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Freitag, 10.08.2018

Die Spielbühne muss umziehen

Der Mietvertrag wurde gekündigt, ein neues Objekt in Freital ist in Aussicht. Aber geklärt ist nichts.

Von Thomas Morgenroth

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Hier, im ehemaligen Kupplungswerk hinter der Aral-Tankstelle, hat die Spielbühne Freital seit 1998 ihr Domizil. Nun wurde ihr der Mietvertrag gekündigt.
Hier, im ehemaligen Kupplungswerk hinter der Aral-Tankstelle, hat die Spielbühne Freital seit 1998 ihr Domizil. Nun wurde ihr der Mietvertrag gekündigt.

© Thomas Morgenroth

Stühle kaputt, Mietvertrag gekündigt – der Vorstand der Spielbühne Freital muss gerade einige Probleme lösen, aber Kathleen Keydel, Kerstin Hofmann, Anne Konstanze Lahr, Kathrin Lauer und Sabine Jacob (v.l.) sind zuversichtlich.
Stühle kaputt, Mietvertrag gekündigt – der Vorstand der Spielbühne Freital muss gerade einige Probleme lösen, aber Kathleen Keydel, Kerstin Hofmann, Anne Konstanze Lahr, Kathrin Lauer und Sabine Jacob (v.l.) sind zuversichtlich.

© Thomas Morgenroth

Freital. Die Spielbühne Freital muss demnächst ihre Koffer packen: Der Vermieter hat dem Verein den Mietvertrag für die Spielstätte im ehemaligen Kupplungswerk gekündigt – ohne Begründung, und das nach fast zwanzig Jahren. 1998 ist das Amateurtheater in das Gebäude an der Dresdner Straße in Freital eingezogen, das schon damals einen ruinösen Eindruck machte, der sich inzwischen deutlich verstärkt hat.

Mit viel Aufwand hat der ehrenamtlich tätige Verein im einstigen Speisesaal ein kleines intimes Theater eingerichtet, das trotz oder gerade wegen seiner Unzulänglichkeiten eine eingeschworene Fangemeinde hat. Aber auch Gäste, die das erste Mal kommen, mögen den provisorischen Charakter – und sind immer wieder von den mitunter professionellen Leistungen der Amateurschauspieler überrascht.

Irgendwann aber ist auch morbider Charme nicht mehr charmant, nämlich dann, wenn sich die Fenster bei jedem Windstoß von selbst öffnen oder die Dielen nachgeben. Weil „keine Aussicht auf Sanierung“ besteht, wie Intendantin Kerstin Hofmann sagt, und der Eigentümer, die Benn GmbH, bisher nicht mehr als unbedingt nötig in das Gebäude investiert hat, suchte die Spielbühne auch ohne Kündigung bereits seit einiger Zeit ein neues Objekt.

„Wir haben in den vergangenen Jahren verschiedene Optionen geprüft“, sagt Kerstin Hofmann. Räume von Biotec in Potschappel waren im Gespräch, das ehemalige Küchenstudio eines Möbelhauses in Deuben, das einst ein Kino war, und zuletzt die Ballsäle Coßmannsdorf. Aber auch da, sagt Vorstandsmitglied Anne Konstanze Lahr, gab es nun eine definitive Absage.

Jetzt aber wird es richtig eng: Eigentlich hätte das Theater bereits zum 31. Dezember vergangenen Jahres ausziehen müssen. Auf Bitten des Vorstandes wurde der Vertrag bis Ende 2018 verlängert. Aber auch zu diesem Zeitpunkt wäre ein Auszug wohl gleichbedeutend mit dem Ende des vor 45 Jahren gegründeten Amateurtheaters.

„Wir brauchen mehr Zeit“, sagt Kerstin Hofmann, die auf eine erneute Verlängerung des Vertrages mit der Benn GmbH hofft, wenigstens noch bis Sommer 2019. Der Verein hat zwar endlich ein neues Objekt in Freital als Spielstätte in Aussicht, aber geklärt ist im Grunde noch nichts. Weder, ob die Spielbühne das infrage kommende Haus kaufen muss oder ob es verpachtet wird, noch, wie die Kosten für den Erwerb und die Ertüchtigung der Räume gestemmt werden können. Deutlich mehr als 100 000 Euro, so die Schätzung von Fachleuten, werden gebraucht. „Wir werden das Gespräch mit der Stadt suchen“, sagt Kerstin Hofmann. Einen Termin bei OB Uwe Rumberg soll es bereits geben.

Unabhängig davon hat die Spielbühne eine Spendenaktion gestartet, ein sogenanntes Crowdfunding, das die Ostsächsische Sparkasse Dresden mit 1 000 Euro unterstützt. Dabei ging es zunächst nur um eine neue Bestuhlung, denn die alte ist genauso marode wie das Haus. Weil der Zuspruch groß ist, wurde der Spendenzweck mittlerweile erweitert: „Jeder Euro wird in den Umzug und die neue Spielstätte investiert“, sagt Anne Konstanze Lahr. Über 6 000 Euro sind bereits eingegangen.

Trotz aller offener Fragen plant der Vorstand derzeit wie gewohnt die neue Spielzeit, die mit dem Krimi „Die Patientin“ (Regie: Mario Grünewald) am 24. August beginnt. Drei Premieren soll es geben: Im September das Märchen „Schneewittchen“, eine Inszenierung von Maximilian Gramza mit der Spatzengruppe, am ersten Adventswochenende „Die Weihnachtsgans Auguste“ in der Regie von Gisela Donath, und im Juni ein Tschechow-Stück, das René Rothe auf die Bühne bringt. Damit, so die Hoffnung der Intendanz, soll die neue Spielstätte der Spielbühne eröffnet werden.

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