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Mittwoch, 07.11.2018

Die Spree bleibt braun

Die Erfüllung des Wunsches nach kristallklaren Fluten des Lausitzer Hauptflusses bleibt vorerst Utopie.

Von Jost Schmidtchen

Die Landschaft der Spreeaue, auch jetzt im Herbst, spiegelt ihre Farbenvielfalt im Flusslauf in eintönigem Braun wider. Daran wird sich auf lange Sicht nichts ändern.
Die Landschaft der Spreeaue, auch jetzt im Herbst, spiegelt ihre Farbenvielfalt im Flusslauf in eintönigem Braun wider. Daran wird sich auf lange Sicht nichts ändern.

© Jost Schmidtchen

Es lässt sich nicht ändern: Die Spree bleibt braun. So das ernüchternde Ergebnis eines Bürgerforums im Spremberger Ortsteil Cantdorf. Mittelfristige Maßnahmen zur Abwehr der Braunfärbung der Spree bleiben bis auf Weiteres optisch ohne Wirkung. Was heißt: 35 Prozent Reduktion aus dem Abfangriegel in der Spreewitzer Rinne östlich der Kleinen Spree in der Modularen Wasserbehandlungsanlage (MWBA) Burgneudorf reichen nicht aus, obwohl bei den dort behandelten, aus dem Brunnenriegel gehobenen Wässern die Eisen-Aushaltung 90 Prozent beträgt.

Problemfall Spreewitzer Rinne

Sven Radigk, Leiter der Projektgruppe Gewässergüte Fließgewässer Lausitz bei der LMBV, verdeutlichte den zahlreichen Besuchern des Forums, dass zudem in der Spreewitzer Rinne im Zehnerbrunnenriegel unerwartet die doppelte Eisenfracht im gehobenen Wasser auftritt, die technische Probleme in der MWBA verursacht, mit deren Behebung man beschäftigt sei.

Den Cantdorfern, die an der Peripherie der Talsperre Spremberg wohnen, konnte er jedoch nachweislich versichern, dass der in der Spreewitzer Rinne vorhandene Eisenanteil von 40 bis 400 Milligramm/Liter am Ablauf der Talsperre in Bräsinchen nur noch 0,5 bis zwei Milligramm/Liter beträgt. Was heißt: Die mit der Braunfärbung der Spree befassten Mitarbeiter nicht nur der LMBV sind nicht untätig.

Um in Sachsen zu bleiben: Die LMBV errichtet zwei weitere MWBA in Neustadt/Spree (Inbetriebnahme I. Quartal 2019) und an der Ruhlmühle bei Neustadt/Spree (Inbetriebnahme I. Quartal 2020). Die Eisengehalte im Wasser betragen in Neustadt/Spree 320 mg/l und an der Ruhlmühle 140 mg/l. Die Bräune der Spree werden auch die zwei neuen MWBA nicht beseitigen.

Eisenanteil sinkt dennoch

Aber der Eisenanteil wird unter 35 Prozent sinken. „Das ist nur durch die beiden weiteren Abfangriegel möglich“, sagte Christof Voigt vom Sächsischen Oberbergamt. Er dankte ausdrücklich dem Spreetaler Bürgermeister Manfred Heine für die Bereitstellung der für den Bau der MWBA erforderlichen Flächen. „Leider ist das nicht überall so. Uneinsichtige Grundstückseigentümer behindern zunehmend unsere Planungen“. Das rief Ulrich Freese aus Spremberg (MdB -SPD) auf den Plan: „Wir haben ein Grundgesetz und ein Berggesetz. In denen ist eindeutig formuliert, dass Allgemeininteresse vor Privat geht“. Freese forderte alle mit dem Thema „Braune Spree“ befassten Institutionen auf, davon nachhaltig Gebrauch zu machen und die Gesetze konsequent durchzusetzen.

Ein länderübergreifendes Problem

In einem waren sich alle einig: Ziel aller Bestrebungen, und das ist den Beteiligten eindeutig ans Herz gelegt, ist ein Eisenanteil von höchstens 1,8 mg/l in der Spree an der Landesgrenze Brandenburg/Sachsen. Das entspricht auch den Forderungen des Aktionsbündnisses „Klare Spree e.V.“.

Insgesamt ist das Thema „Braune Spree“ ein länderübergreifendes Problem. So gibt es einen „Strategischen Gesamtplan zur Senkung der bergbaubedingten Stoffeinträge in die Spree und die Schwarze Elster“. Bearbeitet wird dieser Plan vom Brandenburgischen Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe in Zusammenarbeit mit den sächsischen Partnern. Die Ergebnisse sollen Ende 2019 vorliegen.

Baden im Stausee unbedenklich

Die Cantdorfer und nicht zuletzt ihre Gäste interessierte natürlich, wie es in ihrem Umfeld, besonders mit der Talsperre Spremberg, weitergeht. Immerhin reicht die Braune Spree von der Ruhlmühle bis zur Vorsperre Bühlow. „Aktuell“, so Sven Radigk, „entschlammt ein maschineller Entwässerungskomplex seit Mai 2018 die Vorsperre Bühlow. Weitergeführt werden die Beflockung und Bekalkung“. Baden im Stausee bleibe völlig unbedenklich. Das ergäben die täglich entnommenen Wasserproben. Für den Spreewald konnte der LMBV-Experte Entwarnung geben: In den dortigen sieben Fließgewässern wurde durch unterschiedliche Maßnahmen der Eiseneintrag um 80 Prozent reduziert.

Fazit des sehr sachlich verlaufenen Bürgerforums: Die Braune Spree bleibt auch zukünftig eine Generationsaufgabe.