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Freitag, 27.07.2018

Die Zeit der Entspannung ist vorbei

Von Jens Kölz

FCO-Präsident Ernst Lieb sitzt beim Test gegen Slovan Liberec (0:1) ganz entspannt auf einer Bank in der Coaching-Zone. Ab morgen geht es wieder um Punkte – und in dieser engen Liga kann am Ende jeder entscheidend sein. Entspannung vorbei. Foto: Florian Richter
FCO-Präsident Ernst Lieb sitzt beim Test gegen Slovan Liberec (0:1) ganz entspannt auf einer Bank in der Coaching-Zone. Ab morgen geht es wieder um Punkte – und in dieser engen Liga kann am Ende jeder entscheidend sein. Entspannung vorbei. Foto: Florian Richter

© Florian Richter 2018

Morgen startet die neue Saison für den FC Oberlausitz mit einem Auswärtsspiel. Die Reise geht zu Optik Rathenow, Steffen Hösel aus Magdeburg wird die neue Spielzeit für beide Vereine 13:30 Uhr im Stadion „Vogelgesang“ anpfeifen.

Mit im Neugersdorfer Kader wird dann Jakub Moravec stehen, der unter der Woche für die nächsten beiden Spielzeiten in Neugersdorf unterschrieben hat. Er kam bereits bei den Testspielen in Plauen und Cottbus zum Einsatz und hat dort überzeugt. „Jakub ist ein Energiebündel. Er ist hervorragend ausgebildet, technisch sehr beschlagen und hat ein gutes Antizipationsvermögen“, schwärmt Sportdirektor Manfred Weidner vom 22-jährigen Tschechen, der 1,72 Meter groß und 68 Kilo schwer ist. Jakub Moravec kann im Mittelfeld universell eingesetzt werden. Er bestritt dreizehn Länderspiele für die U15 und U16 seines Landes und debütierte im Alter von 19 Jahren beim 1. FK Príbram in der ersten tschechischen Liga. In der letzten Saison kam er für SK Dynamo Ceske Budejovice und den FK Viktoria Žižkov in der zweithöchsten Spielklasse Tschechiens zum Einsatz.

Als die Neugersdorfer vor drei Jahren erstmals in der Regionalliga auftauchten, stieg aus der Nordstaffel auch Rathenow auf. Beide trafen sich früh in der Saison, 2:2 trennten sich die Kontrahenten damals in einer packenden Begegnung, das Rückspiel gewannen die Neugersdorfer mit 2:1. Ronald Wolf, Oliver Merkel, Karl Petrick und Jaroslav Dittrich waren damals schon dabei, bei den Rathenowern sind es heute sogar noch sieben Spieler. Dabei ist auch noch der Trainer, den man ruhigen Gewissens als Urgestein bezeichnen kann: Ingo Kahlisch. Arsen Wenger war 22 Jahre bei Arsenal, Otto Rehhagel 14 in Bremen, die schlägt Kahlisch locker. Er geht in Rathenow in seine 30. Saison als sportlich Verantwortlicher – im Fußball eine nahezu unvorstellbare Zeit. Durch ihn hat sich Optik im Berliner Umfeld einen guten Ruf erworben. Er setzt auf Jungs, die aus A-Junioren-Mannschaften den Sprung zu den hauptstädtischen Top-Klubs nicht schafften. Dabei achtet der Coach besonders darauf, dass seine Akteure auch neben dem Fußball ein Auskommen haben.

Deshalb war für ihn der sofortige Abstieg vor zwei Jahren auch keine Katastrophe. „Für uns ist die Regionalliga wie Champions League“, ist sein Credo. Nachdem es in diesem Jahr wieder mit dem Aufstieg geklappt hat (sechs Punkt vor Tennis Borussia), ist er also wieder ganz oben angekommen – und trifft in seinem ersten Spiel gleich auf einen neuen Trainer.

Karsten Hutwelker musste in der Vorbereitung eine neue Mannschaft formen, denn der Aderlass an Spielern ist diesmal beträchtlich. Junge Spieler (Sanftenberg, Dintiu, Fiebig), die den Sprung nicht schafften, verließen den Verein. Pokorný, Mietzelfeld, Becker, sowie Matula, der Stammspieler war, kamen in den beiden letzten Spielzeiten zum Einsatz, stehen nun ebenfalls nicht mehr zur Verfügung.

Besonders wehtun dürften die Abgänge von Löwe (war von Dresden ausgeliehen), Vidal und Vachoušek. Sie sorgten für die kreativen Momente im Spiel der Neugersdorfer. Deshalb hat der Trainer in der Vorbereitung sehr viel experimentiert und einigen jungen Spielern, die den Aufstieg in die A-Junioren-Regionalliga schafften, aber nun im Männeralter sind, Einsatzmöglichkeiten gegeben. „Maximilian Schmidt, Mohamed Djahdou und Colin von Brezinski haben sich mit guten Leistungen in den Blickpunkt gespielt“, sagt er am Ende der Vorbereitung. Sie können sich durchaus Chancen ausrechnen, im Rathenow-Kader zu stehen. Bis auf Jan Stohanzl, der sich mit einer langwierigen Achillessehnenverletzung herumplagt, die ihn um die gesamte Vorbereitungszeit gebracht hat, sind alle Spieler einsatzbereit. Hutwelker kann somit aus dem Vollen schöpfen.

„Wir werden bei Optik auf einen euphorischen Aufsteiger treffen, der sein erstes Heimspiel positiv gestalten will. Da müssen wir zuerst über die Zweikämpfe ins Spiel finden“, blickt der Trainer voraus. Wichtig dabei ist, dass die vielen individuellen Fehler, die gerade zuletzt in Plauen (6:2-Sieg) aber besonders in Cottbus (1:6) zu einer Flut von Gegentoren führten, ausgemerzt werden. „Allen Toren gingen einfache Fehler im Aufbauspiel voraus. Wir haben den Kontrahenten den Ball und damit die Tore auf dem Tablett serviert.“ Daran muss noch gefeilt werden, „denn wir wollen unbedingt etwas Zählbares mitnehmen, um gut in die Saison zu starten“, sagt Hutwelker.

Ein kurzer Blick in die Statistik lässt auf Gutes hoffen – der FCO gewann bisher alle seine Auftaktspiele in der Regionalliga, 2:0 in Meuselwitz, 4:0 gegen Luckenwalde und 3:0 im Vorjahr gegen Bautzen. Ein gutes Omen, es nährt die Hoffnung, dass sich das elfwöchige Warten gelohnt hat.