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Mittwoch, 10.10.2018

„Dippoldiswalde zu erobern, hat viel Geld gekostet“

Die Historikerin Ivonne Burghardt erklärt den Niedergang des Bergbaus in Dipps nach der lebhaften Anfangszeit.

Von Franz Herz

Die Historikerin Ivonne Burghardt steht hier im Depot des Landesamts für Archäologie in Dresden und hält einen gedrechselten Holzteller aus dem Mittelalter in den Händen, wie er in Dipps gefunden.
Die Historikerin Ivonne Burghardt steht hier im Depot des Landesamts für Archäologie in Dresden und hält einen gedrechselten Holzteller aus dem Mittelalter in den Händen, wie er in Dipps gefunden.

© Frank Baldauf

Dippoldiswalde. In ihren Anfängen war die Stadt Dippoldiswalde eine lebhafte Bergstadt. Der Bergbau ist allerdings nach einem ersten Aufschwung, den er ab 1150 erlebt hat, nach 1300 wieder zurückgegangen. Mit den Gründen dafür hat sich die Historikerin Ivonne Burghardt befasst. Sie hat im Rahmen des Archaeomontan-Projekts die Bergbaugeschichte der Region aufgearbeitet. SZ sprach mit ihr.

Frau Dr. Burghardt, Sie haben im Rahmen des EU-Forschungsprojekts Archaeomontan die Wirtschaftsgeschichte des Bergbaus im Erzgebirge untersucht. Welche Rolle spielt dabei die Stadt Dippoldiswalde?

Aus den Funden der Archäologen wissen wir, dass der Bergbau in Dippoldiswalde um das Jahr 1300 zurückgegangen ist. Ich habe den Zeitraum von 1350 bis 1470 betrachtet. Dafür habe ich die Rechnungen der Wettiner ausgewertet, die ab 1350 überliefert sind, aber bis 1400 nicht sehr ausführlich sind. Erst ab 1390 werden einzelne Bergwerke aufgeführt, auch welche aus Dippoldiswalde. Aber es waren sehr kleine Beträge, die von diesen hereingekommen sind. Wir können auch nicht sagen, welche Bergwerke das waren.

Das klingt nicht sehr ergiebig.

Schriftliche Quellen gibt es aus der frühen Zeit kaum. Hier liegen die Hoffnungen umso mehr auf den archäologischen Funden. Ich befasse mich ja mit der Betriebsorganisation und den Unternehmensstrukturen. Hier haben wir praktisch nur in Dippoldiswalde die Möglichkeit, Bergwerke aus dem Mittelalter zu untersuchen, um zum Beispiel etwas über mögliche Grubengrenzen zu erfahren. Auch die Frage, wem was gehörte, lässt sich so vielleicht beantworten.

Warum hat der Dippoldiswalder Bergbau dann an Bedeutung verloren?

Früher hat man gedacht, das war eine Entwicklung, die das ganze Land betroffen hat und für die es nicht nur einen Grund gab. Die Pestzüge um 1350 waren eine Ursache. Auch klimatische Veränderungen spielen mit hinein. Die sogenannte kleine Eiszeit hatte viele Überschwemmungen zur Folge.

Vor allem wirkten sich aber Veränderungen im Haus Wettin aus. Die Bergwerke gehörten ja den Wettinern als Landesherren. Das Silber, auch aus Dippoldiswalde, ging alles nach Freiberg, wo der Münzmeister saß, der oberste Finanzverwalter. Als 1349 Friedrich II. starb und das Erbe unter seinen drei Söhnen aufgeteilt wurde, hatte eine Münzstätte drei Herren, eine schwierige Situation. Um 1400 ist dann ein Einbruch in den Silbereinlieferungen in den Rechnungen nachzuweisen. Der jüngste Sohn, Wilhelm I., hat dann begonnen, ein aufwendiges Leben zu führen und er hat unter anderem auch Dippoldiswalde militärisch erobert, was ihn viel Geld gekostet hat.

Welche Folgen hatte das für die einfachen Leute?

Für die Menschen hatte das die Auswirkung, dass sich die Münzen verschlechtert haben. Von 1390 bis 1400 ist der Silberanteil an den Münzen um 70 Prozent gesunken. Wo die Bergarbeiter vorher mit einem guten Groschen bezahlt worden sind, bekamen sie jetzt nur noch einen schlechten Groschen. Das führte unter anderem zu Streiks. 1469 gab es in Altenberg den ersten Hauerstreik.

Welche schriftlichen Quellen gibt es neben den vielen archäologischen Funden, die über den frühen Bergbau in Dippoldiswalde Auskunft geben können?

Nur wenige. Im Hauptstaatsarchiv gab es eine umfangreiche Akte zum Bergbau. Die liegt aber in Moskau, ist 1945 dorthin gebracht worden und nicht mehr zurückgekommen. Wir haben aber das Findbuch, das den Inhalt der Akte verzeichnet. Dort kommt Dippoldiswalde in späteren Jahren nicht mehr vor. Außerdem gehörte Dippoldiswalde bis 1402 dem Burggrafen von Dohna. Von der Herrschaft Dohna sind aber keine Unterlagen überliefert. Erst als es 1402 wieder wettinisch wurde, taucht es in den Rechnungen auf.

Die Doktorarbeit ist unter dem Titel „Der Edel- und Buntmetallbergbau im meißnisch-sächsischen Erzgebirge (1350-1470). Verfassung - Betriebsorganisation - Unternehmensstrukturen“ dieses Jahr veröffentlicht worden. Sie ist beim Landesamt für Archäologie für 29 Euro erhältlich.