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Dienstag, 13.03.2018

Der Überflieger

Moussa Koné startet bei Dynamo durch. Aber warum ist der Winter-Neuzugang in Dresden so schnell integriert?

Von Sven Geisler

Moussa Koné breitet beim Jubel die Arme aus, als wolle er abheben. Doch trotz seiner drei Tore gegen Heidenheim bleibt Dynamos neuer Liebling auf dem Teppich. Foto: Robert Michael
Moussa Koné breitet beim Jubel die Arme aus, als wolle er abheben. Doch trotz seiner drei Tore gegen Heidenheim bleibt Dynamos neuer Liebling auf dem Teppich. Foto: Robert Michael

© Robert Michael

Als Überflieger würde sich Moussa Koné selbst nie bezeichnen, und der Trainer vermutlich ähnlich reagieren wie auf die Frage, ob er in der Tabelle noch nach oben schielt: „Gleich gibt’s was auf die Nase“, sagt Uwe Neuhaus und lacht. „Dann fangen Sie auch an zu schielen.“ In der Fußballwelt schlägt das Stimmungsbarometer schnell mal etwas weiter aus – erst recht in Dresden. Aber bei Koné lässt sich das gar nicht vermeiden.

Dieser junge Bursche, der im Januar vom FC Zürich in der Schweiz nach Dresden kam, ist bereits so etwas wie die sportliche Lebensversicherung für Dynamo. Mit seinem Dreierpack gegen Heidenheim hat der 21 Jahre alte Senegalese seine Trefferquote auf fünf Tore in sechs Spielen geschraubt. Das ist mehr als beachtlich für einen, der eigentlich nicht als Soforthilfe verpflichtet, sondern für die Zukunft geholt worden war. „Je schneller uns Moussa hilft, desto besser“, hatte Sportdirektor Ralf Minge gesagt und erklärt: „Aber der Transfer kam nicht aus der Not heraus, sondern war lange geplant und ist eher ein Vorgriff auf die nächste Saison. Der Junge bekommt von uns die Zeit, die er braucht, um sich in Ruhe weiterzuentwickeln.“

Doch Koné braucht keine Eingewöhnungszeit, es scheint vielmehr, als sei er schon eine Ewigkeit dabei. „In der Mannschaft war es noch nie ein Problem, einen neuen Spieler zu integrieren“, meint Neuhaus. „Und Moussa hat von sich aus auch alles dafür getan. Er war vom ersten Tag an offen, ist sowieso ein lebensfroher Mensch und hat eine positive Ausstrahlung.“ So lächelt Koné auch die Sprachbarriere weg. In Dresden habe er am Anfang mit einigen Worten Probleme gehabt, hat er jetzt dem Fachmagazin Kicker erzählt und gesagt: „Der Unterschied zwischen Schweizerdeutsch und Sächsisch ist groß.“

Zweimal in der Woche geht er zum Unterricht, er versteht schon einiges, traut sich aber noch nicht, Deutsch zu sprechen. Wobei sich Neuhaus die Zurückhaltung von Koné im Interview nach dem Spiel so erklärt: „Vielleicht hat er aufgrund seines Alters noch ein bisschen Scheu, vor der großen Medienwelt zu stehen. Wahrscheinlich bewegt er sich im Mannschaftskreis anders als in der Öffentlichkeit.“

Anders heißt in dem Fall lockerer, auch wenn Neuhaus betont: „Er ist ein wohlerzogener, korrekter Mensch.“ Seine Art ist jedoch nur ein Grund, warum der Winter-Neuzugang sofort funktioniert. Der andere und sicher entscheidendere ist seine fußballerische Klasse, auch wenn beides natürlich irgendwie zusammengehört. Wichtiger als seine Dribblings seien ihm die klaren Aktionen für die Mannschaft, sagt er – und fügt hinzu: „Ich bin kein Neymar.“ Dabei hatte sein Hackenkick-Tor zum 1:0 gegen Heidenheim etwas von brasilianischer Ballzauberei.

„Die Mannschaft konnte schnell feststellen, welche Qualitäten er hat“, sagt Neuhaus. Für Koné hat der Trainer sogar das System umgestellt, nicht, weil er musste, sondern es nun konnte. „Er ist ein anderer Spielertyp, hat Laufwege, die wir vorher nicht hatten, die aber enorm wichtig für uns sein können.“ Seine Schnelligkeit ist seine größte Stärke, aber sie wäre weniger wert, wenn er nicht auch das Durchsetzungsvermögen hätte. Wie er vor seinem zweiten Tor den Ball gegen Heidenheims 15 Zentimer größeren Verteidiger Kevin Kraus behauptete – beeindruckend.

Der Sturmpartner ist dankbar

Genauso wichtig war die Vorarbeit von Lucas Röser, der das Kopfballduell gewann und den Ball so zu Koné weiterleitete. Dynamos neue Doppelspitze harmoniert, als würden sie ewig zusammenspielen. „Es ist natürlich super, dass es so gut funktioniert“, meint Röser. „Wir hatten ja nicht viel Zeit, es einzuüben, aber es hat von Anfang an geklappt.“ Der Sturmpartner ist dankbar für die Option, den Ball mal nicht festmachen zu müssen, wie es in der Fußballersprache heißt, sondern ihn ablegen zu können. „Moussa kommt mit seiner Spritzigkeit immer vor den Gegenspieler. Das tut uns extrem gut“, sagt Röser.

Der Blitzstart von Koné bei Dynamo ist umso bemerkenswerter, wenn man ihn mit zwei anderen Angreifern vergleicht. Eero Markkanen war schon wieder weg, bevor er ankam. Während es bei dem Finnen wohl eine Charakterfrage war, fällt Peniel Mlapa die Einstellung auf das laufintensive Spiel schwerer als gedacht. Deshalb hat der Togoer trotz seiner vier Treffer den Startelfplatz an Röser verloren.

Koné ist dagegen von null auf hundert durchgestartet – zumindest auf exakt 35,14 Kilometer pro Stunde. So schnell war er beim Auswärtsspiel in Fürth unterwegs. Sein Wechsel nach Dresden, zieht Koné im Kicker ein erstes Zwischenfazit, sei für ihn der richtige Schritt gewesen. Der Verein biete ihm große Entwicklungsmöglichkeiten. „Es wurde mir sehr leicht gemacht, mich zu integrieren. Ich fühle mich wohl.“

Es sei schön gewesen, mit den Fans den Sieg zu feiern, sagt er, aber: „Das ist schon vorbei, ich konzentriere mich aufs nächste Spiel.“ Drei Tore wird auch er nicht jede Woche schießen, aber die Investition von geschätzten 1,2 Millionen Euro beginnt sich für Dynamo bereits auszuzahlen. Über die Vertragslaufzeit von viereinhalb Jahren diskutiert sowieso längst keiner mehr, und wenn, dann nur mit der bangen Frage, ob Koné denn wirklich so lange bleibt.

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