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Donnerstag, 07.12.2017

Dresdens Pläne gegen dicke Luft

Tempolimits und gesperrte Fahrbahnen sollen die Schadstoffbelastung senken. Kommt jetzt auch ein Fahrverbot?

Von Stephan Schön und Kay Haufe

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Knackpunkt im neuen Luftreinhalteplan: Das Blaue Wunder verliert eine Spur.
Knackpunkt im neuen Luftreinhalteplan: Das Blaue Wunder verliert eine Spur.

© SZ/Peter Hilbert

Tempolimits sollen auf der Bautzner Straße ...
Tempolimits sollen auf der Bautzner Straße ...

© Peter Hilbert

... und der Autobahn gelten.
... und der Autobahn gelten.

© Peter Hilbert

An diesem Donnerstag pfeift ein kräftiger Wind durch Dresden, zeigt sich aber durchaus von der guten Seite. Denn er weht viele Schadstoffe aus der Stadt, die sich sonst bei kalten Temperaturen wie eine Dunstglocke über Dresden sammeln.

Um das zu ändern, stellt die Stadt am morgigen Freitag den neuen Luftreinhaltplan vor. In dem der SZ bereits vorliegenden Papier sind zahlreiche Projekte aufgeführt, die die Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid in den kommenden Jahren deutlich senken sollen. Damit legt die Stadt nach ihrem letzten Plan von 2011 erstmals eine überarbeitete Variante vor, in der es vor allem um die Begrenzung des Autoverkehrs geht. Denn beide Schadstoffe werden vorwiegend von Autos ausgestoßen.

Vor allem die Messstation an der Bergstraße zeigte in den vergangenen Jahren immer wieder erhöhte Feinstaubbelastungen an. In diesem Jahr wurde der Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter an 19 Tagen überschritten. 35 sind erlaubt. Auch beim Stickstoffdioxid, dessen Jahresgrenzwert bei 40 Mikrogramm liegt, konnte Dresden in den Vorjahren nicht darunter bleiben. Gravierende Maßnahmen sind nötig, um die Dresdner Luft zu verbessern.

Besonders einschneidend wird die Reduzierung der Fahrspuren auf dem Blauen Wunder in ein bis zwei Jahren sein. Dabei macht sich die Stadt zunutze, dass die Brücke ohnehin in den nächsten Jahren saniert wird und dabei Spuren wegfallen. Ob das der Luft hilft, werde man sehen, sagte Wolfgang Socher vom Umweltamt auf dem Statuskolloquium Luft des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie am Mittwoch. Selbst das Straßen- und Tiefbauamt rechnet dann mit Stau.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind Geschwindigkeitsbegrenzungen. So soll auf der Bautzner Straße Tempo 30 gelten, womit die Stadt allein zehn Prozent des Stickoxid-Ausstoßes senken will. Nicht neu, aber ambitioniert ist der Plan, Tempo 100 auf der Autobahn im Stadtgebiet einzuführen. Damit könnte Dresden eine bundesweite Vorreiterrolle einnehmen. Leider ist die Stadt damit vor einigen Jahren beim Land gescheitert.

Um den Verkehr flüssiger zu gestalten und unnötige Abgase zu vermeiden, ist eine grüne Welle an der Kreuzung Könneritz- und Ammonstraße geplant. Zudem soll es ein besseres Verkehrskonzept für den Bereich rund um Schiller- und Körnerplatz geben. Radfahrer sollen dort schneller und sicherer vorankommen, eine Aufweitung der Straßenbahn-Gleisabstände dafür sorgen, dass die neuen Stadtbahnen dort fahren können. Damit erhofft sich die Stadt, rund fünf Prozent der Autofahrer auf den Sattel oder einen Straßenbahn- und Bussitz zu bekommen.

Es ist zu hoffen, dass der Plan aufgeht. Denn Dresden droht weiterhin eine Klage wegen schlechter Luftqualität und ein sich möglicherweise daraus ergebendes Fahrverbot für Dieselautos. Dies hatte die Deutsche Umwelthilfe angekündigt, die den neuen Luftreinhalteplan abwarten will. Sein Vorgänger aus dem Jahr 2011 hat erste Erfolge gebracht, aber zu wenig, um alle Anforderungen zu erfüllen. So dürfen seit sechs Jahren keine großen Lkw mehr durch die Innenstadt fahren, wenn sie dort nichts anliefern. Auf der Königsbrücker Straße gilt Tempo 30. Die Busflotte der Dresdner Verkehrsbetriebe ist mit neuen, schadstoffärmeren Modellen sowie Hybridbussen ausgestattet worden. Auch die Zahl der Jobtickets ist gestiegen, mit denen Beschäftigte dank Arbeitgeberzuschuss günstiger zur Arbeit fahren können. Im Zentrum ist mit dem neuen Parkplatz unter der Marienbrücke die letzte kostenlos nutzbare Fläche weggefallen, damit Autofahrer animiert werden, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Besonders die Anwohner von stark mit Luftschadstoffen belasteten Bereichen wie am Nürnberger Ei und Wasaplatz, der Bautzner und Königsbrücker Straße sowie Teilen der Weißeritz-, Könneritz- und Ammonstraße werden froh sein, dass sich etwas tut. Damit nicht nur der Wind dafür sorgt, dass es keine dicke Luft mehr gibt.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 96 Kommentare

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  1. Dresdner

    Weniger Schadstoffbelastung durch mehr Stau, das klingt logisch!

  2. knut knebel

    Weiträumiges Halteverbot bzw tempor. Zufahrtsverbot um Schulen würde ich noch empfehlen, das reduziert diesen "Elterntaxi"-Blödsinn. Ansonsten sind solche Rahmenplanungen in Dtl. so eine Sache. Nach 10 oder auch 20 Jahren stellt man in Dtl. "verdutzt" fest, huch.., der Lärm ist noch mehr (Lärmaktionspläne), die Stadtluft noch dreggschor (Luftikuspläne) (aufm Platten verweht sichs). Keine echte Handhabe, keine Sanktion, kein Wille. Zastrow bekommt doch alles? Die Wirtschaft brummt, man wächst, Steuern sprudeln, Luft verpestet, Natur zunehmend im Arsch, Nahrungsgrundlage allmählich am abnippeln usw. usf. Was wollen die eigentlich? SZ liefert paar Reizwörter, des Narrenschiff reagiert. Die Taximütter, wie sie alle vor der Schule im Chaos stehen und alle Kinder gefährden + verpesten - ein typisches Abbild unserer tollen Freiheit. Leider bleibt es auf diesem Niveau stecken. Eigentlich müßten die IHK und Co. sich auch zur Wahl stellen, sie verkörpern u.a. die Machtinteressen. Armselig alles.

  3. Micha

    Hoffentlich setzt sich das nicht durch. Die Autoindustrie verkauft diese schmutzigen Fahrzeuge und kommt ungeschoren davon. Die Bürger werden gegängelt, stehen im Stau oder sitzen bzw. stehen in unpünktlich verkehrenden Nahverkehrsmitteln. Die Verantwortlichen sollten sich zusammen setzen und ein ordentliches Konzept erarbeiten. In der hochtechnisierten Welt sollte es möglich sein, Lichtsignalanlagen so ordentlich programmieren zu können, dass alle davon profitieren. Weiter sollte endlich einmal das schon lange propagierte Miteinander der verschiedenen öffentlichen Verkehrsmittel durchgesetzt werden. Dann würden sich endlich einmal die Umsteigezeiten verkürzen und es wären vernünftige Anschlussverbindungen vorhanden.

  4. Franz K.

    Genial - Geschwindigkeitsbeschränkungen, damit die Autos mehr Zeit haben, in einem Streckenabschnitt in aller Ruhe mehr Abgase auszustoßen! btw.: Wie liegen eigentlich die Werte an der Meßstation am Palais im Großen Garten?

  5. Mobilist

    Herrlicher Blödsinn. Nur noch zwei Spuren für das Blaue Wunder. Das hat zur Folge, dass in der Grundstraße und der Pillnitzer Landstraße jeden morgen Megastau ist. Was machen? Anwohner umsiedeln wegen Gesundheitsgefährdung. Eine Stadtverwaltung, die erst den halben P+R Platz in Bühlau wegreißt und dann die Alternative (Straße in die Stadt) auch noch beschneidet gehört dringend entfernt. Und Luftreinhaltung an der Bergstraße und am Neustädter Bahnhof messen. Warum nicht auf dem Alauen- und dem Barbarossaplatz? Dort wohnen doch die Menschen. Und mal 'ne ganz andere Frage. Wo in dem schönen Plan sind denn die Ladestationen für die vielen E-Auto's versteckt? Stadtumbau für Diesel und Benziner. Sehr zukunftsorientiert.

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