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Donnerstag, 08.11.2018

Der Landkreis hat Rücken

Mehr als 20 Prozent der Fehltage sind darauf zurückzuführen. Dennoch ist der Landkreis Bautzen gesünder als der Rest Sachsens.

Von Theresa Hellwig

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Es zwickt im Bereich der Lendenwirbelsäule? Vielleicht hilft es, ein paar Bahnen im Schwimmbad zu ziehen oder im Wald spazieren zu gehen. Fest steht: Im Kreis Bautzen leiden viele Menschen unter Rückenschmerzen, im vergangenen Jahr kamen auf 100 Versicherte gerechnet 93 Fehltage durch Rückenleiden.
Es zwickt im Bereich der Lendenwirbelsäule? Vielleicht hilft es, ein paar Bahnen im Schwimmbad zu ziehen oder im Wald spazieren zu gehen. Fest steht: Im Kreis Bautzen leiden viele Menschen unter Rückenschmerzen, im vergangenen Jahr kamen auf 100 Versicherte gerechnet 93 Fehltage durch Rückenleiden.

© dpa / Arno Burgi

© SZ-Grafik: Fernot Grunwald

© SZ-Gafik: Romy Thiel

Bautzen. Mit dem Auto auf die Arbeit, dann an den Schreibtisch setzen. Mit dem Fahrstuhl in die Tiefgarage, mit dem Auto wieder nach Hause, zehn Schritte bis zum Sofa, geschafft: Endlich hinsetzen. Weshalb so viele Menschen an Rückenschmerzen leiden, das ist für Ilona Walter ganz klar. Die Leiterin des Gesundheitsamts des Landkreises erklärt: „Der Mensch ist als Jäger und Sammler geboren. Er ist früher täglich 30 bis 40 Kilometer gelaufen, das macht heute niemand mehr. Na klar tut dann der Rücken weh!“ Die Muskeln machen schlapp, die Sitzhaltung vor dem Computer sorgt für Nackenschmerzen.

All das sind Probleme, die viele Menschen im Landkreis Bautzen nur allzu gut kennen. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems machen mit einem Anteil von 21,5 Prozent im Jahr 2017 den größten Anteil der Fehltage der im Kreis bei der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK Gesundheit) Versicherten aus. Das ergab der diesjährige Gesundheitsreport der Krankenversicherung. Hinter Muskel-Skelett-Erkrankungen verbergen sich demnach Rückenschmerzen, Bandscheibenschäden und beispielsweise Knieprobleme.

In Bezug auf den Krankenstand insgesamt steht der Kreis Bautzen mit einem Anteil von 4,4 Prozent in dem Bericht gar nicht so schlecht da. Besser geht es nur Dresden mit 4,0 Prozent – viele andere Kreise landen auch bei 4,4 Prozent. Görlitz und Zwickau geht es schlechter, dort liegen die Krankenstände bei über fünf Prozent. 32 000 Versicherte zählt die DAK in den Kreisen Görlitz und Bautzen. In die Analyse zählten die Krankenscheine mit Postleitzahlen, die den Landkreis betreffen.

Die meisten Fehltage

Probleme der Muskeln und Knochen machen zwar den größten Anteil der Fehltage im Kreis aus. Dennoch schneiden die Bautzener im Vergleich zum Landesdurchschnitt nicht schlecht ab. Während im Landkreis auf 100 Versicherte im vergangenen Jahr im Schnitt 345 Fehltage durch Knochen- und Muskelprobleme kamen, waren es sachsenweit sogar 359. Zudem ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Damals lag der Schnitt der Fehltage auf 100 Versicherte umgerechnet bei 438.

Den zweitgrößten Anteil der Fehltage der bei der DAK Gesundheit Versicherten im Landkreis machen dem Report zufolge mit 18,2 Prozent Erkrankungen am Atmungssystem aus. Darunter zählen in der Analyse Erkältungen, Bronchitis und Mandelentzündungen. An dritter Stelle stehen Verletzungen mit 12,9 Prozent, dicht gefolgt von psychischen Erkrankungen mit 12,2 Prozent.

Betrachtet man die Häufigkeit der Krankheiten und nicht die Länge der Fehlzeiten, so machen Infektionen den größten Anteil aus. Reine Rückenschmerzen landen auf Platz zwei der häufigsten Krankschreibungen: Bezogen auf 100 Beschäftigte im Landkreis gab es 93 Fehltage aufgrund von Rückenschmerzen, eine Krankschreibung dauerte dann im Schnitt fast zwölf Tage.

Als Notfall ins Krankenhaus

Eine Befragung ergab, dass drei Viertel der Arbeitnehmer in Sachsen im Jahr mindestens einmal Rückenschmerzen haben. Drei Prozent leiden chronisch darunter. Je älter die Menschen werden, desto länger dauert eine Krankschreibung im Schnitt. Oft kommen Betroffene als Notfall ins Krankenhaus: In Sachsen waren der Analyse zufolge 46 Prozent aller Krankenhausfälle aufgrund von Rückenschmerzen.

„Viele Arbeitgeber haben erkannt, dass sie etwas unternehmen müssen“, erklärt Andreas Motzko von der DAK Gesundheit. Im Landratsamt bedeutete das: ein Wettkampf um die besten Schrittzählerergebnisse. Bei anderen Arbeitgebern gibt es höhenverstellbare Tische und die Einstellungen der Bildschirme werden überprüft. Ilona Walter, die einst als Chirurgin arbeitete, sagt: Oft hängen Rückenschmerzen auch mit Stress zusammen. „Wer gemobbt wird oder sich unwohl fühlt, verspannt. So können auch psychische Probleme zu Rückenschmerzen führen.“ Auch Übergewicht führe oft zu Schmerzen im Rücken. Manchmal liege es aber auch an banalen Dingen. Wie zum Beispiel einer schlechten Matratze. Oder im Frühsommer, wenn viele mit der Gartenarbeit beginnen: „Viele vergessen: Auch davor sollte man sich warm machen und dehnen“, sagt Ilona Walter.