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Mittwoch, 12.09.2018

Der Pilz-Champion

Reiner Jurentschk erntet auf einer Wiese in See jeden zweiten Tag 50-60 Champignons. Auf seinem Grundstück ist ein Hexenkreis entstanden.

Von Carla Mattern

Reiner Jurentschk aus See hat in den vergangenen Tagen bis zu 60 Champignons auf der Wiese am Haus geerntet. Dafür hat er aber auch täglich an trockenen Tagen die Stelle gegossen, wo die Pilze wachsen.
Reiner Jurentschk aus See hat in den vergangenen Tagen bis zu 60 Champignons auf der Wiese am Haus geerntet. Dafür hat er aber auch täglich an trockenen Tagen die Stelle gegossen, wo die Pilze wachsen.

© André Schulze

Niesky. Aller zwei Tage geht Reiner Jurentschk Pilze ernten. Nicht suchen, ernten. Der Weg dahin ist super kurz. Denn auf einer Wiese am Haus in See wachsen Champignons. So viele, dass der 68-Jährige es gar nicht schafft, alle auf einmal zu verbrauchen. „Bis zu 60 Champignons habe ich an einem Tag geerntet“, erzählt Reiner Jurentschk. Jeden Tag lohne es sich, auf der Wiese nachzuschauen und wieder zu sammeln. Weil es so viele Pilze gibt, wechselt er sich beim Ernten mit seinem Vermieter Heinz Wolf ab. „Einen Tag gehe ich, den anderen Tag der Hausherr, berichtet Reiner Jurentschk.

Doch nicht nur die Menge an Pilzen ist in diesem Jahr etwas Besonderes. Die Champignons wachsen in einem Kreis. Der Durchmesser sei etwa vier bis fünf Meter, so der Mann aus See. Er hat sich extra Bernhard Saß aus Mücka eingeladen. Der ist Pilzsachverständiger und hat sich das angesehen. Es sei ein sogenannter Hexenkreis. Dabei entsteht die ringförmige Gestalt, weil das unterirdische Pilzgeflecht, auch Myzel genannt, von einem zentralen Punkt aus nach außen wächst und so eine immer größere Fläche bedeckt. An den Enden wachsen die Fruchtkörper, die eigentlichen Pilze, aus dem Boden. Sie tragen die Sporen, über die sich das Pilzgeflecht vermehrt. Im Innern des Kreises stirbt das Myzel ab, sobald die verwertbare organische Substanz im Boden zersetzt ist. Es gibt verschiedene Pilzarten, die Hexenringe ausbilden können. Viele Hobbygärtner, die Wert legen auf einen gepflegten Rasen, sind nicht erfreut, wenn bei ihnen solch ein Hexenkreis wächst und bekämpfen das Pilzgeflecht, indem sie es zerstechen oder die betreffende Stelle vertikutieren.

Nicht so in See. Hier werden die Champignons gerne geerntet und auch gegessen. Reiner Jurentschk bereitet sie meist selbst zu, und zwar ganz klassisch. Er brät die Pilze mit Zwiebel. Weil sie zu zweit gar nicht alles essen können, frostet er Portionen küchenfertig ein. Wenn es nicht so trockene Sommer wie diesen gibt, sammelt der 68-Jährige auch in den Wäldern um See auch Rotkappen, Maronen, Steinpilze.

Ob überhaupt Pilze in den Wäldern wachsen, darum geht es übrigens am Sonntag bei einer geführten Wanderung ab 14 Uhr in Rietschen. Pilzberater Uwe Bartholomäus aus Hähnichen lädt Interessierte ein, sich mit ihm an der Touristeninformation der Erlichthofsiedlung zu treffen und dann gemeinsam nach Pilzen Ausschau zu halten. Natürlich werden die Pilze bestimmt, nicht nur essbare, teilt Marion Gierth vom Erlichthof mit.

Übrigens: Der Wiesen-Champignon wurde von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie zum Pilz des Jahres 2018 ernannt.

Pilzwanderung, 16.9., 14 Uhr, Touristeninformation Erlichthof Rietschen, Anmeldung/Infos:  035772 40235