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Mittwoch, 07.11.2018

Der Landkreis Görlitz hat Rücken

Laut DAK ist der Krankenstand in der Oberlausitz gestiegen, die Ausfalltage nehmen zu.

Von Matthias Klaus

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Fast jeder vierte im Kreis hats im Kreuz: Rückenbeschwerden bleiben der Zahl der Fehltage der Angestellten auf Platz eins.
Fast jeder vierte im Kreis hats im Kreuz: Rückenbeschwerden bleiben der Zahl der Fehltage der Angestellten auf Platz eins.

© dpa

© SZ-Grafik

Angestellte im Kreis Görlitz haben es immer häufiger im Kreuz. So jedenfalls zeigt es eine Studie der DAK, der Deutschen Angestellten-Krankenkasse. Bei den Fehltagen liegen Muskel-Skelett-Erkrankungen an erster Stelle. Dazu gehören Rückenschmerzen. Jeder vierte Kranke, den die DAK im vergangenen Jahr registrierte, hatte eine entsprechende Beschwerde. Generell, so Andreas Motzko, Leiter des DAK-Servicezentrums in Bautzen, ist der Krankenstand im Kreis Görlitz im vergangenen Jahr angestiegen. Demnach nahmen die Ausfalltage wegen Krankheiten um 0,2 Prozentpunkte zu. Laut Gesundheitsreport der Krankenkasse waren von 1 000 Arbeitnehmern an jedem Tag des vergangenen Jahres 52 krankgeschrieben.

Damit kommt die DAK in etwa zu demselben Ergebnis, wie es bereits die Barmer-Krankenkasse verkündet hatte. Auch sie hatte in diesem Jahr in ihrem Gesundheitsreport unter anderem herausgefunden: Rückenprobleme sorgen für die meisten Krankschreibungen im Landkreis Görlitz. Laut DAK blieb die Zahl der Fehltage bei den Muskel-Skelett-Erkrankungen zwar in etwa im Vergleich zu 2016 gleich. Dennoch liegt sie über dem sachsenweiten Durchschnitt. Im Freistaat macht diese Art von Erkrankungen 359 Fehltage pro 100 Versicherten aus, im Kreis Görlitz sind es 467 Fehltage. Rückenleiden bleiben in der Oberlausitz generell auf einem hohen Niveau. Amtsarzt Christoph Ziesch sieht zwei Gründe: zum einen die Altersstruktur im Landkreis, den hohen Anteil älterer Menschen mit entsprechenden Rückenproblemen. „Zum anderen ist es auch die veränderte Arbeitswelt“, sagt er. Mit der Digitalisierung der Arbeitsabläufe, dem immer mehr Vor-dem-Computer-Sitzen, deshalb immer weniger Bewegunghaben, komme es dann eben auch zu entsprechenden Krankheitsbildern wie eben Rückenschmerzen. Aber auch andere Beschwerden machen den Bewohnern des Kreises zu schaffen, heißt es im aktuellen DAK-Gesundheitsreport. Um 16 Prozent stieg beispielsweise im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2016 die Zahl der Atemwegserkrankungen wie Bronchitis. „Es folgen verletzungsbedingte Ausfallzeiten“, so Andreas Motzko. Deren Zahl stieg um 37 Prozent. Was genau hinter dieser Zunahme dahintersteckt, dazu konnte die Krankenkasse keine Angaben machen. Angstzustände und Depressionen liegen auf dem vierten Platz. Hier gibt es, jedenfalls aus Sicht der Kasse, eine Abnahme um 15 Prozent bezogen auf die jeweiligen Ausfalltage.

Sachsenweit leiden laut DAK etwa 1,4 Millionen Menschen unter Rückenschmerzen. In ihrem aktuellen Report hat die Krankenkasse dies deshalb zu einem Schwerpunkt gemacht. Die DAK hat mehr als 147 000 Versicherte in Sachsen, davon rund 32 000 in den Landkreisen Görlitz und Bautzen.

Lendenwirbel sind Hauptproblem

Viele Betroffene versuchen, ohne Arztbesuch mit den Schmerzen umzugehen.

Die große Mehrheit der Angestellten in Sachsen meldet sich wegen Rückenschmerzen gar nicht erst krank, hat die DAK herausgefunden. Demnach gehen 84 Prozent mit Schmerzen weiter zur Arbeit. Entscheidend sei es natürlich, ob Beschäftigte häufig in unbequemer Körperhaltung arbeiten müssen, einen hohen Termin- und Leistungsdruck haben oder aber auch ihren Job mit wenig Freude erledigen.

Bei 71 Prozent der vom Rückenschmerz Betroffenen tut es an der Lendenwirbelsäule weh. 44 Prozent haben Probleme mit dem Nacken, fast jeder Vierte gibt Schmerzen an mehreren Bereichen der Wirbelsäule an. Jeder zehnte Rückenschmerz-Geplagte hat dabei starke bis sehr starke Schmerzen, heißt es von der DAK.

Die große Mehrheit versucht, erst einmal selbst mit dem Problem klarzukommen. Nur etwa jeder vierte Betroffene sei im vergangenen Jahr wegen „Rücken“ zum Arzt gegangen. Davon wiederum suchten 77 Prozent nur bei einem Mediziner Hilfe. 86 Prozent bekamen eine Physiotherapie, 39 Prozent erhielten Schmerzmittel, bei jedem Fünften wurde ein CT oder ein MRT des Rückens gemacht.

Die DAK bietet inzwischen ein Rücken-Coaching an, online-basiert.