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Donnerstag, 08.11.2018

Der Turm, der Dresden bewegt

An dem 1969 eröffneten und seit 1991 gesperrten Bau hängen für die Dresdner viele Erinnerungen.

Von Andreas Weller

Seit 1991 ist der Fernsehturm in Wachwitz geschlossen.
Seit 1991 ist der Fernsehturm in Wachwitz geschlossen.

© Robert Michael

Der Fernsehturm in Wachwitz bewegt die Dresdner. An dem 1969 eröffneten und seit 1991 gesperrten Bau hängen viele Erinnerungen – vor allem am einst beliebten Turm-Café. Kaffeetrinken in 148 Metern Höhe und mit toller Aussicht, dafür setzt sich seit Jahren der Verein Fernsehturm Dresden ein, der die Wiedereröffnung fordert und noch größere Pläne hat.

Spätestens seit 2014 wird das Thema heiß diskutiert. Damals hatte der Verein eine Petition mit 12 000 Unterschriften Dirk Hilbert (FDP) übergeben, der damals nur Vertreter der Oberbürgermeisterin war. In seinem Wahlkampf um das Amt erklärte Hilbert, die Stadt werde eine Vorlage zur Sanierung einbringen. Den Kontakt mit dem Eigentümer habe er bereits aufgenommen. Als das nicht wurde, erwirkte der Verein, dass Stadt Land und Eigentümer – die Telekom-Tochter Deutsche Funkturm – eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Das Ergebnis wurde im Juni 2017 vorgelegt. Das 90 000 Euro teure Gutachten besagt, dass keine der vorgeschlagenen Varianten von den Experten „uneingeschränkt empfohlen“ wird. Risiken haften an allen.

Die vom Verein favorisierte Variante mit Seilbahn und Televersum, eine Art Wissenschaftspark, scheidet laut den Gutachtern komplett aus. Der Eingriff in Landschaft und Natur wäre nicht genehmigungsfähig. Diese Lösung hätte laut Gutachten 61,5 Millionen Euro gekostet, nach den neuesten Erkenntnissen aber wohl noch viel mehr. Dennoch ist dies die Variante, die der Verein am liebsten hätte. Ohne Televersum, aber mit Seilbahn, würde laut Machbarkeitsstudie 30,4 Millionen Euro kosten. Auch diese Variante halten die Gutachter für nicht genehmigungsfähig.

Die geringsten Einwände hatten die Gutachter noch bei der einfachen Sanierung des Turms, mit einem Café, entweder im Turm oder im Fuß des Turms. Dafür wird allerdings eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung benötigt. 2017 waren sie von 15,5 Millionen Euro dafür ausgegangen. Die Summe liegt nun, nach erneuten Untersuchungen allerdings bei 25,6 Millionen Euro. Laut Machbarkeitsstudie lägen hierfür die jährlichen Kosten für Unterhalt, betrieb und Personal bei rund 1,66 Millionen Euro. Um diese zu erwirtschaften, müsste die Fahrt in den Turm bei 7,20 Euro pro Person liegen, wenn 230 000 Besucher pro Jahr kommen.

Nach der Veröffentlichung der Studie diskutierten Dresdens Politiker heftig über das Thema. Einige sprachen sich uneingeschränkt für die Sanierung aus. Andere sahen die Prioritäten der Stadt eher im Schul- und Kitaplatzbau. Später waren sich aber alle Fraktionen einig, dass das Projekt ernsthaft diskutiert wird. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hat eine Lenkungsgruppe dafür eingesetzt. Ein Problem sind die Eigentumsverhältnisse: Der Turm gehört der Deutschen Funkturm und diese hat nicht die Absicht, ihn auf eigene Kosten zu sanieren. Zwischenzeitlich hieß es sogar, die Telekom-Tochter wolle den Turm verkaufen. Das letzte Signal zum Thema war, dass im Haushaltsplan der Stadt für 2019/2020 die Verwaltungsspitze kein Geld für den Turm eingeplant hat. OB Hilbert erklärt das so: Aktuell müsse die Steuerungsgruppe diskutieren, ob und wenn ja, in welcher Variante der Turm saniert wird. „Bevor dort Geld investiert wird, sind wir aus dem Haushalt 2019/2020 raus.“

Das könnte sich nun ändern. Wenn die Gelder vom Bund sicher sind und sich auch das Land beteiligt, müsste Dresden eine vergleichsweise geringe Summe aufbringen, um den Turm sanieren zu können. Nun wird wohl neu diskutiert. Um sofort Geld bereitzustellen, müsste aber der Stadtrat einen entsprechenden Antrag stellen. Der Haushalt soll am 22. November beschlossen werden. Unklar ist damit aber noch, wer das Turm-Café betreiben soll und ob sich dieses rechnen kann. Ein dauerhaftes Zuschussgeschäft wolle keiner. Die Gutachter sagen allerdings, dass ein wirtschaftlicher Betrieb des Turms „nicht möglich scheint“. Außerdem verweisen sie darauf, dass Zusatzkosten anfallen, um das Straßennetz im Umfeld zu erneuern, eine Busverbindung zum Turm einzurichten und für mögliche Ausgleichsmaßnahmen.

Nun muss der Eigentümer eine Planung für die Sanierung machen und die Fördermittel von Bund, Stadt und Land beantragen. Danach benötigt er eine Baugenehmigung. Ergeben die Prüfungen des Antrags, dass die Bedenken der Gutachter ausgeräumt werden können, kann der Turm saniert werden. Wann das sein wird, ist allerdings unklar.

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