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Freitag, 14.09.2018

Diego im Land der Drogenbosse

Maradona trainiert jetzt einen mexikanischen Zweitligisten. Er soll helfen, den zweifelhaften Ruf der Region zu verbessern.

Von Manuel Gonzalez Vargas und Juan Garff

Als Dirigent auf dem Rasen versteht sich Diego Maradona immer noch, auch wenn die Figur nicht mehr dazu passt. Nun soll er einen mexikanischen Zweitligisten nach oben führen.
Als Dirigent auf dem Rasen versteht sich Diego Maradona immer noch, auch wenn die Figur nicht mehr dazu passt. Nun soll er einen mexikanischen Zweitligisten nach oben führen.

© dpa

Ein übergroßes Porträt von Diego Maradona ist schon am Stadioneingang von Dorados de Sinaloa zu sehen. Als großer Hoffnungsträger wurde Argentiniens Fußball-Legende beim mexikanischen Zweitligisten empfangen. „Das Ziel ist es, in die erste Liga aufzusteigen. Das geht aber nicht ohne Opfer“, kündigte Maradona bei der Ankunft in Culiacan, der Hauptstadt des Bundesstaates Sinaloa, gleich mal an. Sein neuer Klub twitterte euphorisch: „Der Chef ist angekommen.“

Sinaloa, im Nordwesten Mexikos, ist international besonders aufgrund des berüchtigten Drogenkartells bekannt, das der gefürchtete Drogenbaron Joaquin „El Chapo“ Guzman bis zu seiner Auslieferung in die USA 2017 führte. „Wir wollen, dass über Culiacan und Sinaloa anders gesprochen wird“, sagte Jose Antonio Nunez, Präsident von Dorados. Der Klub leiste mit der Anheuerung Maradonas einen Beitrag dazu. Bisher ist die Region in erster Linie für die Produktion von drei Dingen berühmt: Rindfleisch, Tomaten und Drogen.

„Das Sinaloa-Kartell wird Maradona lieben. Sie sind richtige Patrioten und wollen ihren Staat populärer machen“, sagte der mexikanische Sicherheitsspezialist Alejandro Hope. Maradonas persönliche Drogen-Vergangenheit ist hinlänglich bekannt. 1991 wurde er wegen Kokain-Missbrauchs erstmals gesperrt. 2000 und 2004 musste er jeweils aufgrund von Herzbeschwerden ins Krankenhaus eingeliefert werden. Kokain-Missbrauch soll die Ursache gewesen sein.

Maradona kehrt nun in das Land zurück, in dem er 1986 den Höhepunkt seiner Karriere erlebte. In Mexiko führte er Argentinien im Finale gegen Deutschland (3:2) zum WM-Titel, wurde bester Spieler des Turniers und erzielte das irreguläre Tor im Viertelfinale gegen England – mit der „Hand Gottes“.

Der 57-Jährige soll jetzt in Sinaloa für elf Monate verpflichtet worden sein, für knapp zwei Millionen Dollar, umgerechnet 1,72 Millionen Euro. Experten wundern sich darüber, denn in der Vergangenheit wurden die Spieler des Vereins häufig nicht bezahlt. Seinen Job als Ehrenpräsident von Dinamo Brest in Weißrussland soll Maradona derweil beibehalten, wie der Verein mitteilte und auch der Argentinier bestätigte. Mit Bildern, die ihn in einem Panzerwagen bei der Fahrt zum Klubgelände zeigten, sorgte Maradona Mitte Juli für viel Aufsehen. Ebenso spektakulär ist nun sein Engagement in Mexiko.

Maradona hatte bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika als Coach die argentinische Nationalmannschaft betreut. Im Viertelfinale war gegen Deutschland Schluss. Bei der WM 2018 in Russland fiel die Ikone aus Südamerika dann als Pöbler auf der Tribüne auf, als er im letzten Gruppenspiel der Argentinier mit ausgestreckten Mittelfingern wild gestikulierte. Anschließend musste er erschöpft in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Zuvor war er Ende April als Trainer des Zweitligisten Fudschaira SC in den Vereinigten Arabischen Emiraten beurlaubt worden.

Bis zur Gründung des Klubs Dorados 2003 war Fußball nur eine untergeordnete Sportart in Sinaloa. Dort herrscht Baseball, vertreten vor allem durch den zweifachen Karibik-Meister Tomateros de Culiacan. Durchschnittlich kommen doppelt so viele Fans zu den Tomateros wie in das kleinere Stadion von Dorados. Das soll mit Maradona anders werden.

Guardiola hat mal dort gespielt

Es ist allerdings nicht der erste Versuch, sich hochzuspielen. Zweimal schaffte es der Verein vorübergehend in die höchste Liga. 2006 war auch der ehemalige Bayern-Trainer Pep Guardiola zum Abschluss seiner Spielerkarriere dabei. Dorados wurde 2013 von der Unternehmensgruppe Caliente aufgekauft, der neben Spielcasinos und einer Pferderennbahn auch der Erstligist Tijuana gehört. „Es war sehr leicht“, sagte Unternehmenschef Juanalberto Hank zu den Verhandlungen mit Maradona. „Er sucht eine Gelegenheit zu arbeiten, auf dem Spielfeld zu sein.“

Wie weit der Sport in Sinaloa die Gewalttätigkeit der Drogenkartelle aus den Schlagzeilen verdrängen kann, ist fraglich. Das Sinaloa-Kartell liefert sich einen blutigen Machtkampf mit den Rivalen des Kartells Jalisco Nueva Generacion. Im ersten Halbjahr 2018 sind in der Millionen-Metropole Sinaloa Angaben der Sicherheitsbehörden zufolge 976 Menschen ermordet worden. (dpa)

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