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Donnerstag, 08.11.2018

Die Dauerbaustelle hat ein Ende

Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit ist die neue Ortsdurchfahrt fertig. Das Ergebnis überzeugt – aber nicht jeden.

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Die Baumaschinen rücken ab: Nach insgesamt zweieinhalb Jahren ist ein Schlussstrich unter den Bau der Ortsdurchfahrt im Gröditzer Ortsteil Nauwalde gezogen
Die Baumaschinen rücken ab: Nach insgesamt zweieinhalb Jahren ist ein Schlussstrich unter den Bau der Ortsdurchfahrt im Gröditzer Ortsteil Nauwalde gezogen

© Sebastian Schultz

Was schnell in Vergessenheit gerät: Wie die Straße vor dem Bau aussah.
Was schnell in Vergessenheit gerät: Wie die Straße vor dem Bau aussah.

© Sebastian Schultz

Nauwalde. Es war ein Großvorhaben, das wegen seiner Lage eher im Verborgenen stattfand: Mehr als zweieinhalb Jahre wurde im Gröditzer Ortsteil Nauwalde an der Erneuerung der Ortsdurchfahrt gebaut. Teile der reichlich anderthalb Kilometer Straße sind schon seit gut einem Jahr befahrbar. Andere erst seit einigen Wochen.

Jetzt ist ein offizieller Schlusspunkt unter das lange währende Projekt gesetzt worden. Am Mittwoch sei Bauabnahme gewesen, so der Gröditzer Bürgermeister Jochen Reinicke (parteilos). Ergebnis: Die Straße sei abgenommen – auch wenn es noch das ein oder andere nachzuarbeiten gebe. Das sei aber bei solchen Vorhaben normal, so Reinicke. Neun Seiten sei die Mängelliste lang. Aufgeführt seien zum Beispiel abgeplatzte Borde oder Absenkungen im Gehweg. Er gehe davon aus, dass das Beheben aller restlichen Mankos in Summe noch etwa 14 Tage brauche, so Reinicke. Je nach Wetterlage solle das noch dieses Jahr oder Anfang 2019 passieren.

Zöge sich alles bis ins neue Jahr hin, würde die Bauzeit in Nauwalde fast drei Jahre betragen – deutlich mehr als ursprünglich veranschlagt. Als im Frühjahr 2016 Bauarbeiter und -maschinen anrückten, war von einer Fertigstellung im November 2017 die Rede. Dass das nichts werden würde, zeigte sich aber schnell: Ein mehrwöchiger Baustopp wegen Problemen mit der Grundwasserabsenkung war nur der Anfang. Während des Baus kam hinzu, dass zusätzlich zu Trink- und Abwasserrohren auch noch Gasleitungen verlegt werden sollten, was im Vorfeld des Baus nicht klar war. Auch die Wünsche von Anwohnern umzusetzen, etwa bei Grundstückseinfahrten, habe zusätzlich Zeit gebraucht, sagt Bürgermeister Reinicke. – Beschwerden über die Dauerbaustelle waren aus Nauwalde immer mal wieder zu hören. Der Bürgermeister zeigt sich überzeugt, dass die längere Bauzeit jetzt niemanden mehr interessiert. Alle seien zufrieden.

Das dürfte auch für einen großen Teil der Nauwalder stimmen. Aber nicht jeder Anlieger ist nur voll des Lobes. Sie habe lange dafür kämpfen müssen, dass sich die Bau-Verantwortlichen kümmern, Höhenunterschiede zwischen ihrem niedriger liegenden Grundstück und der neuen Straße zu beseitigen, sagt eine Anwohnerin. Aber nicht nur deshalb findet die neue Straße bei ihr keinen rechten Anklang. „Es ist eine ganz schöne Mondlandschaft“, sagt sie und meint das Auf und Ab auf dem neuen Gehweg aufgrund der Grundstückzufahrten.

Ein anderer Anlieger freut sich vor allem darüber, dass die Baufirma ihren Lagerplatz unweit seines Grundstücks räumt. Damit hätten Lärm und Staub nun zum Glück ein Ende. Die neue Straße hält der Nauwalder für eine Verbesserung für das Ortsbild. Doch der Anlieger schlägt auch kritische Töne an. Auf der neuen Straße würden die Auto- und Motorradfahrer ganz schön rasen, will er beobachtet haben. „Das war früher nicht so.“ Begegneten sich Bus und Lkw, werde es auf der neuen, schmaleren Straße ziemlich eng. Wenn er beim Bau etwas zu sagen gehabt hätte, hätte er wohl auf Granitborde verzichtet, merkt er noch an. Die seien ziemlich teuer.

Wie teuer der Nauwalder Straßenbau am Ende insgesamt wird, steht laut Bürgermeister Jochen Reinicke (parteilos) noch nicht endgültig fest, weil noch schlussgerechnet werden müsse. Man liege aber in dem Bereich, der im Vorfeld der Baumaßnahme angepeilt worden sei – schätzungsweise 1,7 Millionen Euro.

Eine Straßenbaumaßnahme in ähnlicher Größenordnung steht in Gröditz nicht gleich wieder an. Straßen werden aber weiterhin gebaut. Das nächste Vorhaben ist laut Stadtchef Reinicke die Alte Kolonie im nächsten Jahr. Perspektivisch sollen aber auch die Ortsdurchfahrten in den Dörfern Spansberg und Schweinfurth drankommen. Dazu müsse man sich aber erst mit dem Landkreis abstimmen, da es sich – wie in Nauwalde – um Kreisstraßen handle. Je nach Planungsdauer und Finanzierung sei mit einem Baubeginn frühestens in etwa fünf Jahren zu rechnen, so Reinicke.

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