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Montag, 04.06.2018

Der Veganer vom Bolzplatz

Von Jens Jahn

Stets ein Lächeln auf den Lippen. André Csobot ist die gute Seele im Landesklasse-Team des FV 06 Laubegast Foto: Robert Michael
Stets ein Lächeln auf den Lippen. André Csobot ist die gute Seele im Landesklasse-Team des FV 06 Laubegast Foto: Robert Michael

© Robert Michael

Er ist der Inbegriff eines Straßenfußballers, da sind sich seine Mitspieler beim FV Laubegast einig: André Csobot. „Er will spielen, Tore schießen. André ist unkompliziert, ein absoluter Teamspieler und immer mit Freude dabei“, sagt Ex-Dynamo Robert Scannewin über den Kollegen. Csobot formuliert es noch deutlicher: „Ich bin ballverliebt, muss an jede Kugel ranhauen oder damit jonglieren. Mal ein Fallrückzieher, mal ein Volleyschuss ins Eck – das sind die Momente, für die ich lebe. Meine Freunde sagen, dass ich der Mann für die schwierigen Tore bin.“

13 Treffer hat der 37-Jährige in dieser Saison für Laubegast erzielt. Vom oft zitierten zweiten Frühling zu sprechen, würde ihm aber unrecht tun – seine fußballerische Karriere begann schließlich erst mit 26 Jahren. „Ich war immer der Typ für den Bolzplatz. Ich habe meine Kindheit in einem Dorf in Ungarn verbracht. Mein Vater ist Ungar, das halbe Dorf hieß Csobot. Ostern gab es immer ein Fußball-Duell. Alle Csobots gegen den Rest der Gemeinde“, erzählt er. Als Jugendlicher stand Csobot sogar beim damaligen ungarischen Erstligisten Szekszard UFC auf dem Platz. Mit seiner Rückkehr nach Deutschland endete aber diese Zeit für den gebürtigen Freitaler, Fußball wurde wieder zum Freizeitkick auf irgendeiner Wiese. „Von Taktik hatte ich überhaupt keine Ahnung. Davon hörte ich zum ersten Mal beim Dresdner SC. Mit 26 Jahren“, erklärt der Vater von drei Kindern. Sein Engagement beim Traditionsverein kam durch Andreas Diebitz zustande. Der einstige DDR-Oberligaspieler von Dynamo war 2006/2007 Trainer beim DSC.

Csobot musste aufgrund einer verlorenen Wette eine Trainingseinheit unter Diebitz absolvieren. „Klar, ich machte mit und jagte eine Eckballhereingabe volley in den Dreiangel. Diebitz war begeistert und lud mich zum nächsten Training wieder ein“, erinnert sich Csobot. Unter den Übungsleitern Harald Fischer und später Boris Lucic entwickelte er sich zum Toregaranten und Stammspieler. Bis 2013 hielt er dem DSC die Treue, dann musste er beruflich bedingt etwas kürzertreten und wechselte zum Dorfhainer SV. „Ich hatte in Dresden körperlich etwas zugelegt. Daher widmete ich mich meiner Ernährung und wurde zum Veganer“, erklärt Csobot.

Der Erfolg stellte sich postwendend ein. Er verlor ein paar Kilos, machte dafür aber 26 Tore in Dorfhain: „Das war die beste Saison. Durch meine konsequente Ernährungsumstellung fühlte ich mich total fit. Diese Tatsache und die Torerfolge waren wie eine gesunde Droge für mich.“ Noch heute widmet Csobot seiner Ernährung die allergrößte Aufmerksamkeit. Wochenlang ernährt er sich nur von Rohkost, isst nur einmal am Tag und grundsätzlich zuckerfrei. „Wenn keine Verletzungen hinzukommen, könnte ich von der körperlichen Fitness her ewig spielen. Von größeren Blessuren bin ich verschont geblieben. Das hat auch mit der Ernährung zu tun“, ist sich der selbständige Werbefachmann sicher.

Seit 2017 spielt Csobot nun für Laubegast – und damit wieder unter Trainer Lucic: „Er ist für mich der beste Coach. Jede Ansage sitz, für jeden Gegner gibt es eine spezielle Marschroute. Dann haben wir natürlich einige klasse Spieler. Ohne zu übertreiben, da steckt riesiges Potenzial dahinter.“ Und im Hinblick auf die Weltmeisterschaft im Sommer bleibt Csobot gewohnt entspannt: „Wenn ich mich zwischen dem Schauen des Endspiels oder einer Stunde bolzen mit meinen Kindern oder Freunden entscheiden sollte, würde mir die Wahl nicht schwerfallen. Ich liebe nun mal das Kicken über alles.“

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