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Dienstag, 10.07.2018

Der Schwan von der Autobahn schwimmt wieder

Das Tier scheint sich von seinem gefährlichen Ausflug erholt zu haben. Fragen nach dem Umgang mit verletzten Wildtieren aber bleiben.

Von Jana Ulbrich und Rico Löb

Schwanenrettung auf der Autobahn

Der Schwan macht wieder einen munteren Eindruck. Nach seinem Ausflug auf die Autobahn schwimmt er wieder auf seinem Teich bei Rammenau. Wie nahe die A4 hier ist, sieht man an den Leitplanken am oberen Bildrand.
Der Schwan macht wieder einen munteren Eindruck. Nach seinem Ausflug auf die Autobahn schwimmt er wieder auf seinem Teich bei Rammenau. Wie nahe die A 4 hier ist, sieht man an den Leitplanken am oberen Bildrand.

© xcitepress/Rico Löb

Ohorn / Burkau. Zwar sieht er noch ein bisschen mitgenommen aus, aber offensichtlich hat er sich von seinem gefährlichen Wochenendausflug schon wieder ganz gut erholt: „Es fehlen zwar ein paar Federn, aber er macht einen munteren Eindruck und verhält sich auch normal: frisst, taucht und faucht“, so hat es eine Anwohnerin beobachtet. Der Höckerschwan, der am Freitagabend für so viel Aufregung gesorgt hatte, schwimmt wieder auf seinem Teich, als wäre nichts gewesen.

Schwanenrettung auf der Autobahn

Dabei hat das Tier eine wahre Odyssee hinter sich: Am späten Freitagnachmittag verirrt sich der Schwan zwischen Ohorn und Burkau auf die Autobahn. Kameraden der freiwilligen Feuerwehren aus Ohorn und Pulsnitz rücken an, sperren die rechte Fahrbahn und den Standstreifen und versuchen, das aufgeregte und fauchende Tier wieder einzufangen. Als das nach einer halben Stunde schließlich gelingt, wollen sie den Schwan ins Tierheim oder zu einem Tierarzt bringen. Doch das klappt nicht. Auch die Naturschutzstation in Neschwitz kann den Schwan nicht aufnehmen. „Nicht, weil wir nicht wollen, sondern weil wir zuerst einmal gar nicht dürfen“, erklärt Geschäftsführerin Angelika Schröter. Und das liegt am Sächsischen Jagdgesetz.

Das Gesetz regelt seit 2005, dass alle jagbaren Wildtiere zuerst einmal dem zuständigen Jagdpächter gehören. Auch Schwäne und Greifvögel fallen darunter. „Wir sind nicht glücklich mit dieser Lösung“, sagt Angelika Schröter. Zu den Aufgaben der Naturschutzstation gehört es, verletzte oder geschwächt aufgefundene Vögel zu versorgen und so lange zu pflegen, bis sie wieder in die Freiheit entlassen werden können. Ein Dutzend verletzte Singvögel werden derzeit in den Vollieren aufgepäppelt. Ein Uhu und zwei Käuze bekommen hier ihr Gnadenbrot.

Aber spontan aufnehmen dürfen die Mitarbeiter eben nur Singvögel, Eulen und Störche – die Vogelarten, die nicht unter das Jagdgesetz fallen. Bei Schwänen und Greifvögeln ist das anders. „Es ist schwer, das den Leuten zu erklären, die zum Beispiel mit einem verletzten Habicht vor der Tür stehen“, sagt Angelika Schröter. „Abgewiesen aber wird niemand“, versichert die Geschäftsführerin. Wir nehmen die Tiere dann erst einmal auf eigene Kosten auf und versuchen, den zuständigen Jagdpächter zu finden. Das ist immer derjenige, in dessen Revier die Tiere aufgefunden werden. Auch ein toter Seeadler würde dem Jagdpächter gehören, auf dessen Gebiet er gefunden würde. Er könnte ihn präparieren lassen und ins Wohnzimmer stellen.

Der Jagdpächter muss auch angemessen entscheiden, was mit einem verletzten Tier aus seinem Revier geschieht, erklärt Peter Stange vom Landratsamt. Der Pächter hat das Recht, das Tier zu töten, es gesund zu pflegen und wieder in die Natur zu entlassen oder es in spezielle Einrichtungen zu geben. Nur wenn Gefahr im Verzug ist, kann auch ein Polizeibeamter ein Tier an Ort und Stelle töten. Im Fall des Höckerschwans haben die Feuerwehrkameraden nach etlichen Telefonaten selber entschieden und das verletzte Tier wieder an seinem Teich nahe der Autobahn ausgesetzt.