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Samstag, 11.08.2018

Der Tag danach

Nach dem ersten Forum zur Wahl des Oberbürgermeisters finden die Kandidaten lobende Worte für das Format und äußern auch Kritik am Gegner.

Den Fragen der Bürger stellten sich beim ersten Wahlforum am Donnerstag (von links): Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos), Martin Bahrmann (FDP), Joachim Keiler (AfD), Frank Richter und Heiko Lorenz (SVP).
Den Fragen der Bürger stellten sich beim ersten Wahlforum am Donnerstag (von links): Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos), Martin Bahrmann (FDP), Joachim Keiler (AfD), Frank Richter und Heiko Lorenz (SVP).

© Claudia Hübschmann

Meißen. In einem sind sich wohl alle Kandidaten einig: Das erste Wahlforum, das am Donnerstagabend im historischen Ratssaal stattfand, war ein voller Erfolg. „Ich fand es eine richtig gute Veranstaltung, weil alle Interessierten die Möglichkeit hatten, die Kandidaten zu hören“, sagte Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) am Freitag gegenüber der Sächsischen Zeitung. „Auch wir untereinander kannten uns ja noch nicht, so war es auch gut für uns, die Mitbewerber zu hören und zu sehen. Das ist gelebte Demokratie!“

Diese Statements der Kandidaten bleiben im Kopf

Die gute Beteiligung der Meißner habe belegt, dass es ein großes Interesse an diesem Wahlvorgang gebe, ergänzte Frank Richter. Weit über 300 Bürger waren zur Veranstaltung im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ gekommen und durften den fünf Kandidaten ihre Fragen stellen. Dass wirklich alle Bewerber zu Wort gekommen sind, lobte Kandidat Martin Bahrmann (FDP), kritisierte aber gleichzeitig, dass sich anders als er, nicht alle an die Zeitvorgabe von drei Minuten in der Vorstellungsrunde gehalten hätten. Auch bei Joachim Keiler (AfD) hat die Veranstaltung einen positiven Eindruck hinterlassen, „auch von der Stimmung her“. Heiko Lorenz von der Sächsischen Volkspartei war am Freitag für die Sächsische Zeitung nicht zu erreichen gewesen.

Dafür betonte Frank Richter, der für die Bürgerinitiative „Meißen kann mehr“ ins Rennen geht, dass das Forum „bis auf wenige Äußerungen aus dem Publikum ausgesprochen sachlich und fair abgelaufen“ sei. „Inhaltlich gesehen würde ich sagen, die Meißner Bürger stehen vor einer Richtungsentscheidung und die Richtungen sind in einer groben Hinsicht gestern sehr deutlich geworden.“ Was er bei den anderen Kandidaten vermisst habe, sei „die visionäre Kraft, die sich über das unmittelbar faktisch Gegebene hinwegsetzen kann“.

Martin Bahrmann wurde bei seiner Kritik konkreter: „Der OB hat sehr viel von Erfolgen aus der Vergangenheit erzählt und weniger davon, was er in der Zukunft machen will.“ Ein einfaches „Weiter so“ dürfe es in der Stadt aber nicht geben. Der Oberbürgermeister selbst wollte sich am Tag nach dem Forum nicht kritisch zu seinen Kontrahenten äußern: „Das steht mir nicht zu. Das beurteilt am Ende der Bürger.“ Aber jeder Kandidat müsse zu seinen Aussagen stehen und damit rechnen, dass sie überprüft würden.

Joachim Keiler wusste dagegen über jeden Kandidaten etwas zu sagen. „Herr Raschke als Amtsinhaber hat natürlich mit ins Detail gehenden Schilderungen aus seiner letzten siebenjährigen Amtszeit ein Resümee gezogen, das hat mich nicht überrascht.“ Die FDP habe erwartungsgemäß Digitalisierung und Zukunft thematisiert, Heiko Lorenz sei „ein gestandener Unternehmer aus der Gegend“. Und Frank Richter bezeichnete Keiler als „sehr ideologiegetrieben und weniger an der Realität mit seinen Aussagen“. Als Beispiele nannte er das Thema Verantwortung für Landesstraßen, um das es beim Forum im Rahmen des Plossenausbaus gegangen war.

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Auch Martin Bahrmann sprach das Thema am Freitag gegenüber der SZ an. „Es ist mitnichten so, dass das Verkehrsministerium sagt, wenn ihr nur genug protestiert, passiert was. Es gibt viele Fälle in Sachsen, wo sich Bürger beschwert haben und trotzdem gebaut wurde.“

Frank Richter verteidigte sich und sein Wahlplakat, auf dem er fordert, 40-Tonner aus der Stadt zu verbannen. Das Plakat sei natürlich eine Zuspitzung, die konkrete Formulierung finde sich in seinen Wahlthesen. „Da kann man nachlesen, dass sich diese Forderung auf den Plossenaufstieg, die Wilsdruffer Straße, den Neumarkt und die Poststraße begrenzt.“ Das sei eine Bekräftigung dessen, was der Meißner Stadtrat selbst schon mit Bezug auf 20 Tonnen gefordert habe, was aber bis heute nicht umgesetzt worden sei. Zur Machbarkeit sagte Richter: „Wo ein politischer Mehrheitswille ist, ist auch ein rechtlicher Weg.“

Eine Idee für das nächste Forum am 23. August, die von Bürgern an ihn herangetragen worden sei, gab Martin Bahrmann mit auf den Weg: die Diskussion dann auch im Livestream zu übertragen.

Die nächsten Termine mit den Kandidaten: 15.8.: Seniorenvertretung, 23.8.: 2. Wahlforum des Kulturvereins, 29.8.: Jugendstadtrat

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