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Samstag, 10.11.2018

Die fröhliche Moni

Monika Schuster erfüllte sich vor 25 Jahren in Heidenau einen musikalischen Traum. Inzwischen lebt den die ganze Familie.

Von Heike Sabel

Mutti Moni, wie die Schüler Monika Schuster nennen, mit ihren fröhlichen Musikanten. Am Wochenende geben sie vor rund 900 Besuchern fünf Jahreskonzerte. Die Musikschule konzentriert sich auf das Instrument Akkordeon.
Mutti Moni, wie die Schüler Monika Schuster nennen, mit ihren fröhlichen Musikanten. Am Wochenende geben sie vor rund 900 Besuchern fünf Jahreskonzerte. Die Musikschule konzentriert sich auf das Instrument Akkordeon.

© Foto: privat

Heidenau. Hätte es die Musikschule Fröhlich nicht schon gegeben, wäre sie der Namensgeber gewesen: Monika Schuster. Sie musiziert und lacht – auch über sich selbst – seit 25 Jahren mit Begeisterung. Die letzten Tage fragte sie sich manchmal, wieso sie sich das antut. Das ist aber nicht ernst gemeint, sondern nur die Aufregung vor den Jubiläumskonzerten am Wochenende mit insgesamt 900 Besuchern. Mit einem Mikrofon, einem Konzert und 18 Schülern begann es im September 1993. Heute erinnert die Technik im Gymnasium an Konzerte großer Stars, sind bei den fünf Konzerten über 220 Schüler dabei und gibt es acht Mikrofone. „Ohne meine Technikleute wäre ich aufgeschmissen“, sagt Monika Schuster. Und ohne ihre Familie. Ihr Mann Jens unterstützt sie seit Beginn und ist bis heute ihr „Mann für alle Fälle“. Er repariert kleine Akkordeonschäden, bearbeitet jedes Jahres-Konzert, damit alle Mitwirkenden eine DVD bekommen, rettet seine Frau, wenn der Computer spinnt, ist ein schonungsloser Kritiker und großer Fan des Orchesters. Im Probenlager betreut er die Kinder und schmeißt den Haushalt, wenn sie zu Weiterbildungen, Workshops und Tagungen fährt. „Ohne ihn wäre dieser Weg nicht möglich gewesen“, sagt Monika Schuster. Inzwischen macht die ganze Familie mit.

Nach dem Studium arbeitete Monika Schuster an der Heidenauer Goethe-Oberschule als Musik- und Deutsch-Lehrerin. Sie spielte Geige, Klavier, Akkordeon und träumte, mit Kindern in kleinen Gruppen entspannt und fröhlich zu musizieren. Da kam ein Aufruf in der Zeitschrift von Musikschulleiter Dieter Fröhlich gerade recht. Er suchte einen Gebietsleiter für Heidenau/Dohna. Nach Infotagungen und einem Gespräch mit ihrem Mann und Fröhlich wagte sie den Schritt. Der hatte ihr versichert, sie werde zu denen gehören, die es schaffen. So kam es auch. Im Februar wurde sie in Leipzig für ihre Arbeit ausgezeichnet.

„Man muss auch mal richtig lachen können im Unterricht“, sagt sie und tut es oft und gern. „Weil mir die Arbeit Spaß macht und mich erfüllt.“ Inzwischen sind die Kinder der ersten Musikschüler schon in ihrem Unterricht. „Wenn man Kinder so lange im Unterricht hat, lebt man ein kleines bisschen ihr Leben mit. Man ist mit ihnen traurig, aber man freut sich auch mit ihnen, wenn Abschlüsse geschafft wurden, es Nachwuchs gibt, eine Arbeitsstelle gefunden wurde.“ So war es kein Wunder, dass es immer mehr Schüler wurden. Ihre Freundin und Kollegin Sabine Tomuschat übernahm die musikalische Früherziehung, danach einige Kurse.

Seit drei Jahren unterstützt ihr Sohn David sie bei der Betreuung der neuen Orchestermitglieder. Der 33-jährige Heilerziehungspfleger spielt seit der ersten fröhlichen Arbeitswoche seiner Mutter in der Musikschule mit. Am Wochenende sitzt er in allen fünf Konzerten zu ihrer linken Hand, gibt ihr mit Blicken Sicherheit, wenn sie die Aufregung packt. Er ist verantwortlich für die Betreuung der Orchestertechnik, erstellt Übungsdateien, spielt und singt mit Leidenschaft und ist in dieser Hinsicht auch für viele jüngere Schüler Vorbild.

Sohn Fabian ist Geschäftsführer und spielte bis vor zwei Jahren mit. Am Wochenende ist er der Mann am Licht. Schwiegertöchter Caro und Annette helfen bei der Kinderbetreuung, beim Sektempfang und bei der Verpflegung der Musiker. Enkelin Florentine war mit sechs Monaten schon im musikalischen Babykurs und ist jetzt als Dreijährige „unser seelischer Sonnenschein“. Beim dritten Konzert wird sie alles aufmerksam verfolgen.

„Besonders in den Anfangsjahren war die Unterstützung durch Eltern und Schwiegereltern eine große Stütze“, sagt Monika Schuster. Noch heute, mit 87, 88 und 92 Jahren helfen sie – Programmhefte falten und Eierschecke für das Konzertwochenende backen zum Beispiel. Schwiegermutter Trautel wird am Sonntag dabei sein, sich freuen und solange klatschen, bis ihr die Arme wehtun. Monika Schusters Mutter ist zu Hause in Gedanken dabei. Ihr Schwager Karlheinz spielt bei den „Happy Oldies“ und Schwester Gertrud hält bei den Konzertkostümen die Fäden in der Hand.

Derzeit sucht Monika Schuster, auch mittels eines Videos, einen Mitstreiter, der sie unterstützt, neue Kurse übernimmt und vielleicht irgendwann ihre Arbeit weiterführt. Das brachte ihr schon Fragen ein, ob sie denn aufhören wolle. Aber über diesen Zeitpunkt macht sie sich noch keine ernsthaften Gedanken. „Ich kann mir nicht vorstellen, nicht mehr mit ‚meinen Kindern‘ zu arbeiten.“ Und was würde dann die fröhliche Familie machen?