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Freitag, 15.06.2018

Die Weißeritz ist bald ein Stück hochwassersicherer

Nahe der Freitaler Papierfabrik gehen die Arbeiten für den verbesserten Flutschutz in die letzte Runde.

Von Annett Heyse

Zwischen Papierfabrik und alter Feilenfabrik in Hainsberg macht die Weißeritz eine Doppelkurve. Dort bekommt der Fluss jetzt mehr Platz, indem die Böschung aufgeweitet wird.
Zwischen Papierfabrik und alter Feilenfabrik in Hainsberg macht die Weißeritz eine Doppelkurve. Dort bekommt der Fluss jetzt mehr Platz, indem die Böschung aufgeweitet wird.

© Karl-Ludwig Oberthür

Freital. Der Bagger rumpelt durchs Wasser und wühlt dabei Kies und Schlamm auf. Die Schaufel öffnet und schließt sich, sie scheint das gesamte Flussbett umzuräumen: Steine von da nach dort und andersherum. Was dem Laien nahezu unverständlich ist, hat System. Die Weißeritz wird zwischen der Papierfabrik und bis auf Höhe der ehemaligen Feilenfabrik auf rund 700 Meter ausgebaut.

Derzeit finden Arbeiten am Flussgrund, der sogenannten Sohle, statt. Das über viele Jahrzehnte angespülte Material wird neu geordnet. Dabei werden Sohlriegel eingebaut, eine genau berechnete Folge von riesigen, mittelgroßen und kleineren Natursteinen. Sie stabilisieren den Untergrund und lenken die Strömung. „Wir wollen damit verhindern, dass beim nächsten Hochwasser wieder so viel Material abgetragen und weggespült wird“, erklärt Christoph Rauch, für die Weißeritz verantwortlicher Projektleiter bei der Landestalsperrenverwaltung.

Gebaut wird auch rechts und links des Ufers. Bei den Hochwassern der jüngeren Vergangenheit, vor allem 2002 und 2013, hatte die Weißeritz hier zu wenig Platz. Die Landestalsperrenverwaltung plante, die Böschung auszubauen und der Weißeritz damit mehr Platz zu geben. Doch als ein erster Bautrupp im Sommer 2016 zunächst Buschwerk und Bäume entfernte, stießen die Arbeiter auf zwei nahezu intakte Böschungsmauern – eine entlang der Papierfabrik, die andere auf der gegenüberliegenden Flussseite. Sie lagen unter gut zwei Meter angeschwemmten Material, Erde und Unkraut versteckt. Zudem waren auf der Mauer mittelgroße Bäume gewachsen.

Nachforschungen haben inzwischen ergeben, dass die aus Natursteinen gesetzten und mehrere Hundert Meter langen Mauern wohl um die Jahrhundertwende errichtet wurde, also etwa zu dem Zeitpunkt, als die Talsperren Klingenberg und Malter entstanden. „Damals wurde richtig gute Arbeit geleistet, die Mauern sind in einem guten Zustand“, lobt Ingenieur Rauch.

Warum das Hochwasser 2002 und dann nochmals 2013 an dieser Stelle trotzdem große Schäden am Flussbett anrichtete, lag nicht an den alten Bauwerken, sondern an deren Pflegezustand.

Rauch: „Da wurde Jahrzehnte nichts gemacht, am Fluss war ein Wald entstanden, der das Wasser einengte.“ Das soll nun behoben werden. Die alten Böschungsmauern sind freigelegt und werden, wo notwendig, repariert. Vor allem haben Wurzeln von Bäumen an einigen Stellen Zerstörungen angerichtet.

Dort, wo das Ufer in der Vergangenheit weniger oder gar nicht befestigt war, werden die Böschungen ausgebaut. Dies ist vor allem im Abschnitt unterhalb der Papierfabrik bis hin zur alten Feilenfabrik der Fall. Hier werden neue Steine eingebaut, die Böschung verläuft dabei schräg abfallend auf den Fluss zu. Oberhalb der Böschungen werden ortstypische Baum- und Straucharten angepflanzt.

Durch diese Aufweitung hat das Wasser bei einem Anstieg des Pegels auf Hochwasserniveau mehr Platz. Ziel ist es, in dem Bereich etwa 230 Kubikmeter Wasser, also 230 000 Liter, pro Sekunde durch die Doppelkurve zu leiten. Dies entspricht in etwa der Menge, die bei einem extrem starken Hochwasser anfällt, wie es statistisch gesehen alle zweihundert Jahre auftritt.

Die Arbeiten ziehen sich, abhängig vom Wasserstand, noch den ganzen Sommer hin. Ein Bauende ist für Oktober 2018 vorgesehen.

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