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Sonntag, 11.03.2018 Kommentar

Die Fakten müssen stimmen

Andreas Weller über Uwe Tellkamps Meinungsäußerung.

Andreas Weller
Andreas Weller

© André Wirsig

Eine Gesellschaft muss unterschiedliche Meinungen aushalten. Wenn Schriftsteller Uwe Tellkamp sich kritisch über Flüchtlinge äußert, ist das zunächst eine Meinung – mehr nicht. Tellkamp und die, die so denken wie er, müssen aber auch andere Meinungen aushalten. Deshalb ist es völlig legitim, wenn der Verlag, der seine Bücher herausbringt, klarstellt, dass dieser den Inhalt von Tellkamps Äußerungen nicht teilt.

Gefährlich wird es allerdings, weil Tellkamp Pegida-Behauptungen übernimmt. Die These der „Gesinnungsdiktatur“ kann vielleicht noch als Meinungsäußerung durchgehen. Aber die Anschuldigung, 95 Prozent der Asylsuchenden seien Wirtschaftsflüchtlinge, grenzt an Verleumdung. Denn für diese These gibt es keinen Beleg. Die letzten Erhebungen dazu haben ergeben, dass mehr als der Hälfte der Asylanträge stattgegeben wird, weil den Betroffenen Schutz zusteht. Und viele Fälle kommen gar nicht in diese Prüfung, weil die Antragsteller eindeutig aus Kriegsgebieten stammen. Da auf 95 Prozent Wirtschaftsflüchtlinge zu kommen, ist mehr als abenteuerlich.

Pegida-Redner bekommen für solche Behauptungen von ihren Anhängern Applaus. Mit Tellkamp hat sich nun aber ein Intellektueller in dieser Richtung geäußert. Dadurch könnten sich Asyl-Gegner gestärkt fühlen und auch andere den Inhalt für wahr halten. Es spricht niemals etwas dagegen, seine Meinung zu überdenken. Aber die Fakten müssen stimmen. Sonst wird es mehr als gefährlich.

>> E-Mail an Andreas Weller

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