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Donnerstag, 12.07.2018

Der scheue Höhlen-Doktor

Von Willi Germund,SZ-Korrespondent in Thailand

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Richard Harris
Richard Harris

© dpa

Erste Bilder von einigen der befreiten Jungen zeigen sie winkend im Krankenhaus.Fotos: Department of Foreign Affairs/Thailand Government Spokesman Bureau
Erste Bilder von einigen der befreiten Jungen zeigen sie winkend im Krankenhaus.Fotos: Department of Foreign Affairs/Thailand Government Spokesman Bureau

© dpa

Nein, Glückwünsche will Richard Harris nicht annehmen an diesem Mittwochmorgen in einem Hotel der thailändischen Stadt Mae Sai nahe der Grenze zu Myanmar. Der Grund der Bescheidenheit: „Zur Hälfte gelang die Rettung aus purem Glück.“ Der breitschultrige Mediziner war erst Ende der vergangenen Woche aus Australien zu den anderen Rettern gestoßen – auf Wunsch der beiden britischen Taucher, die die Jugendgruppe entdeckt hatten. Harris überlegte nicht lange, bestand aber auf die Begleitung durch seinen Tauchpartner Craig Challen. Nichts ist in der pechschwarzen Dunkelheit von Höhlen im undurchsichtigen Wasser so wichtig wie ein Tauchpartner, auf den blinder Verlass ist.

Täglich legte der Anästhesist aus Adelaide zuletzt den gefährlichen, vier Kilometer langen unterirdischen Weg zurück, um den Gesundheitszustand der zwölf jungen Fußballer und ihres Trainers zu untersuchen, die seit dem 23. Juni in der Höhle im Norden Thailands gefangen waren. Seine 30-jährige Erfahrung im Höhlentauchen machte das möglich. Die Behörden bezeichneten den Beitrag des Spezialisten als „unentbehrlich“ für die Rettungsaktion.

Harris entschied, welche Jungen zuerst evakuiert werden sollten. So schickte er als Erstes die vier Ältesten im Alter von 14 bis 16 Jahren hinaus, denen es am schlechtesten ging. Wie richtig die Entscheidung war, zeigte sich am letzten Tag der Rettung. Drei der zuletzt geretteten Jungen im Alter von elf bis 13 Jahren verließen die Höhle so, wie sie hereingekommen waren: Sie krabbelten über das Gestein zum Eingang und marschierten auf eigenen Füßen aus der Höhle heraus zu den wartenden Sanitätern.

Glück und Trauer nah beieinander

Das glückliche Ende hat für Harris auch etwas Tragisches. Als er am Dienstagabend als einer der Letzten aus der Höhle kam, erreichte ihn inmitten des ganzen Jubels eine Hiobsbotschaft: Sein Vater ist tot. Harris werde jetzt heimreisen und eine „wohlverdiente Auszeit“ bei seiner Familie bekommen, sagte der Chef des Südaustralischen Rettungsdienstes. Der australische Regierungschef Malcolm Turnbull lobte den Mut der australischen und aller übrigen Rettungskräfte. „Es ist eine der heldenhaftesten und beeindruckendsten Ereignisse unserer Zeit“, sagte er. Arzt Harris habe so eine bedeutende Rolle dabei gespielt – „das ist wirklich eine Inspiration“. Auf die Frage, warum die kleinen Fußballer von Moo Pa (Wildschweine) in Wirklichkeit richtiggehende Glücksschweine sind, erklärte Harris: Die mit Wasser gefüllten Höhlengänge hätten die Suche nach den Vermissten erschwert. Danach schienen die Helfer einen aussichtslosen Kampf gegen steigendes Wasser zu führen. Denn der Regen in den Bergen rund um die Höhle versickerte immer mehr im Gestein und sammelte sich in der Tham Luang Höhle.

Die Aktion hätte auch grundlegend schiefgehen können: Für die Mission war es erforderlich, große Mengen Wasser aus der Höhle zu pumpen, um den Wasserspiegel zu senken. Kurz nach der Rettung des Trainers versagte die Haupt-Wasserpumpe, woraufhin der Pegel rasch stieg. Zu diesem Zeitpunkt waren Taucher und Rettungsarbeiter noch mit dem Einsammeln von Gerät beschäftigt. Die verbliebenen 100 Arbeiter in der Höhle rannten in wilder Flucht zum Ausgang, berichtete die britische Zeitung The Guardian.

Am Mittwoch gab es auch erste Informationen zum Gesundheitszustand der Geretteten. Amtsarzt Thongchai Lertvilairattanapong lobte den „sehr guten mentalen Zustand.“ Das sei wahrscheinlich deshalb, weil sie die ganze Zeit gemeinsam als ein Team verbrachten, wo einer dem anderen hilft“, sagte Thongchai. Und weiter: „Alle von ihnen sind bei guter körperlicher Gesundheit, ohne irgendein Fieber oder schwere Infektionen. Nur drei von ihnen haben leichte Lungenentzündungen.“ Alle 13 würden bis zu einer Woche im Krankenhaus bleiben, um ihre weitere Behandlung sicherzustellen. Deshalb können die Nachwuchsfußballer auch nicht zum WM-Finale am Sonntag nach Moskau reisen, zu dem sie Fifa-Präsident Gianni Infantino eingeladen hatte. (mit dpa)

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