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Montag, 09.07.2018

Die Ermittlerin auf dem Ergometer

Eine Bundespolizistin aus Breitenau zählt zu den weltbesten Indoor-Ruderinnen. Weltrekorde stellt sie im Wohnzimmer auf.

Von Stephan Klingbeil

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Yvonne Apitz aus Dresden entdeckte Indoor-Rudern eher zufällig für sich. Inzwischen hat die Kommissarin zahlreiche Titel und Weltrekorde geholt. In Arbeitspausen trainiert die Ermittlerin auch am Bundespolizeistandort in Breitenau. Das mobile Ergometer hat sie immer dabei.
Yvonne Apitz aus Dresden entdeckte Indoor-Rudern eher zufällig für sich. Inzwischen hat die Kommissarin zahlreiche Titel und Weltrekorde geholt. In Arbeitspausen trainiert die Ermittlerin auch am Bundespolizeistandort in Breitenau. Das mobile Ergometer hat sie immer dabei.

© Foto: privat

© Daniel Schäfer

Sächsische Schweiz. Auf Anhieb Deutsche Meisterin: Das hat Indoor-Ruderin Yvonne Apitz aus Dresden geschafft. Die 35-jährige Ermittlungsbeamtin vom Bundespolizeirevier Breitenau an der Autobahn 17 in Bad Gottleuba-Berggießhübel gehört inzwischen zu den besten „Trockenruderinnen“ der Welt. Das hätte sie sich noch vor vier Jahren nie träumen lassen, damals als sie bei ihrem ersten Indoor-Ruderwettkampf gleich Gold holte.

Als Teenager ruderte die gebürtige Torgauerin noch in ihrer Heimat, große Erfolge blieben damals aus. Als Apitz dann Ausbildung und Studium bei der Bundespolizei begann, hörte sie mit dem Rudern auf. „Und seit 2003 war ich nicht mehr auf dem Wasser zum Rudern“, erklärt die Polizeihauptkommissarin. Indoor-Rudern konnte sie zunächst auch nichts abgewinnen.

„Nach meinem Umzug nach Dresden bin ich bis 2014 im Fitnessstudio am Ergometer vorbeigegangen“, sagt die 35-Jährige. „Doch irgendwann habe ich das dann mal zur Erwärmung ausprobiert.“ Und das passte. Yvonne Apitz fand das Trockenrudern nicht nur klasse. Sie war auch richtig gut. Beim vom Deutschen Ruderverband (DRV) ausgerichteten Deutschen Masters-Indoorserie mit eigentlich fünf Rennen an mehreren Stationen in Deutschland wollte sie dann sehen, wo sie im Vergleich mit anderen deutschen Ergometer-Assen steht.

Viermal Gold bei Polizei-WM


„Ich hatte ewig nicht gerudert, und da waren viele Ruderer dabei. Als Fitnesssportlerin war ich dort also ein echter Exot“, blickt die Sächsin zurück. Trotzdem war sie die Schnellste – und das ohne viel Training. Das sollte sich danach ändern. Und Yvonne Apitz blieb in der Erfolgsspurt. Es folgten zwei weitere Titel bei diesen Deutschen Meisterschaften in der Ü 30-Wertung.

Dabei blieb es aber nicht. Bei ihrer EM-Premiere wurde sie auch gleich Indoor-Ruder-Europameisterin und 2016 schaffte sie es auf dem Ergometer bei den Weltmeisterschaften in Boston (USA) als beste Europäerin in ihrer Altersklasse auf den vierten Platz. Darüber hinaus räumte Yvonne Apitz bei der Polizei-und-Feuerwehr-WM im vorigen August in Los Angeles ab, gewann dort viermal Gold über verschiedene Distanzen. Auch dem DRV ist ihr Talent nicht entgangenen. Seit dem Vorjahr gehört sie zur Deutschen Indoor-Nationalmannschaft und durfte so 2017 auch mit zu den World Games in Breslau, den großen Titelkämpfen der nicht-olympischen Sportarten, wo Indoor-Rudern Einladungssportart war.

Obendrein hat die Sächsin in den vergangenen Jahren zwölf Weltrekorde im Indoor-Rudern aufgestellt, zehn davon hält sie noch immer – etwa den über 100 Meter. „Den habe ich auch bei mir im Wohnzimmer aufgestellt“, sagt Yvonne Apitz und schmunzelt. Die offiziell auf ihrem heimischen Ergometer abgenommenen 16,2 Sekunden hat bisher niemand auf der Welt geknackt. Über Internet ist sie verlinkt mit der Dachorganisation, durch bestimmte Einstellungen ist Schummeln unmöglich. Die Ermittlungsbeamtin trainiert zudem meist online mit ihren Mitstreitern.

In einem Verein rudert sie nicht. Apitz ist in der internationalen Trainingsgruppe „Sub 7 Indoor Rowing Club“, wo sie sich online mit anderen Freizeitsportlern austauscht und regelmäßig auch persönlich zu Wettkämpfen trifft. In Großbritannien etwa, wo viele aus der Trainingsgruppe leben. Im Team mit diversen Britinnen stellte sie 2017 gar den Altersklassen-Weltrekord und so natürlich auch die britische Bestmarke über 100 Kilometer auf.

Sonst Schleusern auf der Spur


Die Reisen und Aufenthalte finanziert die Ermittlerin indes selbst und nimmt dafür auch Urlaub oder baut Überstunden ab. Sie ist sehr froh über die Unterstützung der Bundespolizei, die ihr es unter anderem auch ermöglicht, in Arbeitspausen mit ihrem mobilen Ergometer im Büro in Breitenau zu trainieren. „Für mich ist das ein guter Ausgleich zu meiner Arbeit“, erklärt die Bundespolizistin, die sonst vor allem Schleusern und Dieben auf der Spur ist. Seit drei Jahren hat sie dabei in Sachsen, aber als abgeordnete Unterstützung auch in Bayern, gut zu tun. Und die Bundespolizei hat die Indoor-Ruderin in diesem Jahr gar für ihre vielen sportlichen Erfolge ausgezeichnet. Yvonne Apitz gewann bei der internen Sportler-Ehrung der Bundespolizei als beste Ostdeutsche den dritten Preis.

Für die Dresdnerin stehen 2019 die nächsten großen Titelkämpfe an, die Polizei- und Feuerwehr-WM in China. die hat sie im Blick. „Und danach werde ich vielleicht auch wieder auf dem Wasser rudern. Das reizt mich inzwischen schon“, sagt die Polizeihauptkommissarin. „Mal sehen.“