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Donnerstag, 31.05.2018

Der unauffällige Schiedsrichter

Frank Rudelt hängt die Trillerpfeife an den Nagel. In 25 Jahren hat er keine zehn Feldverweise ausgesprochen.

Von Frank Korn

Trillerpfeife, Gelbe und Rote Karte braucht Frank Rudelt nicht mehr. Nach 25 Jahren beendet er seine Schiedsrichterlaufbahn. Zum Dank gab es von seinem Verein SV Ostrau 90 ein Shirt und einen Präsentkorb.
Trillerpfeife, Gelbe und Rote Karte braucht Frank Rudelt nicht mehr. Nach 25 Jahren beendet er seine Schiedsrichterlaufbahn. Zum Dank gab es von seinem Verein SV Ostrau 90 ein Shirt und einen Präsentkorb.

© Dietmar Thomas

Döbeln. Nach 25 Jahren ist Schluss. Frank Rudelt, seit 1993 für den SV Ostrau 90 als Schiedsrichter aktiv, hängt die Trillerpfeife an den sprichwörtlichen Nagel. Zum Abschied hat er von seinem Verein unter anderem ein Shirt bekommen. Vorn ist das Vereinlogo zu sehen, hinten die Aufschrift „Frank Rudelt – SV Ostrau 90 sagt Danke“.

Frank Rudelt fand erst im Alter von 40 Jahren zur Schiedsrichterei. „Schon vor meinem Lehrgang habe ich immer mal Spiele der 2. Kreisklasse gepfiffen, weil die zu dieser Zeit nicht immer mit Schiedsrichtern besetzt wurden. Das brachte Hans Schlicke, der leider schon verstorben ist, auf die Idee, dass ich mich doch auch zum Schiedsrichter ausbilden lassen könnte“, erinnert sich der 65-Jährige. Er ließ sich nicht lange bitten und absolvierte 1993 bei Rainer Weber einen Lehrgang. Schiedsrichter würden immer gesucht. „Es ist ja auch heute noch so, dass den Job nicht viele machen wollen“, so Rudelt. „Meine Spielerlaufbahn war lange vorbei und so bin ich in Bewegung geblieben.“ Viele behaupten, die Schiedsrichter pfeifen wegen des Geldes. Doch das sei für ihn nicht wichtig gewesen, so Rudelt. Und zudem könne man als Unparteiischer keine Reichtümer verdienen.

Frank Rudelt hat immer in der Kreisklasse beziehungsweise Kleinfeldspiele im Nachwuchsbereich auf Bezirksebene gepfiffen. Zudem war er als Assistent in der Bezirksklasse (heute Kreisoberliga) eingesetzt. „Die Schiedsrichter, bei denen ich an der Linie stand, waren Thomas Gruhle, Mike Kohllöffel und Hartmut Heinrich“, berichtet Rudelt. Dass es für ihn keinen Aufstieg in höhere Klassen gab, führt Rudelt auf sein Alter zurück. Ein Grund könnte aber auch sein, dass er seine Spiele stets „unauffällig“ geleitet hat. Sich als Unparteiischer großartig in Szene zu setzen, war nicht sein Ding. Er habe lieber mit den Spielern geredet, als mit Karten zu hantieren, sagt Rudelt. „In den 25 Jahren habe ich höchstens zehn Rote und Gelb-rote Karten verteilt“, so der Döbelner.

Dabei hat er auch einmal eine Rote Karte in einem D-Jugendspiel gezeigt, was sehr selten vorkommt. „Nach einem Kopfballduell lagen beide Spieler am Boden und der eine trat den anderen mit dem Fuß. Auch der Trainer hatte die Notwendigkeit der Strafe eingesehen“, erinnert sich Rudelt. Auch den Vater eines Jugendspielers vom Döbelner SC hat Rudelt mal vom Platz verwiesen. „Der schrie seinem Sohn zu, wenn du deinen Gegenspieler nicht halten kannst, dann reiße ihn um. Ich bin zum Trainer und habe gesagt, dass ich das Spiel erst wieder anpfeife, wenn der Vater vom Platz gegangen ist.“ Das sei fast schon die einzige Situation gewesen, in der er mal Strenge walten ließ, so Rudelt.

Frank Rudelt hat auch selbst Fußball gespielt. Als 14-Jähriger begann er in Hochweitzschen. Unterbrochen von einer dreijährigen Pause während eines Ökonomie-Studiums in Weimar ging das bis 1978. „Dann bin ich nach der Heirat mit meiner ersten Frau nach Ostrau gezogen und habe mit dem Fußball aufgehört.“ Beruflich musste Frank Rudelt nach der Wende umsatteln. Er machte eine Umschulung zum Industriekaufmann und war danach in einem Leisniger Betrieb angestellt. „Nach einem halben Jahr hatte die Firma kaum noch Aufträge und ich wurde wieder entlassen“, so Rudelt. Seit 1995 arbeitet er als Austräger für Post und Zeitung, bringt Lesern in Döbeln auch den Döbelner Anzeiger ins Haus.

Seit einem Unfall während der Lehre als Dreher sieht Frank Rudelt auf dem rechten Auge nur sehr eingeschränkt. Behindert habe ihn das aber nie. „Das linke Auge hat das kompensiert“, sagt er. Dennoch soll nun als Schiedsrichter Schluss sein. „Man kommt kaum noch hinterher“, scherzt Rudelt. Die gewonnene Freizeit ist schon verplant. „Ich habe einen Garten und einen Hund, aber auch beim Fußball als Zuschauer wird man mich weiter sehen“, so Rudelt.

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