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Sonntag, 04.03.2018

Doppelschlag in der Nachspielzeit

Der Großenhainer FV rettet gegen die unheimlich effektive Eintracht aus Niesky beim 3:3 wenigstens einen Zähler.

Von Thomas Riemer

Clemens Krüger scheitert hier in aussichtsreicher Position noch an der vielbeinigen Abwehr von Eintracht Niesky. Sekunden später fällt das 1:2 für den Großenhainer FV, der sich auch von einem vergebenen Elfer erholte und letztlich einen Punkt rettete.
Clemens Krüger scheitert hier in aussichtsreicher Position noch an der vielbeinigen Abwehr von Eintracht Niesky. Sekunden später fällt das 1:2 für den Großenhainer FV, der sich auch von einem vergebenen Elfer erholte und letztlich einen Punkt rettete.

© M. Kost

Großenhain. Das ging gerade noch einmal gut: Als selbst eingefleischte Fans von Fußball-Landesligist Großenhainer FV am Sonnabend bereits am Verlassen des Sportparks im Husarenviertel waren, drehten die Gastgeber ein verrücktes Spiel noch. Mit letzter Kraft bugsierten erst Klemens Krüger (90.) und kurz danach der eingewechselte Martin Brunzel (92.) das Leder über die Linie zum viel umjubelten 3:3 gegen Eintracht Niesky. Entsprechend unterschiedlich fielen die Reaktionen aus. „Wir haben ein fast verlorenes Spiel noch gedreht – ,Weltklasse‘“, zeigte sich GFV-Kapitän Sylvio Schwitzky erleichtert. Nieskys Coach Paul Neumann war verständlicherweise etwas enttäuscht: „Das 3:3 fühlt sich an wie eine Niederlage.“ Doch Neumann ergänzte sofort: „Das Ergebnis geht so in Ordnung.“ Recht hat er.

Die Gastgeber mussten ihre Stammformation gehörig umstellen. Moritz Meißner, Henning Lotzmann und Matthias Walter fehlten wegen „Kartensperren“. Max Meißner nahm auf der Wechselbank Platz. Dafür rückte Eric Bachmann wieder in den Abwehrverbund, Clemens Krüger sollte hinter den Spitzen die Fäden im Mittelfeld knüpfen.

Doch bei eisigen Temperaturen vor der Minuskulisse für Großenhainer Verhältnisse (56 zahlende Zuschauer) war erst einmal eine recht zähe erste Hälfte zu sehen. Denn dem Tabellendritten gelang es nicht, sein bislang so erfolgreiches Spiel aufzuziehen. Die Eintracht zeigte sich von der ersten Minute kampfstark, im Abwehrverhalten sehr robust und keineswegs zimperlich. Zwar hatte der GFV stets ein leichtes Übergewicht und mehr Ballbesitz. Doch wirklich große Torgelegenheiten gab es erst einmal nicht. Nach 35 Minuten erhöhten die Gastgeber urplötzlich die Drehzahl. Erst ging ein Bachmann-Kopfball nach Ecke von Schwitzky knapp neben das Gehäuse. Eine Minute später rasierte ein Witschel-Kracher die Latte. Und als der wieselflinke Stürmer bei einem Eintracht-Rückpass den Braten roch, hatte Keeper Daniel Höher in letzter Sekunde einen Fuß dazwischen. Niesky selbst kam nur selten bis vor das Großenhainer Tor. Doch quasi mit dem Halbzeitpfiff nutzten sie eine von zwei Gelegenheiten per Flachschuss zur etwas überraschenden Pausenführung.

Fünf Minuten nach Wiederanpfiff die nächste „kalte Dusche“ für den GFV. Mit einem Eigentor des diesmal glücklosen Nick Volkmann besorgten sie selbst das 0:2. Was nun, GFV?

Die Röderstädter antworteten wütend, aber noch ziemlich konzeptlos. Ein Schwitzky-Hammer ging in die Wolken, ein Direkt-Schuss von Löffler blieb in der vielbeinigen Gästeabwehr hängen, ein Marx-Freistoß überwand zwar die Mauer, nicht aber den fangbereiten Keeper. Unverkennbar aber: Der GFV machte unheimlich Dampf. In der 65. Minute scheiterten erst Witschel, dann Krüger im Sekundentakt mit hochprozentigen Chancen – den 1:2-Anschluss verschenkten in derselben Minute die Gäste per Eigentor. Als Witschel zwei Minuten darauf im Strafraum von den Beinen geholt wurde, hatte Marx die Ausgleichschance vom „Punkt“ – und scheiterte am Gäste-Torwart. Haareraufen und Kopfschütteln – die Reaktionen auf und neben dem Spielfeld. Doch Großenhain zeigte Moral. Knapp 20 Minuten fand Niesky auf dem Kunstrasen so gut wie nicht statt. „Mit der Führung im Rücken waren wir defensiv eingestellt“, bestätigte Coach Neumann. Ein Angriff nach dem anderen rollte auf das Höher-Gehäuse. Doch statt Ausgleich folgte in der 84. Minute die vermeintliche Entscheidung zugunsten der Gäste. Sie spielten einen Konter mustergültig aus, und auch Torwart Roßmüller konnte nur noch hinterherschauen. „Wir haben uns nach dem 3:1 zu sicher gefühlt“, sagte Nieskys Trainer nach dem Spiel. Denn mit dem letzten Aufbäumen der Gastgeber kam es dann doch noch zum Remis. „Das ist für uns wie ein Sieg“, so GFV-Spielführer Schwitzky nach der Begegnung, in der er „eine schlechte erste Halbzeit von uns“ gesehen hatte. Niesky-Coach Neumann hatte da die erste Enttäuschung schon abgelegt. „Der Punkt passt in unsere Planung. Wir wollen wie in der Hinrunde wieder mindestens 21 Zähler holen. Zwei haben wir.“