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Montag, 11.06.2018

Der See bleibt ein Abenteuer

Manches Vorhaben verzögert sich am Berzdorfer See. Oder wird teurer. Aber vieles wird am Ende auch gut.

Von Sebastian Beutler

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Auch der Anleger „Fernblick“ am Görlitzer Nordstrand soll so umgebaut werden, dass viele Schiffstypen ihn nutzen können.
Auch der Anleger „Fernblick“ am Görlitzer Nordstrand soll so umgebaut werden, dass viele Schiffstypen ihn nutzen können.

© Sebastian Beutler

So schlängelt sich die neue Straße zum Görlitzer Nordstrand durch die Natur.
So schlängelt sich die neue Straße zum Görlitzer Nordstrand durch die Natur.

© Sebastian Beutler

Die neuen Fingerstege. Seit sie installiert sind, gibt es Kritik der Segler.
Die neuen Fingerstege. Seit sie installiert sind, gibt es Kritik der Segler.

© Sebastian Beutler

Unbekannte haben dieses Tor herausgerissen und in den See geworfen.
Unbekannte haben dieses Tor herausgerissen und in den See geworfen.

© Sebastian Beutler

Görlitz. Wer immer sich an dem Tor zu schaffen gemacht hat, Kraft muss er gehabt haben. Vor ein paar Tagen nämlich lag das Tor für einen der beiden Bootsstege am Tauchritzer Hafen einfach im Wasser. Nun kann der Steg von Fremden begangen werden, noch hat Kommwohnen als Hafenbetreiber kein neues installiert. Die eigentliche Bootsanlegeseite aber ist von diesem Vorfall nicht betroffen. Doch mehr Boote als im vergangenen Jahr liegen zurzeit dort auch nicht. Mal sind es 34, mal sind es ein oder zwei Boote mehr oder weniger. Insgesamt hat Kommwohnen nach eigenen Angaben 54 Verträge für Dauerliegeplätze im Hafen versandt, allerdings sind noch nicht alle unterschrieben zurückgeschickt worden. „Manches ist nicht so gelaufen wie geplant und erwartet, was ärgerlich ist. Das werden wir jetzt nach und nach ändern“, räumt Kommwohnen-Geschäftsführer Arne Myckert ein. „Unsere Vorlaufzeit für die Hafenbetreibung war äußerst kurz.“ Das erklärte er auch vor dem Stadtrat jüngst. Zugleich lehnte er als Hafenbetreiber eine Verantwortung für Bootseigner beim Segeln ab. Da der Berzdorfer See noch immer in LMBV-Eigentum und damit kein öffentliches Gewässer ist und darüber hinaus keine Schiffbarkeitserklärung vorliegt, segelt jeder auf eigene Gefahr, heißt es von Kommwohnen. „Das Vorhalten eines Seenotrettungsdiensts würde die Liegeplatzgebühren für Bootseigner exorbitant in die Höhe schnellen lassen“, sagt Myckert.

Fingerstege im Hafen: Zu wenig Platz für zwei Boote nebeneinander

Die Segler treiben aber auch andere Fragen um. Beispielsweise die Fingerstege. Die sind neu installiert worden. Auf Kosten des Steuerzahlers über Bergbaufolgegelder. Doch die Abstände sind so gering, dass kaum zwei Boote in einer Koje anlegen können. Die LMBV, die die Fingerstege installieren ließ, will sich die Lage nochmals anschauen. Ein Sprecher erklärte vor dem Planungsverband jetzt, zwar seien die Fingerstege Konfektionsware wie sie überall eingesetzt werde, aber die Abstände ließen sich sicher noch verändern. Schwieriger ist allerdings die Windanfälligkeit für die Boote, selbst im Hafen. Bei viel Westwind halten die Fingerstege dem Druck der an ihnen festgemachten Boote nicht Stand und verbiegen sich, heißt es von den Seglern. Deswegen überbrachte Bootsfahrer und Stadtrat Wolfgang Freudenberg (Bürger für Görlitz) den Wunsch der Segler nach Wellenbrechern an der Hafeneinfahrt dem Planungsverband. Der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege sicherte zu, das Vorhaben über Bergbaufolgegelder finanziell absichern zu wollen.

Bergbaufolgegelder: Steuermittel für einen zusätzlichen Segelstützpunkt

Die sogenannten Paragraf-4-Gelder haben den Vorteil für die Kommunen, dass 90 Prozent der Kosten darüber bezahlt werden. Nur zehn Prozent müssen die Gemeinden aufbringen. Vier weitere städtische Vorhaben sollen auf diese Weise in der Zukunft finanziert werden. Dabei handelt es sich um einen Sport-Stützpunkt in Deutsch Ossig, um die Ver- und Entsorgung des Hafens Tauchritz und um die Kennzeichnung für die Einfahrt in den Hafen. Aber auch ein Vereinssegelstützpunkt am Hafen Tauchritz gehört zu den Projekten. Wenn er einmal fertig ist, sollen die Segler von der Blauen Lagune dann dorthin umziehen. Spätestens 2021. So hatten es Görlitz und Schönau-Berzdorf in einer turbulenten Sitzung des Verbandes einmal vereinbart. Der jetzige Vereinssegelstützpunkt in der Blauen Lagune, in den sogar EU-Gelder geflossen sind, soll dann als Campingplatz genutzt werden. Allerdings: Die Segler wollen gar nicht weg von der Blauen Lagune, und eigentlich sieht außer Görlitz und Kommwohnen-Chef Arne Myckert auch niemand die Notwendigkeit, auf Steuergelders Kosten einen weiteren Vereinssegelstützpunkt am Berzdorfer See aufzubauen. Zumal die Begrenzung auf 40 Jollen in der Blauen Lagune eine politische ist. Es wäre wohl Platz für weitere 40 Boote.

Straße zum Nordstrand: Sie soll im Herbst tatsächlich fertig sein

Doch auch in diesem Jahr werden über Paragraf-4-Gelder Projekte am See verwirklicht. Dazu zählt die Straße von der Paul-Mühsam-Straße zum Nordstrand. Noch schlängelt sich nur ein staubbraunes Band die Böschung entlang. Selbst der LMBV-Sprecher räumte vor dem Planungsverband ein, es sei bislang nicht viel zu sehen. Doch zunächst mussten die Versorgungsleitungen verlegt werden. Jetzt käme der eigentliche Straßenbau dran. Ziel bleibe weiterhin, bis zum Herbst die rund 1,2 Kilometer lange Straße fertigzubauen. Sie hätte dann ein Jahr Verspätung zu den ursprünglichen Planungen. Im Verzug ist auch der Ausbau der vier Schiffsanlegestellen am Berzdorfer See. Sie waren einst nach einem bestimmten Schiffsstandard von der LMBV für 800 000 Euro errichtet worden. Der Abstand zwischen den Plattformen und der Wasserfläche ist aber so hoch, dass Jollen nicht anlegen und selbst Ausflugsdampfer nicht so ohne weiteres die Anlegestellen anfahren können. Deswegen sollen die vier Anleger nun über Fördermittel des Wirtschaftsministeriums für die touristische Infrastruktur nochmals umgebaut werden. Die Kostenschätzungen beliefen sich auf 890 000 Euro, Schönaus Bürgermeister Christian Hänel geht aber von höheren Ausgaben mittlerweile aus. Doch noch liegen nicht alle Genehmigungen für den Umbau vor, erst dann können die Fördermittel bereitgestellt werden und die Ausschreibungen rausgehen, sagte er dieser Tage. Er hofft, dass im Frühjahr nächsten Jahres ein Ausflugsdampfer erstmals an den umgebauten Anlegern festmachen kann.

Schiffahrtsgenehmigung: Sie liegt frühestens Ende des Jahres vor

Selbst wenn die Anleger schon fertiggestellt wären. Gegenwärtig gebe es gar keine Möglichkeit, so einen Ausflugsdampfer auf dem See fahren zu lassen. Denn das soll erst die so genannte Schiffbarkeitserklärung regeln. Sie wird von der Landesdirektion Sachsen erlassen. Und weil sie mehrere Jahre gelten wird, nimmt man es dabei ganz genau. So wurde ein Immissionsschutzgutachten eingeholt, es liegt seit Mitte Oktober vergangenen Jahres der Behörde vor. Das Artenschutzgutachten hingegen wird erst dieser Tage fertiggestellt. Anschließend werden die Beteiligten angeschrieben und um ihre Stellungnahmen gebeten. Schließlich geht es um solche grundsätzlichen Fragen: Sollen auf dem hellhörigen See Motorboote freigegeben werden und wenn ja bis zu welcher Stärke? Oder reicht es auch aus, ausschließlich Boote mit Elektromotoren zuzulassen und so den „stillen See“ des Tourismusentwicklers Johann-Friedrich Engel doch noch zu verwirklichen? Auch ist zu klären, ob Kite-Surfen künftig möglich ist. Nachdem diese Sportart am Bärwalder See erlaubt ist, hat der Berzdorfer See einen Nachteil zur nahen Konkurrenz. Und schließlich bleibt als Streitpunkt, ob die Naturschutzzonen am Westufer ausgedehnt werden oder so bleiben, wie sie sind.

Der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege geht davon aus, dass im Dezember die Schiffbarkeitserklärung vorliegt. Die Landesdirektion hatte Ende vergangenen Jahres gegenüber der SZ davon gesprochen, dass das „Verfahren am Berzdorfer See frühestens im Jahr 2018 zum Abschluss kommen“ kann.

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