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Samstag, 15.09.2018

„Dieses Pferd ist ein Geschenk“

Dressurreiterin Isabell Werth holt auf der Traumstute Bella Rose WM-Gold im Team.

Von Tobias Schwyter

Isabell Werth weint vor Freude auf ihrer Fuchsstute Bella Rose.
Isabell Werth weint vor Freude auf ihrer Fuchsstute Bella Rose.

© dpa/Stefan Lafrentz

Isabell Werth konnte so viel um Beherrschung ringen, wie sie wollte. Kam die Dressurreiterin auf ihr Wunderpferd zu sprechen, schossen ihr gleich die Tränen in die Augen – immer wieder. „Ich weine ja wirklich nur so Freudentränen“, sagte sie nach dem Bilderbuchritt auf ihrer Traumstute Bella Rose zu WM-Mannschafts-Gold. Schon stockte ihre Stimme erneut, bekam Werth feuchte Augen. „Das schaffe ich dann auch nicht, zurückzuhalten. Das war so besonders und so wunderbar.“

So ergriffen sah man die beste Dressurreiterin aller Zeiten selten. Weder sechs Olympiasiege noch bis dahin sieben WM-Titel vermochten solche Emotionen hervorzurufen, wie Bella Rose es in Tryon gelang. Doch das achte WM-Gold war „eine Sternstunde“, sagte Werth. Schließlich fand eine gefühlte Ewigkeit zwischen Hoffen und Bangen in der drückenden Hitze North Carolinas ihr glückliches Ende. Bereits bei der WM 2014 in der Normandie führte das Pferd die deutsche Auswahl mit einem sensationellen Auftritt zum Titel. Doch nur wenige Stunden später der Schock: Huflederhautentzündung, WM-Aus. Im selben Jahr starteten beide noch mal bei den German Masters in Stuttgart. Anschließend war Schluss – für lange Zeit.

Dreieinhalb quälende Jahre wusste Werth nicht, ob ihre verletzte Stute überhaupt jemals wieder auf das Viereck zurückkehrt. Erst im Juni 2018 kam dann wie aus dem Nichts das beeindruckende Comeback, das die Hoffnung auf ein Happy End nährte. Bella Rose und Werth, das war eine Liebesgeschichte vom ersten Augenblick an. „Wie elektrifiziert“ sei sie gewesen, als sie die damals dreijährige Stute erstmals sah. Ein talentierteres Pferd sei ihr noch nie unter den Sattel gekommen. Gigolo, Satchmo oder Weihegold – alle verantwortlich für viele Titel und Medaillen. Niemand kam an Bella Rose heran.

Im Grand Prix bewies sie, warum. Mit federleichter Eleganz schwebte das Pferd über das Viereck, ausdrucksstark und charismatisch, die Piaffen und Traversalen wie aus einem Guss. „Nah dran“ am perfekten Auftritt sei das gewesen, sagte Werth und stellte fest: „Dieses Pferd ist ein Geschenk.“ Bloß der Schock über den Sturz ihrer Mäzenin Madeleine Winter-Schulze trübte die Freude. Die 77-jährige ehemalige Dressurreiterin und Besitzerin von Bella Rose kam vor der Siegerzeremonie im Stall zu Fall und erlitt einen Oberschenkelhalsbruch.

Im Moment des Erfolges vergaß die 49-Jährige nicht, wer diesen Sieg erst möglich machte. Der Dressurausschuss des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei und Bundestrainerin Monica Theodorescu erfüllten ihren Wunsch und nominierten Bella Rose für die WM, obwohl in Werths Stall mit ihrem Olympiapferd Weihegold und Emilio die Nummern eins und zwei der Weltrangliste stehen.

„Ich kann mich nur bedanken, dass das so getragen worden ist“, sagte Werth und ergänzte: „Ich bin so froh, dass wir zeigen konnten, dass es die richtige Entscheidung war.“ Eindrucksvoller hätten sie und Bella Rose das nicht machen können. (sid)

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