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Samstag, 09.06.2018

Die Kunst des Blaudrucks vor der Industrialisierung

Einige der Blaudruck-Modeln (Druckstöcke) im Bestand des Stadtmuseums Hoyerswerda.Foto: Uwe Schulz
Einige der Blaudruck-Modeln (Druckstöcke) im Bestand des Stadtmuseums Hoyerswerda. Foto: Uwe Schulz

Massenproduktion macht bestimmte Handwerkszweige kaputt. Heute sind es die Bäcker, die befürchten, dass sie auf Dauer mit Handwerk nicht gegen die Industrie bestehen können. Der originale Buchdrucker, der Schuhmacher, der Uhrmacher – sie alle gibt es nicht mehr in den jeweiligen Städten, sondern man kauft Ware, die sonstwo für einen regionalen oder gleich den weltweiten Absatz hergestellt wird. Wenn sich heute irgendwo noch ein einzelner Handwerker in diesen Branchen hält, so besetzt er eine Nische – und freut sich nicht zuletzt dank des Internets jetzt auch über weltweiten Absatz. Auch den Beruf des Blaudruckers gibt es nicht mehr. Dabei war es mal eine hoch angesehene Berufsgruppe. Denn wer den Blaudruck beherrschte, der besaß schon besondere Kenntnisse. Das Färben an sich ist eines der ältesten Zunfthandwerke. Im Mittelalter, so erklärt Boglarka Szücs vom Stadtmuseum Hoyerswerda, teilte sich das dann in verschiedene Gruppen auf. Die Schlechtfärber kümmerten sich um die Farbgebung des groben Leinen, die Schönfärber konnten auch Wolle und sogar Seide färben. Am angesehensten waren aber die Färber, die den Zeugdruck mit einbanden. Sie beherrschten also das Färben und das Drucken und verfügten über chemische Kenntnisse, die sich nicht jedem offenbarten. Das sorgte für Ansehen und Wohlstand. Blaudruckmeister wurden durchaus Ratsherren und konnten sich Häuser in besten Lagen kaufen. Blaudruck klappte super mit dem Farbstoff Indigo aus Indien, mit etwas abgeschwächter Färbekraft ging es auch mit Färberwaid, der vor allem in Thüringen gepflanzt, geerntet und verarbeitet wurde. Eine Revolution stellte dann 1878 die Erfindung des synthetischen Indigos durch den späteren Chemie-Nobelpreisträger Adolf von Baeyer dar. Allerdings ist das auch ein wichtiger Punkt für die Industrialisierung. Denn das klassische Blaudruckhandwerk ist aufwendig. Wie beim Ostereierfärben muss eine Masse aufgetragen werden, die in dem Fall den Stoff an diesen Stellen vor der Farbaufnahme schützt und so ein Muster entstehen lässt. Das Leinen musste man zunächst bleichen und reinigen, dann auf einen Drucktisch spannen. Mit den unterschiedlichsten Modeln brachte man dann die Druckmasse oder auch Papp auf, der, so Boglarka Szücs, aus Klebstoff, Kaolin und Terpentin oder flüssigem Baumharz bestand. Das Muster oblag dem Blaudruckmeister und dem Zeitgeist. Dann wurde mehrmals gefärbt, gewaschen, gespült, getrocknet, gestärkt und geglättet. So hatte man einen blauen Stoff mit weißem Muster, der dann zugeschnitten und verarbeitet werden konnte. Eine Auswahl an Stoffen und diverse Modeln sind im Stadtmuseum Hoyerswerda zu sehen.

Im Trachtenhaus Jatzwauk in der Senftenberger Straße 19 kann man sich über die Kunst des Blaudrucks noch genauer informieren. Der Verein zur Pflege der Regionalkultur der Mittleren Lausitz e.V. hatte in den 1990er-Jahren die komplette Werkstatt des Hoyerswerdaer Blaudruckers Nötzold aufkaufen und bewahren können. 2017 wurde das Förderprojekt „Reprint der sorbischen schmalen Beiderwandschürzen“ in Zusammenarbeit mit der Blaudruckerei Folprecht in Coswig mit einem befriedigenden Zwischenergebnis abgeschlossen, wie der Verein auf seiner Homepage erklärt. Ziel ist es, die original sorbischen Zweiblattschürzen wieder herstellen zu können. (US)

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