer-Kinderdörfern eine besondere Beziehung.

Sprach’s und setzte sich zu den Kindern an die Kaffeetafel. Für Kinder sollte immer Zeit sein. Und für Kuchen sowieso.

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