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Dienstag, 09.10.2018

Die neue Hennersdorfer Friedensglocke ist geweiht

In den nächsten 14 Tagen wird das Geläut in den Glockenstuhl eingehängt. Bald ist die perfekte Harmonie zu hören. Die fehlte jahrzehntelang.

Von Franz Herz

Der Hennersdorfer Pfarrer Johannes Lorenz hat zum Erntedankfest am Sonntag auch die neue Glocke geweiht. Den vollen Klang hören die Hennersdorfer zum ersten Mal im Advent.
Der Hennersdorfer Pfarrer Johannes Lorenz hat zum Erntedankfest am Sonntag auch die neue Glocke geweiht. Den vollen Klang hören die Hennersdorfer zum ersten Mal im Advent.

© Egbert Kamprath

Dippoldiswalde. Mit einem hölzernen Hammer hat Pfarrer Johannes Lorenz zur Glockenweihe am Sonntag die neue Friedensglocke angeschlagen. Die fand mit dem Festgottesdienst zu Erntedank statt. Pfarrer Lorenz macht sich jetzt schon Gedanken, wie er den Gottesdienst am ersten Adventssonntag gestalten wird. Denn dann werden die drei Glocken wieder im Turm hängen, und sie sollen zum ersten Mal zusammen erklingen. Die stille Zeit ohne Kirchenglocken in Hennersdorf endet dann. Bis dahin ist aber noch einiges zu tun.

Die Zeit ohne Glocken


Dieses Frühjahr sind die Hennersdorfer Glocken verstummt. Mitte April hat sie ein Kran aus der Glockenstube heruntergeholt, und sie sind auf eine große Reise gegangen. Die kleine Taufglocke von 1927 und die große Festtagsglocke, die im Jahr 1529 gegossen worden ist, sind nach Nördlingen gefahren worden zur Glockenschweißerei. Dort wurden kleine Schäden ausgebessert und die Aufhängungen wieder so angepasst, dass sie in den neuen hölzernen Glockenstuhl passen. Dann ging die Reise der beiden Glocken weiter nach Innsbruck zur Glockengießerei Grassmayr. Dort haben die Mitarbeiter vor allem die Festtagsglocke besonders geschätzt. Denn diese ist noch älter als ihr Unternehmen, und das wurde doch auch schon im Jahr 1599 gegründet. Zusammen mit zwölf anderen Glocken ist die neue Hennersdorfer Friedensglocke am 25. Mai gegossen worden. Eine für Pobershau, welche für Manila, Stuttgart oder eine spanische Gemeinde waren dabei, erinnert sich Lorenz, der bei dem Guss dabei war.

Dann wurde die Glocke von den Fachleuten in Innsbruck zusammen mit Christian Schumann, dem Glockensachverständigen der sächsischen Landeskirche, genau auf die beiden vorhandenen abgestimmt. Am 27. September sind die Glocken wieder ins Osterzgebirge gefahren worden. Hier haben die Zimmerleute in der Zwischenzeit wieder einen neuen Glockenstuhl aus Holz errichtet. Das hatte die Kirche schon jahrhundertelang, bis er Anfang der 1950er-Jahre durch eine Stahlkonstruktion ersetzt worden ist. Die hat aber im Laufe der Jahre Haarrisse bekommen und musste ausgetauscht werden. Die Zimmerleute sind fast fertig mit dieser Arbeit. Nun verhandelt Pfarrer Lorenz mit der Kranfirma, wann sie Zeit findet, damit die Glocken wieder in den Turm gehoben werden können.

Ein harmonisches Geläut


Er ist gespannt auf den Gottesdienst zum ersten Advent, weil dann die Glocken zum ersten Mal richtig zu hören sein werden. Und Menschen mit einem feinen Gehör werden dann auch einen Unterschied hören gegenüber früher. „Es wird wieder ein harmonisches Geläut“, sagt Lorenz. Die Glocken hängen künftig wieder auf einer Ebene, während sie vorher untereinander angebracht waren. Das ist ein hörbarer Unterschied. Wesentlicher ist aber, dass die neue Glocke genau auf die Bisherigen abgestimmt wurde. Den Unterschied hören zwar nur Menschen mit einem feinen Gehör. Aber die mussten in Hennersdorf seit dem Zweiten Weltkrieg auf die perfekte Harmonie verzichten. Damals wurde eine Hennersdorfer Glocke für die Kriegsrüstung eingeschmolzen wie viele andere auch.

In den 1950er-Jahren haben die Hennersdorfer dann der Gemeinde Königshain bei Mittweida eine Bronzeglocke abgekauft, um wieder ein vollständiges Geläut zu haben. Die Königshainer hatten sich Eisenglocken angeschafft, zu denen die Bronzeglocke nicht mehr passte. Vor einigen Jahren haben die Königshainer aber auch wieder Bronzeglocken gießen lassen und wollten dazu ihre historische Glocke wieder haben, was die Hennersdorfer auch einsahen und den Königshainer ihr Geläut zurückgaben. Außerdem hat diese Glocke nie ganz exakt zum Hennersdorfer Klang gepasst. So hat Johannes Lorenz seit Jahren das Projekt einer neuen Glocke verfolgt. Jetzt tut es ihm fast leid, dass sie in wenigen Tagen hoch in der Glockenstube den Blicken entzogen wird. Denn sie ist nicht nur ein Klangkörper, sondern auch ein reich verziertes Kunstwerk.

Oben zieht sich ein Zierband mit Ähren ringsherum, passend zu Hennersdorf, das landwirtschaftlich geprägt ist. Darunter steht der Bibelspruch: Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen. Und unten steht: Ev.-Luth. Katharinenkirche Hennersdorf. Und die Glockengießerei hat ein besonderes Markenzeichen. Sie gestaltet die Aufhängung als kleine Engelsköpfe. „Wer will, kann die Glocke in den nächsten Tagen noch aus der Nähe ansehen“, sagt der Pfarrer. Ideen, wie er den Adventsgottesdienst gestaltet, hat er schon. „Ich werde sicher ein Motto wählen, das dazu passt, wie Die Glocke ruft uns“, berichtet er, was ihm durch den Kopf geht. Eine weitere Arbeit hat er auch noch vor sich. Wenn die Glocken im Turm hängen, nimmt er Kontakt zum Uhrmacher auf, damit auch die Turmuhr wieder in Gang kommt.