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Samstag, 15.09.2018

Der Weltveränderer

Michail Gorbatschow hat maßgeblich beigetragen zum Ende des Ost-West-Konflikts. Im neuen Buch blickt er zurück.

Von Friedemann Kohler, Moskau

Michail Gorbatschow
Michail Gorbatschow

© dpa/F. Kohler

Wer ihn trifft, braucht Geduld. Michail Gorbatschow, der erste und letzte Präsident der Sowjetunion, ist 87 Jahre alt. Am Stock, gestützt auf die Hand eines Mitarbeiters, kommt er in seine Stiftung in Moskau. Auf dem Flur hängen Preise und Ehrungen aus vielen Ländern, auch aus Deutschland. Doch die wertvollste Auszeichnung liegt im Tresor, die Urkunde zum Friedensnobelpreis 1990.

Gorbatschow geht nur noch selten in die Öffentlichkeit. Doch er ist ein wacher Beobachter der Politik und meldet sich noch immer zu Wort. Jetzt hat der ehemalige Generalsekretär der KPdSU ein neues Buch vorgelegt. Es trägt den Titel „In einer sich verändernden Welt“, und Gorbatschow kehrt noch einmal zurück in seine außenpolitische Glanzzeit. Bahnbrechende Verhandlungen mit den US-Präsidenten Ronald Reagan und George Bush über nukleare Abrüstung. Gespräche mit Kanzler Helmut Kohl über die deutsche Einheit. Treffen mit der „Eisernen Lady“ Margaret Thatcher. Eigentlich seien solche Einblicke ins politische Handwerk nicht zur Veröffentlichung bestimmt, sagt sein Ex-Pressesprecher. Umso wertvoller seien sie nun.

Es geht um Dinge, die Gorbatschow immer wichtig waren. Um atomare Abrüstung. Um Truppen, die nicht mehr ausgeschickt, sondern abgezogen wurden. Um Waffen, die nicht erneuert, sondern vernichtet wurden. Gorbatschow ermöglichte den Ländern Osteuropas einen demokratischen Neuanfang. Und er versuchte, Freiheit in der Sowjetunion einzuführen – nur dass sein Land darüber zerbrach. Viele Russen nehmen ihm das bis heute übel.

Wenn er auf die Weltlage zu sprechen kommt, betrachtet er mit Sorge das Zerwürfnis zwischen Russland und dem Westen. „Der Kalte Krieg ist nicht verschwunden. Er hat sich nur in der Intensität geändert“, bilanziert er. Doch man müsse sich dafür einsetzen, dafür kämpfen, dass es nicht noch mehr Rückschläge gibt. (dpa)