• Einstellungen
Samstag, 19.01.2008

Die schönsten Seiten des Malerwegs

Sächsische Schweiz Der Wanderweg erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit.

Gemächlich tuckert die Fähre in Stadt Wehlen über die Elbe. Ich begebe mich auf den Malerweg, der hier beginnt. Eigentlich kann man ihn an vielen Stellen beginnen und enden lassen. Die Etappengliederung ist der Vorteil bei einer Gesamtstrecke von 112Kilometern. Bald gelange ich in den Uttewalder Grund. Der Malerweg ist gut ausgeschildert. Verlaufen kann man sich nicht. Vor 250 Jahren kamen die ersten Kupferstecher und Maler von Pirna durch den Liebethaler Grund nach Lohmen oder Uttewalde. Von dort stiegen sie dann in den Uttewalder Grund, wo der historische und der neue Malerweg identisch sind. Zu erkennen ist dies daran, dass sich neben dem M als Logo des Malerweges ein roter Punkt befindet.

Als Reiselektüre habe ich eine Broschüre über den historischen Malerweg von Frank Richter bei mir. Darin sind Abbildungen vieler alter Stiche und Zeichnungen enthalten, ergänzt durch Zitate aus den Anfangsjahren des Fremdenverkehrs. Am „Uttewalder Felsentor“ mache ich Halt. Drei gewaltige Felsblöcke haben sich derart in der Schlucht verkeilt, dass sie sich keinen Millimeter mehr bewegen könnten. Caspar David Friedrich hat hier einmal „eine ganze Woche zwischen Felsen und Tannen gewohnt“ und die Szenerie des Felsentores recht trefflich gezeichnet. Gleich hinter dem Tor befindet sich ein Kreuz mit Inschrift an der Felswand. Sie erinnert an den Färbergesellen Caspar Ziegler aus Eisenberg, welcher hier am 16. Dezember 1806 in der abendlichen Finsternis zu Tode gestürzt ist.

Mein Weg führt über den „Bruno-Barthel-Weg“ und den Höllengrund zur Bastei. Immer wieder ertappe ich mich dabei, die Gegend genau wie Carl von Voß zu erkunden, der 1822 schrieb: „So oft sich links oder rechts eine neue Schlucht öffnete, sehnten wir uns danach, auch sie kennen zu lernen, gingen wenigstens einige hundert Schritte darin fort und kehrten nur mit Widerstreben nach der Hauptrichtung unseres Weges zurück.“ Ich brauche viel mehr Zeit als ausgeschildert, um die Bastei zu erreichen. Doch mich drängt nichts, und außerdem leiten mich die Worte von Johann Gottfried Seume, wonach „…alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge.“

Auf der Bastei angelangt, besuche ich die „Informationsstelle des Nationalparks Sächsische Schweiz“. Eine solch kühle Bezeichnung verwundert etwas. Denn die im dortigen Schweizerhaus präsentierte Ausstellung hätte wohl mindestens den Namen „Kunstgalerie Sächsische Schweiz“ verdient. In der Ausstellung ist kein Besucher zu sehen. Nun gut, es ist Winter, trotzdem eigenartig. Allerdings steht die mickrige Werbung außen auch im krassen Gegensatz zum Reichtum der Exponate im Inneren. Ansichten aus allen Epochen der künstlerischen Darstellung der Sächsisch-Böhmischen Schweiz finden sich darin.

Leichten Fußes geht es weiter

In der Gewissheit, gleich am originalen Schauplatz des Malers zu stehen, werfe ich einen letzten Blick auf die „Felsenschlucht“ von Caspar David Friedrich. Am Abgrund der Marterstelle stehend hat er sie gemalt, als es noch keine Basteibrücke gab. Welch meisterliche Leistung ist aber diese Brücke, geschaffen, um den Besuchern im 19. Jahrhundert das Reisen zu erleichtern. Der Architekt der Basteibrücke, Frommherz Lobegott Marx, war auch ein begeisterter Zeichner und hat uns unter anderem die bisher älteste Darstellung der Buschmühle im Kirnitzschtal hinterlassen.

Leichten Fußes steige ich die Stufen hinab und gelange in nur 20 Minuten nach Rathen. An der Elbe schweift mein Blick nach Stadt Wehlen, dem Ausgangspunkt meiner Wanderung. Mir kommt der Maler Max Vogel in den Sinn. Um 1920 hat er seinen spätsommerlichen Blick vom Rathener Gasthaus „Rosengarten“ in Richtung Stadt Wehlen in Öl auf Leinwand festgehalten. Andreas Fels

Desktopversion des Artikels