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Mittwoch, 14.03.2018

Die Metamorphose der Würstelbude

Zum 1. Kamenzer Wurstmarkt am 25. März wird eine Idee der Leipziger Studenten simuliert. Sponsoren machen es möglich.

Status quo: So steht die Kamenzer Würstelbude heute auf dem Markt.
Status quo: So steht die Kamenzer Würstelbude heute auf dem Markt.

© René Plaul

Kamenz. Selten trifft ein Vereinsname so den Nagel auf den Kopf, wie diesmal. Zum 1. Kamenzer Wurstmarkt am 25. März, der ein verkaufsoffener Sonntagnachmittag ist, wird die Würstelbude auf dem Markt kaum wiederzuerkennen sein. Auch dank des Vereins „Metamorphose – Kunst in Kamenz“. Die zeitweise „Verwandlung“ bzw. „Umgestaltung“ des schlichten Holzquaders findet nun mit dem Segen des Bau- und Stadtentwicklungsausschusses statt. Der hatte es nicht schwer, einer vorgesehenen Simulation zuzustimmen, erst recht, da ja keine Steuermittel dafür aufgebracht werden müssen. Die Kosten übernehmen der Metamorphoseverein und Sponsoren.

So könnte die Würtstchenbude ausseheni

Worum geht es genau? Drei Architekturstudenten der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) hatten sich ein Wochenende lang mit der Würstelbude auseinandergesetzt. Georg Fischer, Felix Kleespieß und Christopher Langner, die demnächst ihr Studium absolviert haben werden, hatten erstaunlich vielfältige Ergebnisse ihres Workshops in der Kamenzer Stadtwerkstatt öffentlich präsentiert, was auf eine große Resonanz gestoßen war. Aus ihren zahlreichen Skizzen haben sie drei Favoritenentwürfe herausgehoben. Einer davon wird nun mal zeitweise umgesetzt. Beteiligt ist dabei die Gerüstbaufirma Gneuß. Das waren die drei Vorschläge der Studenten im Detail:

Das GERÜST – funktional, flexibel und durchaus belebend

Der Entwurf besteht aus einer weißen Gerüststruktur, die den Raum um die Kamenzer Würstchenbude fasst. Diese bietet den Gästen der Bude einen Aufenthaltsort und dient gleichermaßen als Andockstelle für kleinere Elemente: In die etwa zwei mal zwei Meter großen Raster des Gerüsts lassen sich zum Beispiel Gitterpanele, Graffitiwände, Blumen- und Pflanzkübel, vielleicht eine kleine Büchertauschbörse oder Sitzmöglichkeiten hängen. Citymanagerin Anne Hasselbach: „Die Gestaltung der Würstchenbude und eines Teils des Marktplatzes liegt somit in den Händen der Nutzer und wächst mit deren Beteiligung zu einem bunten und belebten Raum.“ Dieser Entwurf soll nun simuliert werden – bis kurz vor dem Blütenlauf-Wochenende. Dann wird der Platz natürlich anderweitig gebraucht.

Der WÜRFEL – eine Analogie auf die Rathausgestaltung
Dieser Entwurf thematisiert die historische Ornamentik des Rathauses, indem er sie in Form eines Würfel-Moduls zu einem interaktiven Spielobjekt macht. Die Würfel werden durch einen Schraubmechanismus seitlich an die bestehende Würstchenbude angebracht. Anne Hasselbach: Sie bilden damit eine neue, identitätsstiftende Hülle der Würstchenbude ab, welche historisch mit der Stadt vernetzt ist und sich interaktiv als Hocker oder Tisch nutzen lässt. Anne Hasselbach: „Die Produktionskosten der Holzwürfel sind relativ gering, damit wäre diese Variante eine sogenannte Low-Budget Lösung.“

Der BOGEN – mobile Extravaganz, die durchaus hochwertig wäre

Der Entwurf des geschwungenen Daches über der bestehenden Würstchenbude basiert auf einer mehr ästhetischen Schwerpunktsetzung, was sich auch in den Kosten niederschlagen würde. Die geschwungene Form und eine glänzende Oberfläche in Messing-Optik verleihen der raumbildenden Skulptur, eine hochwertige, moderne Erscheinung. Die extravagante Form aus Stahl spannt sich nach Belieben quer, längs oder vom Standort gänzlich unabhängig über die Holzhütte. Durch eine leichte Bauweise kann das künstlerisch anmutende Objekt mittels Hydraulik-Stapler oder handelsüblichem Hubwagen ohne Mühen an verschiedene Standorte bewegt werden. Neben trivialem Sonnen- und Regenschutz, bietet diese Variante eine Sitzbank und Stehtische. Anne Hasselbach, die auch Vorsitzende des Metamorphosevereins ist: „Mit dieser Lösung würde nicht nur der Marktplatz eine deutliche Aufwertung erfahren.“ Sie könne auch an anderen Orten ihr Potenzial entfalten und neugierige Menschen anziehen.

Alle drei Entwürfe werden auch beim 1. Kamenzer Wurstmarkt am Sonntag, dem 25. März, von 12 bis 18 Uhr zu sehen sein. Wohl an der Rückseite der dann eingerahmten Würstelbude gibt es Erläuterungen. Die Citymanagerin wünscht sich, dass der „ergebnisoffene Prozess“ auch danach weitergeführt wird. Die Bürger können zum Frühlingsfest ihre Meinung gern kundtun, heißt es ausdrücklich. „Wir bringen dazu extra einen Briefkasten an.“

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