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Freitag, 12.10.2018 Gerichtsbericht

Dilettantischer Raubüberfall auf Apotheke

Mit vorgehaltener Pistole fordert ein Mann Geld. Obwohl es sich keine echte Waffe ist, sind die Konsequenzen nun hart.

Von Yvonne Popp

Nur eine magere Beute gab es in dieser Freitaler Apotheke kurz nach Geschäftsöffnung. Und selbst damit kam der Räuber nicht weit.
Nur eine magere Beute gab es in dieser Freitaler Apotheke kurz nach Geschäftsöffnung. Und selbst damit kam der Räuber nicht weit.

© Andreas Weihs

Sein Vorgehen war alles andere als wohlüberlegt. Vermummt mit einem Tuch, großer Sonnenbrille und Kapuze über dem Basecap, überfiel am Andreas G. am Morgen des 26. Juni dieses Jahres eine Apotheke in Freital. Dass er selbst nur rund 200 Meter von dem Geschäft entfernt wohnte, bedachte er genauso wenig wie die Möglichkeit, dass man ihn trotz seiner Aufmachung hätte erkennen können.

„Der Monat war noch nicht ganz rum, aber ich hatte kein Geld mehr“, sagte der gebürtige Kasache nun am Amtsgericht in Pirna, wo er sich wegen räuberischer Erpressung verantworten musste. „Da fiel mir eben nichts Besseres ein, als in die Apotheke zu gehen und Geld zu fordern. Die laufen ja ziemlich gut“, erklärte der 24-Jährige weiter. Doch morgens, so kurz nach Ladenöffnung, war auch die Kasse der Apotheke noch leer. Da nützte es wenig, dass der Mann die Ladeninhaberin mit einer täuschend echten Nachbildung einer Walther P99 bedrohte. Er musste mit nur 25 Euro Beute wieder abziehen. Statt zu fliehen, ging er in einen nahegelegenen Supermarkt, wo er sich eine Schachtel Zigaretten und eine Tüte Bonbons vom erbeuteten Geld kaufte. Dort griff ihn dann auch die Polizei auf und verhaftete ihn.

Auch wenn er die Apothekerin mit keiner echten Waffe bedroht hatte, war seine Tat alles andere als eine Bagatelle. Dass die Justiz darauf mit einer Freiheitsstrafe reagieren wird, hatte den Angeklagten schon zum Haftprüfungstermin geschockt.

Zur Hauptverhandlung in Pirna räumte er alles ein. Er berichtete auch von seinem Alkohol- und Drogenkonsum. Seit er 16 war, habe er phasenweise bis zu zwei, drei Flaschen Hochprozentiges am Tag getrunken. Dazu nahm er alles an Rauschmitteln, was der Markt hergab. Als bei ihm eine starke Depression diagnostiziert wurde, ignorierte er das. An dem Tag des Überfalls will er aber weder Drogen noch Alkohol zu sich genommen haben. „Ich habe einfach keine vernünftige Erklärung für meine Tat“, gab er zu. Sein Opfer, die Inhaberin der Freitaler Apotheke, leidet noch immer unter dem Vorfall. Die große schwarze Pistole hatte auf sie keineswegs wie ein Spielzeug gewirkt. Irreal, zugleich aber auch verstörend und beängstigend sei die Situation gewesen, berichtete sie. Besonders, weil der Täter so nervös war, habe sie nicht einschätzen können, ob er die Waffe im Griff hat. Heute geht es der Geschäftsfrau wieder etwas besser. Nach wie vor hat sie aber Angst, wenn Männer in die Apotheke kommen, die ähnlich gekleidet sind wie der Angeklagte damals.

Weil es sich hier um eine spontane Tat gehandelt hat, erkannte das Gericht einen minder schweren Fall an. Auch im Falle der zweiten Anklage gegen Andreas G. wegen versuchter unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige entschied es so. Denn als der arbeitslose Freitaler am 21. März dieses Jahres einer Gruppe von Jugendlichen am Busbahnhof in Freital Drogen anbot, hatte er massiv unter Drogeneinfluss gestanden. Für beide Taten wurde er vom Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Andreas Beeskow schließlich zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Nicht ganz einfach war für das Gericht die Frage, ob die Strafe noch zur Bewährung ausgesetzt werden konnte. Zu seiner Zukunft befragt, hatte der Angeklagte im Laufe der Verhandlung aber nur vage geantwortet. Weder wollte er einen Entzug mit anschließender Therapie machen, noch eine neue Berufsausbildung beginnen. Eine günstige Sozialprognose konnte ihm also nicht gestellt werden. So blieb dem Gericht nichts anders übrig, als Andreas G. ins Gefängnis zu schicken.