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Montag, 30.07.2018

Die verpuffte Euphorie

Von Alexander Hiller

Andreas Lemke hat seinen Posten als Trainer des USV TU Dresden aufgegeben, weil die personellen Rahmenbedingungen nicht mehr mit seinen ambitionierten Zielstellungen einhergehen.Foto: Matthias Rietschel
Andreas Lemke hat seinen Posten als Trainer des USV TU Dresden aufgegeben, weil die personellen Rahmenbedingungen nicht mehr mit seinen ambitionierten Zielstellungen einhergehen. Foto: Matthias Rietschel

© c by Matthias Rietschel

Dresdens Handball-Mäzen ist völlig zu Recht stolz: „Man spricht wieder über Handball in der Stadt, wir sind eine sportliche Größe geworden“, erklärte Uwe Saegeling vor zwei Monaten in einem Gespräch mit der Sächsischen Zeitung. Damit kann der Unternehmer, Präsident und Hauptförderer des Zweitligisten HC Elbflorenz, allerdings nur die Entwicklung im Männer-Handball, seines Klubs im Besonderen, gemeint haben.

Denn im Dresdner Frauenhandball verpufft diese Euphorie zusehends oder kommt gar nicht erst an. Das spiegelt sich am Beispiel des USV TU Dresden, höchstklassig spielende Mannschaft der Landeshauptstadt, deutlich wider. Andreas Lemke, der die Mannschaft als Trainer nach einem durchwachsenen Start noch auf Platz vier in der Sachsenliga führte, hat daraus die für ihn logische Konsequenz gezogen. Der jetzt 53-Jährige, der vor drei Jahren angetreten war, um die Mannschaft mittelfristig in die viertklassige Mitteldeutsche Oberliga zu führen, hat die Zusammenarbeit mit dem Fünftligisten aufgekündigt. „Hauptgrund war die immense Fluktuation in der Mannschaft. Damit ließ sich mein ursprüngliches Ziel mit dem USV TU nicht mehr verfolgen“, argumentiert der routinierte Handballtrainer.

Bis zu zehn Abgänge müssen die USV-Damen kompensieren. 18 Spielerinnen in den letzten zwei Jahren, hat Lemke durchgerechnet. Und das nicht nur aus studien- oder berufsbedingten Gründen. Bei einer Mannschaft, die sich weitestgehend aus Studentinnen zusammensetzt, ein schwieriges Unterfangen. Das bestätigt auch Katja Kotzauer. Die 21-Jährige spielt selbst Rechtsaußen beim Sachsenligisten, studiert an der TU Lebensmittelchemie und ist außerdem für die Öffentlichkeitsarbeit in der Abteilung zuständig. „Wir haben aus unseren insgesamt bislang drei Frauenmannschaften nun zwei gemacht“, erklärt sie. Die bislang in der Bezirksliga agierende dritte Damenmannschaft wurde aufgelöst.

Mit durchschnittlich elf, zwölf Spielerinnen ist das Sachsenliga-Team des USV TU vor knapp vier Wochen in die Vorbereitungsphase gestartet. Ein verhältnismäßig kleiner Kader. „Im Moment sind noch ein, zwei Spielerinnen im Gespräch, die nun ihr Studium beginnen. Die würden allerdings erst Ende August, Anfang September zu uns stoßen“, informiert Katja Kotzauer. Die Personallage ist allerdings immer noch so angespannt, dass die Abteilung immer noch händeringend nach Spielerinnen sucht – weitestgehend über Social-Media-Kanäle. „Viele Mannschaften in der Liga plagen sich derzeit mit denselben Problemen“, berichtet Kotzauer, die nebenher noch in einem Dresdner Restaurant jobbt.

Fest steht unterdessen, dass es einen Nachfolger für Andreas Lemke gibt. Sein bisheriger Co-Trainer Mike Eichhorn übernimmt die Mannschaft – „nach ganz viel Überredungskunst“, wie die Spielerin freimütig zugibt. „Wir haben ihm bewiesen, dass wir uns unbedingt in der Sachsenliga halten wollen und können“, sagt sie. Allerdings hat auch die 1,68 Meter große Handballerin, die seit neun Jahren im Verein spielt, im Frauenbereich noch nie eine solch verzwickte Personalsituation erlebt wie vor Beginn dieser Saison.

„Für uns steht deshalb nichts anderes als der Klassenerhalt zur Debatte. Einige von uns haben noch nie in der Sachsenliga gespielt“, gibt Kotzauer zu bedenken. Denn der derzeitige Kader ist mit einigen Akteuerinnen aus der bisherigen zweiten Mannschaft (Absteiger aus der Verbandsliga) sowie aus der eigenen A-Jugend angereichert worden. „Wir haben in der Formation noch nie zusammen gespielt, wir benötigen sicher etwas Zeit. Das wird eine riesige Herausforderung für uns“, ist sich Katja Kotzauer sicher.

Das vermutet auch der Ex-Trainer Andreas Lemke. „Wenn es Spielerinnen gibt, die nicht bereit sind, das Trainingsangebot von drei Einheiten mitzugehen, kann man nicht in der Spitze mitspielen“, sagt er. Der Fachmann hat mittlerweile auch ein neues Betätigungsfeld gefunden: beim Verbandsligisten VfL Meißen. „Wir wollen uns in der kommenden Saison in der Verbandsliga behaupten und dann die personellen Lücken nach und nach mit unserem guten Nachwuchs füllen“, sagt er.

Weshalb die Elbflorenz-Euphorie nicht auch den Frauenhandball ansteckt, liegt für Lemke auf der Hand: „Männer- und Frauenhandball sind zwei komplett unterschiedliche Paar Schuhe“, argumentiert er. „Von der letztlich guten Nachwuchsarbeit des USV ist zu wenig oben in der 1. Mannschaft angekommen““, bekräftigt der Ex-Trainer. Auch seine ehemalige Spielerin bestätigt das. „Wir spielen halt nur Frauenhandball“, sagt Katja Kotzauer. Darüber ließe sich klagen. Der USV TU nimmt die Tatsache eher gelassen hin. Es gibt aber auch Aussicht auf Besserung. „Im Bereich der Minis sind wir so gut aufgestellt, dass wir da sogar Wartelisten haben“, sagt sie.

Der USV TU sucht noch Spielerinnen, Kontakt unter:

[email protected]

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