• Einstellungen
Samstag, 10.11.2018

Die Populäre mit der eindrücklichen Stimme

Schauspielerin Iris Berben gestaltet in Dresden ein Konzert in der Frauenkirche mit. Das erinnert an Opfer des Holocaust.

Von Bernd Klempnow

Iris Berben engagiert sich stark für Toleranz und Humanität.
Iris Berben engagiert sich stark für Toleranz und Humanität.

© Robert Michael

Ein Abend mit Iris Berben ist immer ein Erlebnis. Meist sind es ja Abende vor dem Fernseher: Der Star spielt eine seiner starken Frauen wie die Kommissarin Rosa Roth. Man selbst sitzt auf dem Sofa – selten zurückgelehnt, eher angespannt, weil ihr Spiel packend ist. Gerade brilliert die 68-Jährige in der ZDF-Miniserie „Die Protokollantin“ als traumatisierte, Selbstjustiz ausübende Mutter. Unscheinbar muss sie dafür aussehen, was bei dieser schönen Frau schwierig ist. Die uneitle Maske und ihr mausenhaft-hintergründiges Spiel sind genial.

Stark dürfte auch ihr Auftritt am Sonnabend in der Frauenkirche Dresden sein. Die wohl populärste und erfolgreichste deutsche Schauspielerin gestaltet dort mit dem Stargeiger Daniel Hope ab 20 Uhr ein Konzert: Er musiziert Werke jüdischer Komponisten, sie liest Texte dazu. Im Mittelpunkt steht der tschechisch-jüdische Komponist und Pianist Gideon Klein, den die Nazis jahrelang für Propagandazwecke im KZ Theresienstadt missbrauchten und der 1945 in einem Außenlager vom KZ Auschwitz unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Seine Musik hat eine ungewöhnlich berührende Kraft, passend dazu die eindrückliche Stimme der Berben.

Solche Abende der Erinnerung und der Mahnung gibt sie immer wieder. Als eine der wenigen prominenten Künstler hierzulande engagiert sich Iris Berben seit Jahrzehnten intensiv gegen jede Form von Antisemitismus, von Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. „Das verstößt gegen die Menschenwürde“, sagt sie: „Es ist verachtenswert und muss bestraft werden.“ Ob sie dabei in einem kleinen Saal irgendwo in der Provinz oder in einem großen Haus auftrete, sei egal. „Hauptsache ich kann dazu beitragen, dass man sich austauscht und nachdenkt, wie kostbar unsere Demokratie ist.“ Für dieses Eintreten gerade im Pegida-Land Sachsen wurde sie mehrfach geehrt – etwa mit dem Erich-Kästner-Preis.

Desktopversion des Artikels