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Mittwoch, 11.07.2018

Die neue Nähe

Der Eislaufverein Niesky und Tornado-Fans lagen lange im Clinch. Nun sind die Differenzen ausgeräumt. Was war da los?

Von Thomas Staudt

Tornado Niesky auf dem Eis, die Zuschauer auf der Tribüne, irgendwo dazwischen die offiziellen Vertreter des Eislaufvereins Niesky (ELV) und die Fans der Gruppe Sturmjaeger. Nach einigem Hin und Her wollen ELV und Sturmjaeger nun sogar gemeinsame Projekte stemmen.
Tornado Niesky auf dem Eis, die Zuschauer auf der Tribüne, irgendwo dazwischen die offiziellen Vertreter des Eislaufvereins Niesky (ELV) und die Fans der Gruppe Sturmjaeger. Nach einigem Hin und Her wollen ELV und Sturmjaeger nun sogar gemeinsame Projekte stemmen.

© Archiv/André Schulze

Niesky. Sport bewegt. Wie Sex ist Sport Emotion pur. Nicht nur im Fußball. Und im Eishockey mehr als in vielen anderen Sportarten. Erst recht in Niesky. Das hat gewissermaßen eine innere Zwangsläufigkeit, denn wenn die Spieler auf dem Eis um jeden Puck fighten, kann alles andere drum herum nicht einfach nur auf Sparflamme kochen. Differenzen, ein zunächst vielleicht harmloser, dann immer intensiverer Schlagabtausch, Missverständnisse, selbst Beleidigungen bleiben da nicht aus. Beim Eislaufverein Niesky (ELV) und der Fangruppe der Sturmjaeger fing alles mit einer Internetseite an. Wer bei Google nach den Stichworten Tornado und Niesky sucht, bekommt erst an zweiter Stelle die Vereinshomepage unter dem Namen www.eislaufverein-niesky.de angezeigt. Ganz oben steht die Homepage der Sturmjaeger, die sich übrigens wegen des englisch dominierten Worldwideweb mit „ae“ statt mit „ä“ schreiben.

Die Fangruppe erreicht mit ihrer Internetpräsenz hervorragende Besucherzahlen. Im Zeitraum zwischen dem 10. und dem 16. April etwa haben genau 137 101 Nutzer auf die Seite zugegriffen. Keiner wird doppelt gezählt. „Darauf sind wir sehr stolz“, sagt Peter Morawitz von den Sturmjaegern. Er ist bereits seit 2006 dabei, hat zwischendurch länger pausiert und engagiert sich seit zwei Jahren wieder mehr. Sein Part sind die Texte, Rayk Jackisch kümmert sich um die Programmierung und Uwe Ludwig um die Organisation im Allgemeinen und um die der Fanbusse im Besonderen. Zwölf Sturmjaeger bilden den harten Kern der Gruppe, die Choreografien für die Tribüne einübt, gemeinsam Auswärtsspiele besucht und seit jeher einen engen Kontakt zur Mannschaft pflegt.

Wegen der enormen Präsenz der Tornado-Seite erhalten die Sturmjaeger häufig Post, die eigentlich an den Eislaufverein gerichtet ist. Wer etwa auf gut Glück nach dem Verein sucht und „www.elv-niesky.de“ eingibt, landet automatisch auf der Tornado-Seite, nicht beim Verein. Das führt immer wieder zu Verwechslungen. Spieler anderer Vereine und Sponsoren schreiben die Sturmjaeger ebenso regelmäßig an wie Spielervermittler.

Beim Eislaufverein kommt das nicht gut an. „Mal angenommen, einer unserer Sponsoren meldet sich versehentlich bei den Sturmjaegern und erhält keine Antwort. Dann muss der doch denken, der Verein will nicht mit ihm reden“, sagt ELV-Präsident Jörn Dünzel. Verprellte Sponsoren kann sich der Verein nicht leisten. Deshalb sollte deutlich erkennbar sein, dass es sich bei der Tornado-Seite um eine Fanpage handelt, nicht um die Vereinsseite.

Als die Sturmjaeger dann in einer schwierigen Phase prekäre Themen aufgreifen, kippt die Stimmung vollends. „Wir wollten nur kritisch berichten. Aber der Verein wollte uns gleich den Mund verbieten“, erinnert sich Peter Morawitz. Die Fronten verhärten sich. „Wir werden den Fans natürlich nichts vorschreiben. Aber uns als Verein muss gestattet sein, Stellung zu beziehen, wenn kritisiert wird“, meint Jörn Dünzel im Nachhinein. Kritik ja, aber in der Sache, nicht gegen Personen. „Stress haben wir im Beruf genug.“ Vereinsarbeit sei Freizeit, und die soll Spaß machen.

All das ist mittlerweile Vergangenheit. Als Dünzel zufällig auf einen der Sturmjaeger trifft, finden beide, dass es an der Zeit ist, sich endlich zusammenzusetzen und über alles zu reden. Vergnatzte Fans kann sich der Verein ebenso wenig leisten wie verprellte Sponsoren. Man wisse im Verein sehr wohl, was man den Fans zu verdanken habe, so Dünzel. „Ohne das jahrelange und kreative Engagement der Fans hätten wir wahrscheinlich bis heute kein Eisstadion.“ Außerdem brauche die Mannschaft die gute Stimmung auf der Tribüne. Zuschauer sind gut, Fans sind besser.

Vor ein paar Wochen sitzen Vertreter der Fangruppe und Jörn Dünzel endlich an einem Tisch. Ein konstruktives Gespräch, wie beide Seiten unabhängig voneinander finden. „Wir haben gemeinsame Projekte angedacht“, so Dünzel. Was genau, soll bei einem weiteren Treffen noch vor Saisonbeginn konkretisiert werden. Wohin die Reise gehen müsse, sei klar: Zum Spiel zu kommen, soll deutlich attraktiver werden. Anfänge mit Tanzgruppen und einer Band zum Abschluss habe es in der letzten Saison gegeben. „Wir haben da einiges vor, aber wir können nur eins nach dem anderen umsetzen.“

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