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Mittwoch, 15.11.2017

Die Hafencity ist nur der Anfang

Die Stadt zeigt ihre Vision von der Leipziger Vorstadt. Von einem Handelsriesen träumt sie aber nicht.

Von Sandro Rahrisch

So stellt sich die Stadtverwaltung den Masterplan für die Leipziger Vorstadt vor. Für den Leipziger Bahnhof dürften einige Stadträte andere Wünsche haben.Foto: Jürgen-M. Schulter
So stellt sich die Stadtverwaltung den Masterplan für die Leipziger Vorstadt vor. Für den Leipziger Bahnhof dürften einige Stadträte andere Wünsche haben.Foto: Jürgen-M. Schulter

Dresdens Stadtplanern muss die Leipziger Vorstadt wie ein großer Klumpen Lehm vorkommen – formbar und vielversprechend, mit vielen unbebauten Flächen. Die große Zukunftsvision, der Masterplan, soll nun den Takt für alle weiteren Bauvorhaben zwischen Neustädter Hafen und Eisenbahndamm angeben. Wenn sich der Stadtrat nicht in zwei Lager aufspaltet.

Denn die Verwaltung spricht sich klar gegen Globus am Alten Leipziger Bahnhof aus. Anstatt einem Supermarkt mit rund 8 000 Quadratmetern Handelsfläche den Weg frei zu machen, bittet sie die Stadträte, für Wohnungen, Kultur und Bildung auf dem Gelände zu stimmen. Man wolle auch die denkmalgeschützten Gebäude erhalten, heißt es. Dem kleinteiligen Wohngebiet könnte sich nebenan im Orangerie-Park ein weiteres Wohnquartier mit Nutzgärten anschließen.

Das Problem: Für das Areal sind in der Vergangenheit zwei gegensätzliche Beschlüsse gefasst worden. Zum einen hatte sich der Stadtrat für einen Globus-Markt an dieser Stelle ausgesprochen. Zum anderen entschieden sich die Politiker auch gegen Einzelhandel in der geplanten Größenordnung. Zwar ist im Sommer dann beschlossen worden, nach einem neuen Standort für Globus zu suchen. Allerdings konnte sich der Rat nicht darauf einigen, den alten Beschluss für den Supermarkt am Alten Leipziger Bahnhof aufzuheben.

Ein weiteres Problem ist, dass Globus bereits Eigentümer des Grundstücks ist. Selbst wenn sich die Räte einig werden und für Wohnungen stimmen, so könnte der Konzern nicht dazu verdonnert werden, diese auch zu bauen.

In demselben Dilemma befindet sich die Stadt auf der anderen Seite der Leipziger Straße. Dort sind die Pläne von Architektin Regine Töberich und ihrem Wohnprojekt „Marina Garden“ komplett ausgetauscht worden. Dresden möchte an dieser Stelle das „Elbviertel am Alexander-Puschkin-Platz“ mit Wohnungen und Ateliers errichten lassen. Die Immobilie gehört aber Töberich. Auch sie kann nicht gezwungen werden, die fremden Entwürfe umzusetzen. Und einen Verkauf ihres Grundstücks lehnte sie zuletzt ab. Die Stadtverwaltung hatte ihr im Rahmen eines Vergleichs 3,5 Millionen Euro angeboten.

Unkomplizierter sieht es am Neustädter Hafen aus. Dort ist bereits der Grundstein für die Hafencity gelegt worden. Im September haben die Arbeiten am Kreativzentrum begonnen. Im kommenden Jahr könnte auch der Startschuss für die rund 350 Wohnungen nebenan fallen. Der Investor, das Immobilienunternehmen USD, hatte seine Pläne zusammen mit der Stadt mehrmals überarbeitet und dafür einen späteren Baubeginn in Kauf genommen.

„Die Leipziger Vorstadt soll zu einem pulsierenden innerstädtischen Quartier entwickelt werden“, wünscht sich die Stadtverwaltung. Mit 532 000 Quadratmetern ist der Stadtteil so groß wie 75 Fußballfelder. Über die Zukunftsvision wird der Stadtrat möglicherweise erst im kommenden Jahr abstimmen.

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