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Freitag, 19.01.2018

Der Krisengipfel

Vor dem Eishockey-Derby zwischen Weißwasser und Dresden haben beide Trainer ähnliche Sorgen – das Interview.

Von Sven Geisler und Frank Thümmler

Franz Steer (l.) trainiert die Eislöwen seit Beginn dieser Saison. Robert Hoffmann ist seit Dezember Chefcoach bei den Füchsen.
Franz Steer (l.) trainiert die Eislöwen seit Beginn dieser Saison. Robert Hoffmann ist seit Dezember Chefcoach bei den Füchsen.

© Ronals Bon? / Thomas Heide

Es läuft gerade so gar nicht rund. Den Lausitzer Füchsen droht in der Deutschen Eishockey-Liga 2 die Abstiegsrunde, die Dresdner Eislöwen laufen Gefahr, die direkte Qualifikation für die Play-offs zu verspielen. Vor dem Sachsenduell am Freitag, 19.30 Uhr, in Weißwasser stehen auch die Trainer unter Erfolgszwang. Im SZ-Gespräch erklären Robert Hoffmann für die Füchse und Franz Steer bei den Eislöwen, wie sie die Situation sehen.

Wie gefährlich ist die Krise zu diesem Saisonzeitpunkt, ist das Ziel gefährdet?

Hoffmann: Von unseren Leistungen her sehe ich uns gar nicht in einer Krise. Wir haben unter mir als Trainer vier der ersten fünf Spiele gewonnen, hatten danach – bis auf das 0:7 gegen Bad Nauheim – eigentlich immer eine Siegchance. Nur unsere Ergebnisse spiegeln das nicht wider. Wir wissen, dass wir jetzt punkten müssen. Über allem steht der Klassenerhalt.

Steer: Die Play-offs zu erreichen, ist nach wie vor realistisch. Im November standen wir auf Platz vier – mit der gleichen Mannschaft. In Bietigheim, Kassel und Frankfurt haben wir dann gut gespielt, hätten sieben Punkte mitnehmen müssen, es ist aber nur einer geworden. In den Heimspielen um Weihnachten waren wir zu wenig aggressiv, dachten wohl: Das machen wir schon. So kommt man in einen negativen Lauf.

Was sind die Gründe für die schlechte Bilanz der letzten Wochen?

Hoffmann: Letztlich haben uns immer wieder individuelle Fehler die Punkte gekostet. Also heißt es, in jedem Training und jedem Spiel, einfach spielen, konzentriert sein. Aus meiner Sicht ist das ein Lernprozess.

Steer: Wir haben zuletzt viele einfache Tore bekommen und wir schießen zu wenige. Die Schusseffizienz ist ein Knackpunkt, zudem mussten wir wegen Verletzungen oft umstellen, die Automatismen fehlen. Uns fehlt Petr Macholda speziell in Überzahlsituationen brutal und zudem mit Harrison Reed einer, der durch eine außergewöhnliche Aktion ein Spiel drehen kann. Das darf keine Ausrede sein, erklärt aber einiges.

Ist es eher eine Frage der Qualität – auch der ausländischen Spieler – oder der Einstellung?

Hoffmann: Die Ausländer zeigen ihre Qualität. Wir haben eine junge Mannschaft. Jeder muss in jedem Spiel an seine Leistungsgrenze gehen. An der Einstellung liegt es sicher nicht. Aber in der Breite sind wir vielleicht nicht so gut aufgestellt wie andere.

Steer: Die Spieler wollen, aber manche sind etwas blockiert, trauen sich zu wenig zu. Es ist auch eine Frage der Qualität, aber die muss man sich leisten können. Ich will mich nicht rausreden, aber unsere finanziellen Möglichkeiten sind beispielsweise im Vergleich zu Bietigheim eingeschränkt. Natürlich muss von Matt Siddall mehr kommen. Der Junge macht sich selber verrückt, möchte das Spiel an sich reißen, spielt dann aber nicht mehr, was er kann.

Was werfen Sie sich als Trainer vor?

Hoffmann: Ich bin neu als Cheftrainer, lerne auch dazu und hinterfrage mich jeden Tag. Im Rückblick kann ich sagen, dass ich alle Entscheidungen wieder so treffen würde. Ich stehe zu meiner Spielphilosophie.

Steer: Ich hinterfrage mich nach jedem Spiel: Waren wir richtig vorbereitet? Vor dem letzten Spiel in Bayreuth (2:7/d. A.) hatten wir richtig gut trainiert, großen Wert auf genaue Pässe gelegt. Und dann kriegen wir solche Tore! Beim ersten patzt der Torwart, bei den anderen reagieren Spieler zu langsam oder falsch.

Wie kann die Mannschaft jetzt die Kurve bekommen?

Hoffmann: Ganz einfach – indem wir Spiele gewinnen, auch die engen. Ich kann immer wieder nur predigen: Einfach spielen, einfache Fehler vermeiden. Irgendwann kommt auch das Glück zurück, das man sich aber erarbeiten muss.

Steer: Wir müssen wieder Sicherheit reinkriegen, und dafür brauchen wir Erfolgserlebnisse. Das Motto lautet: Wenn es schwierig wird, besinne dich auf das Einfache. Mit der richtigen Einstellung die Zweikämpfe gewinnen – das ist der Schlüssel.

Kommt das Derby gerade recht oder ist angesichts der Situation der Druck noch mal höher?

Hoffmann: Druck haben wir immer. Nein, wegen solcher Spiele wird man Profi. Deshalb ist das doch für viele der schönste Job, den es gibt. Wir spielen vor ausverkauftem Haus, die Stimmung wird bombastisch sein. Da überwiegt eindeutig die Vorfreude.

Steer: Für die Fans und den Verein ist es ein besonderes Spiel, aber ob das die Füchse sind oder ein anderer Gegner: Wir wollen drei Punkte. Trotz der Emotionen muss man mit klarem Kopf spielen und darf nicht anfangen zu spinnen. Ich denke, dass sie mehr unter Druck stehen als wir.

Wie schätzen Sie den Gegner ein?

Hoffmann: Die Dresdner haben eine Mannschaft mit hoher Qualität. Natürlich habe ich mir das Video vom letzten Spiel in Bayreuth angeschaut. Aber das sollte man nicht überbewerten. Bei uns muss schon alles stimmen, damit wir die Eislöwen schlagen können. Und heiß sind meine Jungs, das kann ich versprechen.

Steer: Es gibt keinen Gegner, den wir locker nehmen können. Die Füchse leben von Hayes, Eriksson und Ranta. Sie kommen mit hoher Geschwindigkeit, sind sehr beweglich und abschlussstark. Es wird schwierig, sie in den Griff zu kriegen.

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