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Samstag, 10.11.2018 Aus dem Gerichtssaal

Donnerstagnacht ertappt, Freitagmittag verurteilt

Am Meißner Amtsgericht ging es am Freitag ganz schnell. Ein Autodieb wurde nur 15 Stunden nach der Festnahme verurteilt.

Von Jürgen Müller

Nur 15 Stunden nach seiner Festnahme wurde ein 28-jähriger Meißner am Freitag verurteilt. Er hatte unter anderem in Meißen ein Auto gestohlen.
Nur 15 Stunden nach seiner Festnahme wurde ein 28-jähriger Meißner am Freitag verurteilt. Er hatte unter anderem in Meißen ein Auto gestohlen.

© Symbolfoto: Claudia Hübschmann

Meißen. Ein Meißner Autodieb wurde am Freitagmittag zu einer Haftstrafe von acht Monaten ohne Bewährung verurteilt. Doch es ist nicht das Urteil an sich, das auch wegen der Vorstrafen des Mannes so hoch ausfiel, das bemerkenswert ist, sondern ein besonderer Umstand. Der 28-Jährige wurde nur 15 Stunden nach seiner Festnahme verurteilt. Möglich wurde dies durch ein beschleunigtes Verfahren. Wenn besondere Umstände vorliegen, kann praktisch sofort verhandelt werden. Ist der mutmaßliche Täter in Polizeigewahrsam, gilt nicht mal eine Ladungsfrist. Um solch ein Schnellverfahren durchzuführen, gibt es weitere Voraussetzungen. So muss die Beweislage klar und der Angeklagte geständig sein. Es können nur Taten verhandelt werden, bei denen eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als einem Jahr zu erwarten ist. Schon bei Straferwartung von sechs Monaten ist ein Verteidiger beizuordnen. Nicht zuletzt müssen Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht schnell handeln. Das ist aus personellen Gründen an kleinen Gerichten wie dem Meißner oft nicht möglich. In diesem Fall hat es aber geklappt.

Der Meißner wurde am Donnerstagabend gegen 22 Uhr nahe einer Spielothek an der Meißner Talstraße festgenommen. Es stellte sich heraus, dass er den VW Polo, mit dem er unterwegs war, wahrscheinlich am Dienstag an der Loosestraße in Meißen gestohlen hatte. An dem Fahrzeug waren Kennzeichen montiert, die von einem anderen Polo stammen und die der Mann ebenfalls gestohlen hatte. Zudem waren die Kennzeichen gefälscht. Der 28-Jährige hatte mit schwarzem Stift aus einem „D“ ein „B“ gemacht. Mehrere Tage fuhr der Angeklagte mit dem Auto, das einen Wert von 500 Euro hat, durch die Stadt und wohl auch über Land. Jedenfalls gibt er zu, dass er zwischendurch tanken war. Eine Fahrerlaubnis besitzt er nicht und hat er auch nie gehabt. In dem Fahrzeug fanden die Polizisten auch ein Blaulicht. Benutzt haben will es der Angeklagte nicht.

Er habe bei dem Polo die Scheibe der Beifahrertür eingeschlagen und das Fahrzeug dann mit einem Schraubendreher gestartet. „Bei diesem Modell geht das ganz einfach“, sagt er dem Richter. Er glaubt, dass ihn seine Ex, die ebenfalls gerichtsbekannt ist, verpfiffen hat.

Der gebürtige Hoyerswerdaer ist mehrfach vorbestraft, auch wegen Diebstahls. Zweimal schon saß er im Gefängnis, insgesamt ein Jahr und zehn Monate. Am 8. Januar dieses Jahres wurde er aus der Haft entlassen. Von da an bis zur jetzigen Verhandlung wurde er dreimal verurteilt, unter anderem wegen Körperverletzung, Besitzes von Drogen und Schwarzfahrens. Die Urteile haben den schwer drogenabhängigen Mann nicht von neuen Taten abgehalten. Laut eigener Aussage verbraucht er sein gesamtes Arbeitslosengeld II für Crystal. Eine Drogentherapie hat er im vergangenen Jahr nach zwei Monaten abgebrochen. Eine neue bezahlt die Krankenkasse erst im Jahr 2020, sagt er, der nur die 8. Klasse schaffte und nie eine Berufsausbildung anfing.

Wie von Staatsanwältin Christine Eißmann beantragt, verurteilt Richter Andreas Poth den Mann wegen Diebstahls, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Urkundenfälschung zu einer Haftstrafe von acht Monaten ohne Bewährung. Ins Gefängnis muss der Meißner dennoch vorläufig nicht. Auch bei beschleunigten Verfahren kann gegen das Urteil Berufung oder Revision eingelegt werden. So verlässt der 28-Jährige das Gericht erst mal als freier Mann.