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Freitag, 15.06.2018

Der Neue an der Orgel

Kantor Markus Mütze will dem Singen in Pulsnitz einen Schub geben. Derzeit wird außerdem die Orgel restauriert.

Von Reiner Hanke

Markus Mütze hat jetzt seine neue Aufgabe als Kantor in der evangelischen Kirchgemeinde Pulsnitz aufgenommen. Die Orgel in der Stadtkirche St. Nicolai wird derzeit saniert. Im September wird der Kantor dann an der Orgel zu erleben sein.
Markus Mütze hat jetzt seine neue Aufgabe als Kantor in der evangelischen Kirchgemeinde Pulsnitz aufgenommen. Die Orgel in der Stadtkirche St. Nicolai wird derzeit saniert. Im September wird der Kantor dann an der Orgel zu erleben sein.

© Matthias Schumann

Pulsnitz. Ein Organist zieht natürlich gern alle Register. Der neue Pulsnitzer Kantor Markus Mütze muss sich noch etwas gedulden, bis er das in Pulsnitz kann. Denn sein Arbeitsplatz, die Orgel in der Stadtkirche St. Nicolai, wird gerade restauriert. Der Blick ins leere Innenleben ist relativ frei. Die Pfeifen und unzählige weitere Bauteile haben die Orgelbauer fein säuberlich auf den Bänken der Empore verteilt, bis sie aufgearbeitet sind und wieder eingebaut werden können. Die ersten restaurierten Pfeifen haben die Fachleute inzwischen montiert.

Eigentlich sollte die Orgel schon Mitte Mai wieder erklingen. Nun wird es Anfang September. Wenn die Fachleute bei den Reparaturen tief in ein solches altes und gewaltiges Instrument eindringen, dann offenbaren sich oft Schäden, die nicht abzusehen waren. So summiert sich die Reparatur nun auf 81 000 Euro, 13 000 Euro mehr als geplant: „Das ist alles Handarbeit“, sagt der Kantor und erklärt ein Beispiel. Eine solche pneumatische Orgel werde mit Luft gesteuert. Bleiröhren und etwa 5 000 kleine Blasebälgchen aus Leder sorgen dafür, das diese Luft an der richtigen Stelle, den gewünschten Ton erzeugt. Allesamt waren brüchig geworden und müssen nun ersetzt werden. Auch der Holzwurm hat seinen Anteil. Der hatte sich in die großen Holzpfeifen für die tiefen Töne gebohrt. Er würde sich freuen, wenn die Pulsnitzer die Orgelsanierung auch mit einer Spende unterstützen würden. Er verspricht als Kantor mit Hand- und Fußarbeit, wieder etwas zurückzugeben.

Leise Töne auf der Miniaturorgel

So pflegt Markus Mütze derzeit eher die leisen Töne auf der Miniaturorgel im Altarraum mit fünf Registern. 40 besitzt die große Orgel. Er freue sich aber schon darauf, dort in die Tasten zu greifen und die Wucht des Klangs zu spüren. Denn er mag auch die lauten Töne, die den Raum füllen. Der Kantor schmunzelt und sagt: „Wenn die Kirchenbank vibriert und der Po wackelt, dann erlebt das Publikum die Erhabenheit und Tonfülle.“ 2 248 Pfeifen sorgen dafür. Die Orgel habe mehrere Umbauten erlebt. 1988 zu DDR-Zeiten sei noch einmal erweitert worden. Die ältesten Teile – das Gehäuse – stammen aus der Zeit um 1779.

Seit dem Vormonat ist Markus Mütze Kantor in Pulsnitz und das gleich mit einem musikalischen Großprogramm, mit den Gottesdiensten zum Stadtfest, zu Himmelfahrt, Pfingsten, mit Konfirmationen, Jubelkonfirmationen und einem Konzert: „Das war nicht leicht, wenn man neu ist.“ Er sei aber sehr herzlich in Pulsnitz aufgenommen und unterstützt worden: „Alle Türen standen offen, um meine vielen Fragen zu beantworten.“ Dazu kommt jetzt noch die Fête de la musique, die am Donnerstag, dem 21. Juni, Premiere in Pulsnitz feiert. Dann wird auch die Kirche und deren Vorplatz zur Bühne. Von 17 bis 22 Uhr werde musiziert. Dazu gibt’s belegte Brötchen, verspricht der Kantor.

Geboren ist der 35-Jährige in Riesa und musikalisch vorbelastet: Der Vater war Trompeter in einem Riesaer Orchester. Dort lernte er Markus Mützes Mutter kennen. Sie spielte dieser Zeit Saxofon. Da musste es schon in Richtung Musik gehen, wenn auch nicht mit Trompete oder Posaune, wie bei den Brüdern. Aber die Orgel ist ja auch ein Blasinstrument. Er sei mit Chorgesang groß geworden und habe sich zum Studium in Dresden an der Hochschule für Kirchenmusik entschieden. Die Gegend von Dresden und Umgebung möge er. So war Markus Mütze zuletzt als Kantor in Radeburg tätig. Bis sich jetzt die Chance ergab, nach Pulsnitz zu wechseln. Besser könne es sich gar nicht finden, sagt er. Seine Frau Juliane ist Kantorin in Großröhrsdorf. Dort leben die Eheleute mit ihren zwei Kindern seit vier Jahren. Und vielleicht ergeben sich ja auch musikalische Gemeinschaftsprojekte zwischen den beiden evangelischen Nachbargemeinden: „Das ist doch ein großer Glücksfall, für zwei Kantoren so eng beieinander zu arbeiten.“

Das Konzert zur Wiedereinweihung der sanierten Orgel ist für den 9. September, den Tag des offenen Denkmals, geplant: „Die Pulsnitzer Orgel ist ja auch ein Denkmal“, sagt der Kantor. So wurde sie immerhin als wertvolles Denkmal eingestuft, auch wenn sie mehrere Epochen des Orgelbaus in sich vereint. Sauber, von Pilzen und Holzwürmern befreit und klanglich abgestimmt sollte das Instrument wieder in Bestform sein. Die Gäste der Wiedereinweihung können an diesem Tag den Kirchturm besteigen, Kirchenführungen erleben und nach dem musikalischen Teil bei einer Orgelführung Details der Restaurierung erfahren. Der neue Kantor plant unterdessen noch mehr. Zum Pfefferkuchenmarkt lädt er einen Gospelchor aus Leipzig ein.

Außerdem möchte er dem Singen einen Schub geben und einen Kinderchor etablieren. Vielleicht lasse sich eine Zusammenarbeit mit der Grundschule aufbauen. Gegen Ende des Jahres plane er das erste Mitsingprojekt für das Adventskonzert. Wer es nicht regelmäßig in den Chor schaffe, der könne sich ausprobieren: „Und vielleicht weckt es ja beim einen oder anderen wieder die Lust am Musizieren“, wünscht sich der Kantor. Ein Gospelprojekt zum Mitsingen plane er ebenfalls. Für 2020 hat er schon den Plan, das Weihnachtsoratorium mit vielen Sängern gemeinsam mit Großröhrsdorf in die Kirche zu bringen. Und er kann dann ab September an der sanierten Orgel auch alle Register ziehen.